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Alsdorf: Kita Florianstraße: Notlösung wird zum vorläufigen Dauerzustand

Alsdorf : Kita Florianstraße: Notlösung wird zum vorläufigen Dauerzustand

Bestürzt, fassungslos, entsetzt — die Reaktion der Eltern am Donnerstagabend war unterschiedlich ausgeprägt, hatte aber die gleiche Tendenz. Als Bürgermeister Alfred Sonders verkündete, dass die Kindertagesstätte (Kita) Florianstraße im Stadtteil Schaufenberg abgerissen werden wird, holten viele Mütter und Väter hörbar Luft. Kopfschütteln, ratlose Blicke wurden einander zugeworfen.

„Es hat mir schlaflose Nächte bereitet“, erzählte Sonders, „ich mache das nicht gerne, aber es geht nicht anders.“

Vorbereitungen getroffen: An dieser Stelle sollte die sechste Gruppe für die Kita angebaut werden. Foto: Elisa Zander

Lange Zeit hieß es, dass die Kita saniert werden und in einigen Monaten wieder bezogen werden kann. Doch seit gut einer Woche liegen die Gutachten zum Bestand der Bausubstanz vor. Und die sind weit schlechter als erwartet, wie Sonders sagt.

Außenstützpfeiler beschädigt

Aufgefallen war die Sanierungsnotwendigkeit bei den Ausbauarbeiten der Kita, in der mit einer zusätzlichen Gruppe Platz für weitere zehn U3-Kinder geschaffen werden sollte. Bei den Freilegungsarbeiten offenbarte sich, dass ein Außenstützpfeiler beschädigt war, was zum Anlass genommen wurde, alle 16 Außenträger zu prüfen. Eine Einsturzgefahr bestünde zwar nicht, betonte Sonders, „aber bleiben können sie so nicht“.

Ein schlichtes Ersetzen ist nicht möglich, da die Außenpfeiler mit den Stützen im Innenraum der Einrichtung verbunden sind, so dass in der Einrichtung viele zusätzliche Maßnahmen getroffen werden müssten, um eine Sanierung überhaupt zu ermöglichen. Die Pfeiler in den Wänden sind ebenfalls angegriffen.

Hinzu kam ein Wasserrohrbruch, der nicht wegen, aber während der Ausbauarbeiten auftrat und den Boden der Kita unterspülte. Die Trocknungsarbeiten waren nicht verlaufen wie gewünscht und die Frage nach möglichen Schimmelsporen hängt in der Luft.

Viele Baustellen in der Kindertagesstätte also, die sowohl den Kosten- als auch den Zeitrahmen „unüberschaubar“ werden lassen. „Und dann wissen wir nicht, ob wir alles saniert hätten, was saniert werden müsste“, sagt Alfred Sonders und bringt es auf den Punkt: „Es ist technisch schwierig und hat keinen Zweck.“

In einer interfraktionellen Sitzung habe man die Situation besprochen, sich schließlich die Baustelle vor Ort noch einmal angesehen und sei einstimmig zu der Entscheidung gekommen, die Kindertagesstätte abzureißen und an Ort und Stelle neu zu bauen. Die „einzig richtige Entscheidung“, wie Sonders und, dem zustimmenden Nicken nach, offenbar auch viele Eltern finden.

Umzug für 2015 geplant

Offiziell muss diese Entscheidung noch in einer Sitzung des Stadtrats oder des Hauptausschusses bestätigt werden — „je nachdem, was schneller geht“. Sonders geht dabei aber mehr von einer Formalie aus. „Unser Bestreben ist es, dass wir bis Ende 2014 fertig sind und dann wieder umziehen können. Dafür wollen wir alles in Bewegung setzen und alle Mittel einsetzen, die wir haben.“

Dieser Zeitplan bedeutet, dass die Einrichtung noch in diesem Jahr dem Erdboden gleich gemacht werden müsste, um spätestens im März den Spatenstich für den Neubau zu setzen. Ehrgeizig, finden die Eltern. Eineinhalb Jahre hat sich Sonders als Zeitrahmen gesetzt, den er aber unterschreiten will.

Das bedeutet auch, dass die ursprünglich als Notunterkunft gedachte Lösung erst einmal bestehen bleibt, denn bis die Kinder in den Neubau zurück können, soll die Einrichtung in der Kraftzentrale bleiben; einen weiteren Umzug will Sonders vermeiden.

Ob der Kita-Betrieb von den Arbeiten im Umfeld der Kraftzentrale für das Kultur- und Bildungszentrum beeinflussen wird, möchte eine Mutter wissen. „Die Arbeiten werden im Frühjahr beginnen, aber es wird nicht den Kita-Alltag beeinträchtigen“, sagt Sonders. Es würden Bagger in der Nähe fahren, aber „es passiert nichts hier im Gebäude“.

