Herzogenrath: Klösterchen öffnet das zweite „Weltkulturfenster“

Herzogenrath: Klösterchen öffnet das zweite „Weltkulturfenster“

Wenn das mit der Traditionspflege im Rheinland stimmt, dann durfte die zweite Auflage des „Weltkulturfensters“ im soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ in Herzogenrath eine schöne Tradition der Willkommenskultur begründen. Und wie beim ersten Mal trafen hier nicht nur die kulturellen Angebote im Haus auf interessierte Besucher, es war nach Wunsch der Ausrichter natürlich auch andersherum.

„Nach den guten Anfangserfolgen erfüllte sich unsere Hoffnung nach einer Verstetigung der kulturellen Beziehungen“, umschreibt es Wilfried Hammers vom „Klösterchen“. Dort sind Flucht und deren Ursachen seit fast zwei Jahrzehnten ein Thema, mit dem sich alle befassen.

Nicht nur der interkulturelle Garten hinter dem Haus oder die aktive Mitgliedschaft im Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ sind zwei Beispiele, wie die Menschen vor Ort sich seit der Zeit des ersten sogenannten Asylkompromisses politisch in diesem Feld engagieren. Mit dem „Weltkulturfenster“ wurde die Idee zum zweiten Mal gebündelt auch an die neu angekommenen Menschen weitergegeben.

So öffnete sich ein weiteres Fenster für die Menschen, die aus ihrer Heimat in die Fremde flüchten mussten, um zu überleben. „Das geschieht natürlich auch im übertragenen Sinne“, sagte Hammers im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich spielen sich hinter all den Fenstern der Einrichtung kulturell so viele unterschiedliche Dinge ab, dass sich hier ein echtes Kaleidoskop der Möglichkeiten eröffnet.

Argjend Adema beispielsweise zeigte Kindern, wie schön und kreativ Malen sein kann. „Das ist einfach super, die Kinder, aber auch Erwachsene, machen hier gerne mit“, sagte er. Tanzangebote gab es von Bettina Lauber, bei Sung Hie Kalinka ging es an die Trommelstöcke, und draußen auf der Terrasse flogen beim Workshop für Bildhauer mit Stefanie Weskott die kleinen Steinchen.

Schön war auch das Zusammenspiel mit den Kulturlotsen, die den asylsuchenden Menschen zur Seite gestellt wurden. „So scheitern die einmal geknüpften Beziehungen nicht an Kleinigkeiten oder Verständigungsschwierigkeiten“, schloss Wilfried Hammers.

Von der Chorprobe mit Hans Brandt über Textilarbeiten mit Ina Kramer, Infos von Attac Wurmtal von Peter Nickels, Holzobjekten und Pastellkreide-Malerei mit Ela Moonen, einem Blick auf den interkulturellen Garten mit Melanie Wichmann bis zu einer Spielegruppe für Eltern und Kinder mit Margret Middelkoop reichte das Angebot. Für das leibliche Wohl war selbstverständlich auch bestens gesorgt, und so öffnete das „Weltkulturfenster“ nicht nur sperrangelweit seine Flügel, sondern machte auch Werbung für das interkulturelle Leben vor Ort.

Das Ganze soll sich zu einer festen Reihe entwickeln, denn für 2016 ist das nächste „Weltkulturfenster“ schon eingeplant, dann auch mit eigenen Beiträgen von Flüchtlingen.

(mabie)
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