Nordkreis: Kitas im Nordkreis droht Personalnot

Nordkreis : Kitas im Nordkreis droht Personalnot

In den kommenden Jahren werden sie immer gefragter sein: „Für angehende Erzieher gab es noch nie so gute berufliche Perspektiven wie jetzt“, stellt Bernd Krott, Jugendamtsleiter der Stadt Herzogenrath, fest. In seiner Kommune, die drei städtische Kindertagesstätten (Kitas) hat, können regulär freiwerdende Stellen noch besetzt werden.

Würde allerdings unterjährig durch Schwangerschaft oder Krankheit ein Erzieher ausfallen, sei es schwierig, in angemessener Zeit Personal zu finden.

Besorgt zeigt sich Krott vor allem mit Blick auf die nächsten zwei Jahre. Dann werden zum Beispiel die Neubaugebiete Herrenstraße/Römerstraße in Merkstein oder Dornkaul II in Kohlscheid Gestalt annehmen, was einen deutlichen Zuwachs an Familien mit Kindern bedeute. „In Merkstein und Kohlscheid müssen dann zwei fünfgruppige Kitas aufgebaut werden“, erklärt Krott, „das bringt 15 bis 20 neue Stellen mit sich, die wir besetzen müssen.“ Was seiner Einschätzung nach schwierig wird.

Auch in Würselen sei der Fachkräftemangel in den Kitas „ganz deutlich ein Thema“, sagt Fachdienstleiter Herbert Zierden. Nach seiner Schätzung werden in den nächsten fünf Jahren auf 20 Kitas verteilt 57 neue Stellen besetzt werden müssen. Ein Bedarf, der kaum gedeckt werden könne.

Und das liege nicht daran, dass der Beruf des Erziehers nicht gefragt sei, betont Krott aus Herzogenrath. Es fehle an genügend Ausbildungsplätzen. In Aachen und Umgebung könne man zurzeit nur an zwei Stellen die Fachschulausbildung zum Erzieher antreten: an der Käthe-Kollwitz-Schule und dem Berufskolleg in Stolberg. Zwar sei die Anzahl der Ausbildungsklassen angehoben worden, allerdings sei das noch lange nicht ausreichend. Hinzu komme, dass die Ausbildung drei Jahre dauere zuzüglich eines Anerkennungsjahrs, so dass Berufseinsteiger nicht von heute auf morgen verfügbar seien.

„Wir wissen, dass eine Welle an neu zu besetzenden Stellen auf uns zu kommt“, sagt der Arbeitsgruppenleiter für Kindertagesbetreuung der Städteregion Aachen, Alexander Franzen. In den nächsten Jahren würde zum einen viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen und zum anderen die Anzahl der Kinder, die eine Kita-Betreuung benötigen, ansteigen. Denn auch in Baesweiler steht die Fertigstellung von Neubaugebieten wie „Kloshaus“ an.

Die neun Kitas in Trägerschaft der Städteregion Aachen mit 31 Gruppen werden bis 2020 durch sieben Gruppen aufgestockt und Eröffnung einer neuen Kita mit vier Gruppen ergänzt. Das bedeute, so Franzen, in den nächsten Jahren gelte es, circa 33 hinzukommende Erzieherstellen zu besetzen. Ab 2025 sei sogar mit 50 bis 60 freien Stellen zu rechnen, da dann viele Beschäftigte das Rentenalter erreichten.

Meistens gelinge es zum Glück, die Absolventen in der Region zu halten und die Stellen an ihrem Ausbildungsort für sie interessant genug zu machen, um zu bleiben. Es werde mittlerweile darauf geachtet, Berufspraktikanten rechtzeitig ein schmackhaftes Jobangebot in Aussicht zu stellen und wieder mehr unbefristete Arbeitsverträge zu vergeben, so Krott.

Über diesen Weg versucht auch die Stadt Alsdorf Absolventen für zu gewinnen. „Wir merken schon, dass es weniger Bewerbungen gibt“, erklärt Sabine Schäfer, stellvertretende Leiterin des Jugendamtes Alsdorf. Wird in einer der sechs städtischen Kitas in Alsdorf eine Stelle frei, wäre es oft schwer diese zeitnah neu zu besetzen.

Mit Blick auf die nächsten Jahre würden aufgrund von Regelaustritten um die 15 Stellen frei werden. Der Bau einer weiteren Kita mit sechs Gruppen ist beschlossen, da auch hier im Rahmen von Zuzügen in Neubaugebieten rund um Alsdorf ein höherer Bedarf entsteht. Gerade im Bereich der Ü3-Gruppen werde man gucken müssen, ob nicht sogar bis zur Eröffnung der neuen Tagesstätte eine Übergangsgruppe für ein Jahr eröffnet werden müsse.

Im städtischen Verbundfamilienzentrum Kellersberg in Alsdorf ist dieser Personalmangel schon länger zu spüren. Wie die Leiterin Birgit Dammers erzählt, ist aktuell eine Vollzeitstelle ausgeschrieben. Die Suche nach geeigneten Bewerbern „schleppt sich schon längere Zeit hin“. Bewerbung über Mundpropaganda, die direkte Kontaktaufnahme mit den Ausbildungslehrern in den Schulen oder die Motivierungsversuche bei interessierten Anrufern hätten bisher nur wenig genutzt.

Interessant: Teilzeitstellen würden oft Vollzeitstellen vorgezogen. Deswegen überlege man schon, die eine ausgeschriebene Vollzeitstelle umzuwandeln. Bei größeren Ausfällen arbeite die Kita gruppenübergreifend, so dass bisher noch keine Gruppe geschlossen werden musste. Problematisch sei auch die Festlegung des Kinderbildungsgesetzes, welches den Einsatz von Kinderpflegerinnen in den Ü3-Gruppen verbiete. „Wir jonglieren also eigentlich immer“, betont Dammers.

Auch bei Kindertagesstätten in privater Trägerschaft sieht es nicht besser aus. So hat der Roda-Kindertreff in Herzogenrath zurzeit ebenfalls eine Vollzeitstelle ausgeschrieben. Der Leiter Boris Lenzen stellt besorgt fest: „Es sieht nicht rosig aus im Moment, die guten Kandidaten sind schon alle eingestellt.“ Da keime auch schon mal der Konkurrenzgedanke auf — um möglichst attraktiv für Bewerber zu sein, betone man Vorteile wie eine tarifliche Bezahlung und die Möglichkeit auf Fort- und Weiterbildungen.

„Vor zehn Jahren kamen auf eine Stellenanzeige noch 20 bis 30 interessierte Bewerber, heute sind es eher nur noch zwei bis drei“, resümiert Lenzen. Der auf Elterninitiative gegründete Verein habe aber noch Glück: Er umsorge momentan 92 Kinder und könne aufgrund seiner Größe personelle Ausfälle gut abfangen. Auch hier ist eine Umverteilung der Kinder dann möglich.

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