Alsdorf: Kirchengrund wird attraktives Bauland

Alsdorf: Kirchengrund wird attraktives Bauland

Trotz schwindender finanzieller Möglichkeiten weiterhin dem theologischen und dem sozialen Auftrag Genüge zu tun, fällt der evangelischen Kirche in Alsdorf schwer. Mitglieder und damit Einnahmen brechen weg. Aber die Gemeinde stellt sich dieser Herausforderung und ist wohl auf einem verheißungsvollen Weg.

Ende des Jahres hatte in Ofden die Vorsitzende des Presbyteriums, Dr. Dorothea Gronen, im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich gemacht, was das Ziel des notwendigen Veränderungsprozesses sein muss: „Sich selbst fit für die Zukunft machen und gleichzeitig die Bedingungen für Kinder und Jugendliche in Alsdorf verbessern.“ Darauf müssten auch die Gebäude in Kirchenbesitz zugeschnitten werden.

Schon bessere Zeiten gesehen: Das Gemeindehaus (Bild) in Ofden soll verkauft werden. Foto: Karl Stüber

Die Anpassungspläne stünden allerdings unter dem Vorbehalt der Einnahmen aus Veräußerungen von Gebäuden und Grundstücken. Der Wandel wolle finanziert sein. Diese Prämisse ist für den Bereich Ofden, der als bevorzugte Wohnlage am südöstlichen Rand von Alsdorf-Mitte gilt, offenbar umsetzbar. Die Ortslage ist mit Grün gesegnet, liegt terrassiert am Rande des als Freizeit- und Erholungsraum dienenden Weihers und des Tierparks, fernab von Betriebsamkeit. Hier lässt es sich ruhig leben. Frei werdende Grundstücke sind gefragt — von den erwachsenen Kindern Ofdener, aber auch von interessierten Externen.

Das verspricht Zuzug trotz des ansonsten die Bevölkerung reduzierenden demografischen Wandels. Auch das Areal von städtischem Gymnasium und Realschule, die in zwei Jahren in den zu errichtenden Neubau neben dem Langhaus am Annagelände umziehen sollen, dürfte schnell vermarktet sein. Wer hätte das gedacht: Die einst als schwarzes Loch geltende ehemalige Bergbaustadt Alsdorf gewinnt rasant an Attraktivität.

Das Gesundschrumpfen und der Wandel des Standorts Ofden der evangelischen Gemeinde Alsdorf nehmen Formen an. Wie berichtet, soll der Innenraum der Paul-Gerhardt-Kirche auf 140 Quadratmeter zur religiösen und zur Nutzung als Gemeindehaus für Ofdener Bürger zurückgebaut werden — vor allem zugunsten der Erweiterung des Kindergartens zur U3-Betreuung direkt daneben. So sieht Zukunft aus — nicht auf Steinen, sondern auf Menschen aufgebaut.

Das fordert Opfer — um das notwendige Geld in die Hand zu bekommen. Nach ersten groben Schätzungen kostet das Vorhaben rund 500.000 Euro. Das heutige Pfarr- bzw. Gemeindehaus „soll langfristig der Wohnnutzung zugeführt werden“, wurden jetzt die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses durch die Stadtverwaltung informiert. Je nach Zuschnitt könnten dort vier bis acht Wohnungen errichtet werden, in denen barrierefreies Wohnen ermöglicht werden soll.

Für den Teilbereich des aktuellen Jugendheims interessiert sich ein Investor. Er will dort hochwertige Seniorenwohnungen errichten. Die Grobplanung liegt nicht nur der evangelischen Gemeinden, sondern auch Verwaltung und Kommunalpolitik vor. Bislang soll ein zweigeschossiges Gebäude mit etwa 14 Wohnungen gebaut werden — unweit des „Ofdener Zentrums“ also.

Da den Verantwortlichen der Stadt Alsdorf vorschwebt, Ofden „zu einem Stadtquartier mit einem hohen städtebaulichen Qualitätsstandard, einer hohen Wohn- und Lebensqualität sowie einer eigenen Identität“ zu entwickeln, fiel es den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses leicht, den Bebauungsplan mit Blick auf die Grundstücke im Besitz der Kirche aufzustellen.

Im Umfeld zeichnet sich mehr ab. Am Rand der Festwiese will ein weiterer Geldgeber auf einem Grundstück der Stadt aktiv werden. Sechs Einfamilienhäuser als Doppelhäuser „in einzeiliger Bebauung und Grundstücksgrößen zwischen 389 und 445 Quadratmetern sowie einer Bautiefe von circa 14 Metern“ sind angedacht. Wer sich das leisten kann, bringt wohl auch dringend benötigte Kaufkraft nach Alsdorf.

Hier will der Fachausschuss erst später über den (Teil-)Bebauungsplan entscheiden. Zunächst soll ermittelt werden, ob und in welchem Umfang die Festwiese noch zum „Legen“ von Zelten benötigt wird und ob zumindest eine Teilfläche bebaut werden kann.

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