Baesweiler: „Klenkes“-Bier soll die Region erobern

Baesweiler: „Klenkes“-Bier soll die Region erobern

Irgendwie kann man den Mann verstehen. Wenn man es beruflich seit Jahrzehnten ständig nur mit leeren, reparaturbedürftigen Bierfässern zu tun hat und zudem ein Freund und Kenner des Gerstensaftes ist, dann reift wohl unweigerlich der Wunsch, es auch mal mit vollen Bierfässern zu tun zu haben.

In Baesweiler betreibt Karl-Heinz Mannich mit seinem zehn Mitarbeiter starken Unternehmen „KSM Keg-Service“ ein erfolgreiches Geschäft mit dem Reparieren und dem Handel überholungsbedürftiger Bierfässer. Als Sonder-Maschinenbauer hat er die dazu notwendige Anlage, die rund 1000 Fässer am Tag überarbeitet und sie danach „wie neu“ wieder auf den Markt schickt, selbst erfunden — und sie gleich patentieren lassen. Damit ist Karl-Heinz Mannich weltweit effektiv unterwegs.

Jetzt hat der in Alsdorf lebende 64-jährige Unternehmer beschlossen, Fässer nicht nur auszubessern und mit ihnen im Leerzustand zu handeln, sondern sie auch zu füllen. Mit Selbstgebrautem will er von seinem Hauptgeschäftssitz in Baesweiler (zunächst) die Region erobern, mit einem Bier, das es nach seinen Angaben so auf dem hiesigen Markt noch nicht gibt: „Klenkes“ heißt es und verspricht im Slogan: „Ein Bier wie Aachen.“

Das etwas dunkle Klenkes hat einen Alkoholgehalt von immerhin 5,3 Prozent, womit es sich alleine schon vom herkömmlichen „flüssigen Brot“ mit etwa 4,8 Prozent unterscheidet. „Natürlich ist das Klenkes nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut. Durch das Brauen mit geröstetem Malz wird es dunkel-würzig. Und es ist nicht zu stark gehopft. Der Geschmack hat einen feinwürzigen, leicht rauchigen Touch, schmeckt aber keinesfalls nach Altbier“, erklärt Mannich. Dass der Alkoholgehalt ein wenig höher ausfällt als etwa bei einem herkömmlichen Pils oder Kölsch, hat seinen Grund, erklärt der Geschäftsmann: „Der Alkohol im Bier ist ein Geschmacksträger. Deshalb kann ein Alkoholfreies nie den Charakter eines Bieres mit Alkohol haben.“

Gebraut wird das Klenkes noch in der Nassauischen Privatbrauerei GmbH in Hahnstätten. Dort ist Karl-Heinz Mannich ebenfalls Geschäftsführer. „Ich kann mir durchaus vorstellen, meine Biere auch in Baesweiler herzustellen“, erklärt er. Das Wasser in der Region sei bekanntermaßen sehr gut. „Und wer damit wirbt, dass das kristallklare Wasser in einer Gegend alleine für den Geschmack verantwortlich sei, der handle nicht ganz wahrheitsgetreu. „Das Wasser wird aufbereitet. Man muss nicht gleich einen Brunnen bauen, um Bier zu brauen“, sagt Mannich. Insofern stände einer Brauerei in Baesweiler auch nichts im Wege.

Aber meine Biere? Ja. Das Klenkes wird nämlich nicht die einzige Kreation bleiben, die von Baesweiler aus ihren Siegeszug durch die Aachener Region machen soll. Das zweite, eine hellere Variante, aber kein Pils, verrät Mannich, steht sozusagen in den Startlöchern. Das Label ist bereits entworfen, die Rezeptur ist fertig.

Eins werden die ersten beiden Biere aus Baesweiler dann gemeinsam haben: die Kreativität der Tochter Mannichs. Denn die 17-jährige angehende Abiturientin Christina hat sowohl die Hand mit dem Klenkes gezeichnet als auch das Motiv des hellen Nachfolgebieres.

„Diese neuen Biersorten gemeinsam mit meinem Brauer in Hahnstätten zu kreieren und auf den Markt zu bringen, macht einfach Spaß. Dieses Projekt ist meine etwas andere elektrische Eisenbahn.“ Angetrieben zu diesem „Projekt“ hat ihn der belgische Biermarkt mit all seinen Möglichkeiten. „Der deutsche Biermarkt hat die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte verpennt“, sagt er. Mit dem Blick über die Grenze zu den Nachbarn ärgert es ihn besonders, dass die meisten gastronomischen Betriebe in ihrem Angebot an Bierspezialitäten limitiert sind: „Pils, Kölsch und mit etwas Glück gibt es noch ein Weizen. Anderswo ist das Angebot größer.“

Nach Ansicht Mannichs ist die Experimentierfreude der deutschen rund 1300 Brauereien nicht sehr groß, auch wenn es in der Bundesrepublik 5000 Biere gebe. „Aber meistens nur Pils. Geschmacklich tut sich da nicht viel“, bedauert der Freund der Spezialbiere belgischen Vorbilds. Das soll sich — zumindest in der Städteregion Aachen — nun ändern, wenn Handel und Gastronomie erst vom Klenkes und dann von weiteren vier Sorten erobert sind.

Bislang gibt es das Öcher Bier Klenkes nur im Direktabverkauf in Kästen bei „KSM“ in Baesweiler und einem Aachener Getränkemarkt. Vierer-Gebinde sollen aber bald flächendeckend vertrieben werden und auch 12-Liter-Fässer für die Party sollen schon bald erhältlich sein.