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Würselen: Klares Nein der Apotheker zu weniger Service

Würselen : Klares Nein der Apotheker zu weniger Service

Wer dringend ein Medikament braucht, geht in der Regel zur Apotheke, denn dort kann meistens umgehend geholfen werden. Auch nachts. Die Notdienste sind zur Selbstverständlichkeit geworden und werden stark in Anspruch genommen.

Für Aufsehen sorgte jetzt ein Interview des Präsidenten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Heinz-Günter Wolf sagte unter anderem: „Heute muss die Politik eine klare Antwort auf die Frage geben, ob Apotheken künftig noch Nacht- und Notdienste, Labore und Lager betreiben und Fachpersonal beschäftigen sollen.” Fallen die Notdienste künftig weg?

Und wenn ja, warum? Wir haben einmal bei Apotheker Dr. Claus Breuer aus Würselen, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Apothekerverbandes Aachen, nachgefragt.

Nacht- und Notdienst will Breuer unbedingt weiter anbieten. „Ich möchte die Not- und Nachtdienste nicht abschaffen, da ich sie als unsere ureigenste Aufgabe ansehe. Außerdem wird er gebraucht”, weiß Breuer aus eigener Erfahrung, da er Not- und Nachtdienste selbst macht. Allein an den Karnevalstagen bediente er über 200 Kunden.

Das Interview mit Heinz-Günter Wolf sei verkehrt aufgefasst worden, beschwichtigt der Pharmazeut. Gleichzeitig warnt er jedoch: „Wir bieten den Service an, die Politik muss aber die nötigen Rahmenbedingungen schaffen.”

Die Wertschöpfung habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch geändert, so Breuer. Und zwar zu Ungunsten der Apotheker. „Vor fünf Jahren bekam die Industrie 50 Prozent des Umsatzes, 17 Prozent gingen an den Staat, acht Prozent an den Großhandel und der Rest war für die Apotheken.”

Mittlerweile sieht das anders aus: Die Industrie erhält über 60 Prozent, 19 Prozent sackt der Staat ein - beide freuen sich über Zugewinne. Anders der Großhandel und die Apotheken. 5,8 Prozent bleiben dem Großhandel, den Apotheken noch knappe 15 Prozent.

Heinz-Günter Wolf belegte den Einnahmenrückgang mit Zahlen. Im Durchschnitt habe eine Apotheke im letzten Jahr einen Rohertragsrückgang um 6000 Euro auf noch 73000 Euro verzeichnet, beklagte er. Der Versandhandel mit Medikamenten boomt, auch in Supermarktketten können mittlerweile Arzneimittel bestellt werden. Dr. Claus Breuer warnt vor dieser Entwicklung: „Arzneimittel sind keine Waren wie alle anderen.”

Die zusätzliche Beratung sei unersetzlich und die könne ein Versandhandel nicht bieten. „In Apotheken arbeiten nur Fachkräfte, alle Mitarbeiter sind bestens qualifiziert.” Die Konsequenz daraus sind hohe Kosten für jeden Apotheker. Daher Breuers Appell an die Politik: „Wir müssen so gestellt sein, dass es sich auch rentiert!” Um Nachdruck zu verleihen, nennt er weitere Vorteile: „Wir bieten wohnortnahe Arbeitsplätze, vor allem für Frauen, junge Migranten und Wiedereinsteiger.”

Service wie Botendienste gehören ebenfalls seit vielen Jahren dazu. „Aber all das geht nur, wenn wir auch genug Geld verdienen”, weiß der Pharmazeut. Zudem warnt Breuer vor dem Trend hin zum Versandhandel: „Wir liefern Medikamente, die nicht vorrätig sind, innerhalb eines Tages. Das kann der Versandhandel nicht.” Gehe der Trend aber immer weiter in diese Richtung, könne das nicht mehr gewährleistet sein.

Ein Dorn im Auge ist dem Apotheker der Vertrieb im Supermarkt. „Dort verkaufen 400-Euro-Kräfte Waschmittel und kümmern sich gleichzeitig um Medikamente”, kritisiert er die mangelnde, nicht vorhandene fachliche Beratung. Die können er und seine Kollegen leisten, auch nachts.

Verschiedene Wünsche

Die Palette der Kundenwünsche sieht dabei nicht anders aus als tagsüber: „Die Leute kommen mit den unterschiedlichsten Wünschen, vom Bonbon bis zum starken Antibiotikum”, erzählt Breuer und hofft, dass er seine Kunden noch lange nachts bedienen kann.