Kita-Bedarfsplanung in den Städten des Nordkreises

Kita-Bedarfsplanung : Mehr Familien bedeuten auch mehr Kinder

Die Bedarfsplanung für das Kita-Jahr 2019/2020 ist nicht ganz einfach, weil sich der Zuzug junger Familien in Neubaugebiete im Voraus nicht genau berechnen lässt. Die Versorgung im Nordkreis wird mit neuen Kitas, neuen Gruppen und Überbelegung größtenteils gesichert. Auch der Mangel an Fachkräften macht den Kommunen zu schaffen.

Was in diesen Wochen in NRWs Städten und Kommunen politisch beraten wird, mag nicht sehr aufregend klingen: Fortschreibung der Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege. Es geht um die Frage, wie viele Kinder im kommenden Kitajahr (Beginn: 1. August 2019) einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter brauchen und wie viele freie Plätze es gibt. Das Thema gewinnt zumindest im Nordkreis Würze wenn man bedenkt, welche Mühe einige Eltern bereits haben, einen Platz für ihre Kids zu ergattern.

Beispiel Alsdorf: Dort wird es im kommenden Kita-Jahr etwa 200 bis 220 Plätze zu wenig geben. In Würselen können Kinder zwischen 3 und 6 Jahren nur dann alle untergebracht werden, wenn einige der vorhandenen Gruppen überbelegt werden. Auch in Herzogenrath ist die Lage weit davon entfernt, entspannt zu sein, auch dort versucht die Stadt mit allen Mitteln, der großen Nachfrage Herr zu werden – mit Notgruppen/Vorläufergruppen etwa oder auch hier durch Gruppenüberschreitungen.

Steigende Nachfrage

Bis zum 15. März mussten Städte und Gemeinden die Zahlen für die Kita-Bedarfsplanung an das Landesjugendamt melden, im Vorfeld wurden sie politisch beraten. Bereits vorher war in fast allen Rathäusern klar, dass man mit steigender Nachfrage in der Kinderbetreuung zu tun hat. Der Grund ist weniger darin zu suchen, dass vermehrt Menschen in den Kommunen Eltern werden, sondern durch den Zuzug junger Familien vor allem in Neubaugebiete.

Die Löcher, die durch den Zuzug in der Betreuungslandschaft entstehen, würden Städte gerne mit der Einrichtung neuer Kitas schließen. Eine Angelegenheit, die kostet. Manfred Schmidt, Leiter des Referats Jugend, Schulen und Sport in Alsdorf: „Der Neubau von Kitas ist für Kommunen eine sehr große Herausforderung, sowohl im investiven wie im Betriebskostenbereich.“

Gewichtigeres Problem

Allerdings stehen die Kommunen noch vor einem zweiten Problem, dem sie im Zweifel nicht einmal mit aufgestocktem Budget beikommen können. Ingo Boehm (CDU), Mitglied im Alsdorfer Jugendhilfeausschuss: „Wir haben schon darüber gesprochen, dass da ein Riesenproblem auf uns zu rollt. Wir ziehen immer mehr Menschen nach Alsdorf in Neubaugebiete  und wir können auch weitere Kitas bauen. Aber entsprechendes Personal dafür bekommen wir nicht.“ Damit spricht der Christdemokrat ein Kernproblem an, dass weder Alsdorf noch die anderen Nordkreisstädte exklusiv haben. Geht es um die Kinderbetreuung, herrscht ein Mangel an qualifiziertem Personal.

Stellen müssen besetzt bleiben

Die Stellen zu Beginn des Kindergartenjahres in den Kitas zu besetzen, das bekomme man noch hin, erklärt Bernd Krott, Leiter des Jugendamts in Herzogenrath. Schwierig werde es, Ausfälle während eines laufenden Jahres aufzufangen. „Da müssen Stellen schon mal wochen- oder sogar monatelang unbesetzt bleiben.“

Die Städteregion, die für die Kita-Bedarfsplanung in Baesweiler zuständig ist, teilt auf Anfrage zur Fachkräftesituation in der Kinderbetreuung mit: „Die Situation ist nach wie vor angespannt. Das Berufskolleg Simmerath/Stolberg und die Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen haben die Ausbildungskapazitäten deutlich ausgebaut. Das sollte mittelfristig dazu führen, dass sich die Situation etwas entspannt. Stellen für die Kitas in Trägerschaft der Städteregion Aachen sind laufend ausgeschrieben.“

Netzwerk gegründet: Alsdorfer Tagesmütter wollen gemeinsam ihre Interessen vertreten, erklären Julia Luesgens (l.) und Nicole Wieland von der Netzwerkleitung. Foto: Thomas Vogel

Der Zahlenteil

In Herzogenrath gibt es im kommenden Kita-Jahr insgesamt 1535 Plätze, davon 349 U3-Plätze. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (1515, davon 340 U3). Bei den Tagespflegepersonen steigt die Zahl ebenfalls auf aktuell 205 (2018/2019: 178).

