Alsdorf: „Kokobe“: Umzug in die Luisenpassage

Alsdorf: „Kokobe“: Umzug in die Luisenpassage

Der Umzug soll vor allem eine Möglichkeit sein, noch mehr Menschen zu erreichen. Seit bald zehn Jahren ist eine Stelle der „KoKoBe“, der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote auch in Alsdorf vor Ort. Ab sofort unter dem Dach von „ABBBA“ in der Luisenpassage.

Im Zentrum der Stadt erhofft Sozialpädagogin Karin Sodekamp-Stöcker, besser im Blickfeld nicht nur der Betroffenen zu sein.

Hat sie bislang im St.-Castor-Haus beraten, steht ihre Tür nun im Zentrum offen. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren schon so manches verbessert, „doch gibt es immer noch betroffene Menschen, die gar nicht im sozialen System sind“. Sprich: Die nicht in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, nicht an Freizeitangeboten teilnehmen, sondern vor allem isoliert leben. Und das nicht selten, weil sie gar nicht wissen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen. Hier zu beraten und zu unterstützen, ist das Ziel von Karin Sodekamp-Stöcker.

Vor allem Wohnen ist ein großes Stichwort. „War es früher für die meisten selbstverständlich, dass Geistigbehinderte in einem Wohnheim leben, gibt es heute viele ambulante Hilfen, die ein selbstständiges Leben in eigenen Räumen ermöglichen.“ Wege dorthin, Ansprechpartner, finanzielle Förderung — dazu hat sie kostenlos Rat und Broschüren zur Hand. Auch Vereine, in denen Behinderte sich sportlich oder kulturell engagieren können, kann sie benennen.

Neue zu finden, ist auch eine Aufgabe. „Es geht insgesamt darum, verschiedene Seiten einander näher zu bringen, Akzeptanz zu schaffen.“ Die neue Lage in der City könne das ihre beitragen das Thema stärker ins allgemeine Blickfeld zu rücken. Was sich machen lässt, hat sie selbst erlebt. Im St.-Castor-Haus hat sie eine närrische Sitzung etabliert, die jährlich am Freitag nach dem Altweiberdonnerstag stattfinden und im Lauf der Zeit gewachsen ist.

Mittlerweile schunkeln dort Behinderte mit Nicht-Behinderten, zahlreiche Vereine unterstützen das Programm, auch der Besuch des Prinzen ist längst Ehrensache. „Im vergangenen Jahr hatten wir zweieinhalb Stunden Programm, das war riesig.“ Nur ein Beispiel dafür, was sich gemeinsam auf die Beine stellen lässt, sagt sie.

An die 50 Menschen berät sie pro Jahr, in der Regel auch die Angehörigen der Behinderten, denen sie nicht selten große Ängste nehmen muss, wenn die Kinder versuchen wollen, trotz ihrer Behinderung auf eigenen Füßen zu stehen. Zunehmend hat sie auch Fälle, in denen Behinderte mit 50 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagen müssen, weil ihre Eltern schlicht zu alt geworden und mit der Betreuung überfordert sind.

Der demographische Wandel schlage sich in der Beratung deutlich nieder, ebenso steigt die Zahl der Ratsuchenden mit Migrationshintergrund, die sie häufig mit Hilfe von Dolmetschern berät. Gebraucht zu werden, ist der Beratungsstelle in Alsdorf gewiss. Und womöglich wird sie nun von einigen Menschen erst entdeckt.

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