Lob für Erzieherinnen

Während des Gesprächs betonen viele der Eltern, dass die Stadt „das Beste aus der Kraftzentrale für die Kinder herausgeholt“ habe. Auch für die Erzieherinnen gibt es viel Lob für den „guten Umgang“ mit der Situation. „Es geht unseren Kindern hier gut“, sagt eine Mutter. „Wir wollen nicht nur meckern, sondern hier konkret noch etwas ändern, damit die Situation noch besser wird.“

Unterstützung soll es da von der Stadt geben. Zusätzliche Waschbecken und Dämmmatten, um akustische Nachteile zu beheben, werden angebracht, der Außenspielplatz soll mit einem größeren Sandkasten versehen und eventuell Spielgeräte vom Außengelände in Schaufenberg in die Carl-von-Ossietzky-Straße gebracht werden.

Viel Kritik muss Alfred Sonders an diesem Abend für die „fehlende Transparenz“ einstecken. Man habe sich verloren gefühlt, uninformiert, hingehalten. Der Bürgermeister räumt ein, dass dies „unglücklich gelaufen“ sei. „Ich wollte Ihnen aber auch keine Halbwahrheiten erzählen, sondern selbst erst Gewissheit haben.“ Er sei bis vor einer Woche davon ausgegangen, dass man das städtische Familienzentrum sanieren könnte.

Dennoch will er künftig die Eltern breiter über die Vorgänge zu den Arbeiten an der Einrichtung informieren. Auf dem digitalen Bilderrahmen im Eingangsbereich sollen demnächst Hinweise zu dem aktuellen Sachstand und weitere Planungsschritte angezeigt werden. Darunter beispielsweise der Termin der Sitzung, in der der Beschluss für das Vorgehen mit der Kita gefasst wird und auch der Termin des Abrisses — so traurig es für Kinder, Eltern und Erzieher sei, man wolle dabei sein.

Ein großer Wunsch der Eltern ist es auch, in die Entwurfsplanung der neuen Einrichtung einbezogen zu werden. Wobei sich nach Meinung vieler eigentlich gar nicht viel ändern müsste. „Das war so ein harmonischer Kindergarten“, schwärmt ein Vater. „Kann das gleiche Gebäude nicht noch einmal gebaut werden?“ Den Gedanken habe man in der Verwaltung ebenfalls gehabt, so Sonders, doch Urheberrechte machen diesen Wunsch wohl unerfüllbar. Auch der Zeitdruck spielt dabei eine Rolle.

Abriss wird vorbereitet

Derzeit bereitet die Grund- und Stadtentwicklung GmbH (GSG) den Abriss vor. Auch die Ausschreibung werden intern schon eingeleitet, erzählte Alfred Sonders; immer unter dem Aspekt: Zeit sparen und nicht warten, bis das offizielle „Ok“ gegeben ist. Parallel werden Möglichkeiten zur Finanzierung des Projekts geprüft.

Sonders schätzt die Kosten für den Neubau auf 2,5 Millionen Euro. Hinzu kommen Abrisskosten zwischen voraussichtlich 200 000 und 250 000 Euro. Ob die Finanzierung nun von der Stadt oder von der GSG gestemmt wird oder doch ein anderer Weg eingeschlagen wird, damit muss sich die Verwaltung jetzt beschäftigen.

Schließlich sei die Stadt „nicht auf Rosen gebettet“, so der Bürgermeister. Eventuell werde der Stadtrat „die ein oder andere unangenehme Entscheidung treffen müssen und Projekte, die wir eigentlich umsetzen wollten, aufschieben, denn die Kita hat Priorität“.

Sechsgruppiger Neubau

Sicher ist, dass der Neubau sechsgruppig sein soll, damit die geplanten zusätzlichen zehn Plätze für Kinder unter drei Jahren realisiert werden können. Das sei ein Vorteil an der derzeitigen Unterbringung, findet die stellvertretende Leiterin der Einrichtung, Beatrix Furmanski: Dass die erst für nächstes Jahr geplanten Plätze nun schon umgesetzt sind, denn in der Kraftzentrale war genug Platz für eine sechste Kita-Gruppe.

Für das nächste Kindergartenjahr 2014/2015 läuft derzeit die Anmeldewoche. 30 Kinder werden altersbedingt das Familienzentrum verlassen, diese Zahl der Plätze wird dann zur Verfügung stehen. „Wir sagen den Eltern, dass wir mindestens nächstes Jahr noch in der Kraftzentrale bleiben werden“, sagt Furmanski.

„Dann können sie entscheiden, ob sie das Kind bei uns oder wegen der zusätzlichen Fahrerei in einer anderen Tagesstätte anmelden.“ Den Kita-Namen werde man aber beibehalten: Familienzentrum Florianstraße in der Carl-von-Ossietzky-Straße.