Die Betreuungsquote liegt bei den 3- bis 6-Jährigen bei 101,1 Prozent. 19 Kinder, für die sich nicht auf Anhieb ein Platz fand, können, davon geht die Stadtverwaltung aus, durch Gruppenüberschreitungen versorgt werden. Bei den U3-Kindern liegt die Betreuungsquote bei 44 Prozent. In Kohlscheid soll wegen des gestiegenen Bedarfs im U2-Bereich eine zweite Großtagespflegestelle mit neun Plätzen in städtischer Trägerschaft eingerichtet werden. Kurzfristige Bedarfe sollen mit der Einrichtung von Notgruppen/Vorläufergruppen aufgefangen werden.

In den Herzogenrather Stadtteilen, in denen die meisten Wohnungen und Häuser gebaut werden, sollen auch neue Kindertageseinrichtungen entstehen, um dem steigenden Bedarf Rechnung zu tragen. Den Bau von zwei fünfgruppigen Einrichtungen hat der Jugendhilfeausschuss bereits abgenickt.

Die Versorgung mit einem Betreuungsplatz ist im Nordkreis größtenteils gesichert. Foto: ZVA-Infografik

In Würselen stehen für 3- bis 6-Jährige aktuell 1098 Plätze zur Verfügung, der Bedarf liegt hingegen bei 1119 Plätzen. Die fehlenden 21 Plätze könnten jedoch durch Überbelegung in den vorhandenen 71 Gruppen erreicht werden, die Stadt geht demnach von einer Versorgungsquote von 100 Prozent aus. Außerdem zeichne sich ab, dass die fünfgruppige Kindertagesstätte Stadtgarten (Träger: DRK) ab dem kommenden Kindergartenjahr genutzt werden kann. Ab diesem Zeitpunkt entspanne sich die Bedarfssituation von Betreuungsplätzen im Elementarbereich deutlich. Für 1015 U3-Kinder stehen im kommenden Kita-Jahr 200 Plätze in der Tagespflege und 277 in Kitas zur Verfügung – das ergibt eine Versorgungsquote von 47 Prozent.

In Alsdorf stehen zum Beginn des Kita-Jahres 2019/2020 für 1303 Kinder unter drei Jahren 260 Betreuungsplätze in Kitas zur Verfügung, zusätzlich 170 Plätze bei Tagespflegepersonen.

Mindestens 200 Plätze fehlen

Die werden auch gebraucht, denn einer Versorgungsquote von 33 Prozent steht eine erwartete Nachfrage von 39 Prozent gegenüber. Insgesamt geht die Stadtverwaltung davon aus, dass 200 bis 220 Plätze fehlen – 70 im Bereich U3 und zwischen 130 und 150 für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Von 1350 Kids im Alter von drei bis sechs Jahren können 90 Prozent untergebracht werden.

Neue Plätze sind in Alsdorf zum Beispiel an der Herzogenrather Straße auf dem Weg, wo eine neue sechsgruppige Kita mit 120 Plätzen entsteht. Sie soll, sagt Bürgermeister Alfred Sonders, zum 1. Dezember in Betrieb gehen. 18 Stellen seien deshalb derzeit ausgeschrieben, sie zu besetzen werde jedoch schwierig. Der Neubau des AWO-Kindergartens an der Rosenstraße wird um eine Gruppe auf insgesamt sechs erweitert.

In Baesweiler ist für 47,98 Prozent der insgesamt 792 U3-Kinder ein Betreuungsplatz vorhanden. Die 826 drei- bis sechsjährigen Kinder könnten alle einen Platz bekommen, die Versorgungsquote liegt bei 107,73 Prozent.

In der Planung bereits berücksichtigt sind die Erweiterungen der Kita Emil-Mayrisch-Straße (ehem. Ev. Pfarrzentrum), der Kita Ringstraße und der Kita in Beggendorf sowie der Neubau an der Brüsseler Straße. Letzterer soll eine bedarfsgerechte Erweiterung erfahren, die in zeitlicher Hinsicht abgestimmt auf die weitere Realisierung des Baugebietes Baesweiler Süd-West/Europaviertel erfolgt.

Ein Baustein gegen den Mangel

Und auch dem Fachkräftemangel stellt sich die Städteregion entgegen. Um den Bedarf an qualifizierten Kräften im Bereich der Betreuung in den Kindertageseinrichtungen sicherzustellen, so stand im Beschlussvorlage für die Bedarfplanung jüngst zu lesen, „muss Mitarbeitern/innen zugestanden werden, ihr Kind mit in die Einrichtung zu bringen, in der sie eingesetzt sind, auch wenn sie nicht am Arbeitsort wohnen“.

Mehr von Aachener Zeitung