Herzogenrath: Kirchenchor umrahmt die Christmette in St. Mariä Himmelfahrt

Herzogenrath: Kirchenchor umrahmt die Christmette in St. Mariä Himmelfahrt

Die Rodastadt schläft. Oder zumindest sitzen viele ihrer Einwohner vor dem Fernseher. Nicht so die Frauen, die sich zusammen mit ein paar wenigen Männern im Pfarrsaal von St. Marien an der Kleikstraße eingefunden haben.

Im Halbkreis sitzen sie um das E-Piano, hinter dem Kirchenmusikerin Andrea Nell Platz genommen hat. Und sie fangen an zu singen: Erst noch die kurze Motette „Freut Euch, Ihr lieben Christen“, dann aber bald schon Kyrie und andere Messteile aus der „Missa in honorem Beatissimae Virginis Mariae“ von Max Filke (1855-1911). Dieses Stück Kirchenmusik wird in kürzester Zeit eine ziemlich prominente Rolle spielen: Es umrahmt die Christmette am Heiligen Abend um 22 Uhr in dem großen neobarocken Gotteshaus gleich neben dem Saal.

BU 1: Jüngstes Chormitglied Sophia Ank BU 2: Ältestes Chormitglied Theo Koch BU 3: Sophia Ank und Katharina Nell BU 4: Katharina Nell BU 5-7: Andrea Nell BU 8-14: Probenfotos Chor St. Mariä Himmelfahrt Foto: Wolfgang Sevenich

Zu einem geringen Prozentsatz ist der Kirchenchor auch eine Familienangelegenheit: Nells Tochter Katharina ist mit von der Partie, zudem auch ihr Sohn Sebastian. Denn Musik ist für die Familie eine echte Herzenssache — wie für die anderen Mitwirkenden auf ihre Weise auch.

BU 1: Jüngstes Chormitglied Sophia Ank BU 2: Ältestes Chormitglied Theo Koch BU 3: Sophia Ank und Katharina Nell BU 4: Katharina Nell BU 5-7: Andrea Nell BU 8-14: Probenfotos Chor St. Mariä Himmelfahrt Foto: Wolfgang Sevenich

Darum verzichten die Sangesschwestern und -brüder auch leichten Herzens auf die Gemütlichkeit daheim und proben lieber mit den anderen Aktiven Filkes Messe. Das Stück des Breslauers ist ein echtes Werk der Spätromantik, „herber als Mendelssohn“ (Andrea Nell) und dennoch keine unverdaulich schwere Klangkost. Was die Arbeit darüber hinaus erleichtert: Filkes Messe haben die Herzogenrather vor nicht allzu langer Zeit, am 4. Oktober dieses Jahres, zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs der Pfarre, schon einmal aufgeführt. Das ist der Dirigentin durchaus recht so: „Der Chor hat schon eine ganze Menge Repertoire, das schnell wieder warm wird.“

Freilich geht es im Chor nicht nur darum, aus menschlichen, ganz verschiedenen Stimmen einen harmonischen Gesamtklang zu schmieden — es geht auch darum, durch die Pflege des Kulturguts, das Verschmelzen der einzelnen Stimmen zu etwas größerem Ganzen fast wie von selbst eine Gemeinschaft entstehen zu lassen.

Und so nimmt es denn kaum Wunder, dass sich im Saal von St. Marien neben einem kleinen Hund Menschen in einem Alter zwischen 17 und 86 Jahren eingefunden haben. Der Senior, das ist Theo Koch, der noch immer die Ausflüge organisiert.

Die 17-Jährige heißt Sophia Hank und hat schon als Sechsjährige bei Andrea Nell im Kinderchor mitgesungen, ist also zumindest in dieser Hinsicht schon komplett sozialisiert.

Jedenfalls pflegt die junge Frau ein ganz und gar entspanntes Verhältnis zu Max Filkes Messe und zur Musik von „anno dunnemal“ überhaupt. „Das ist die Rockmusik von damals“, sagt sie und fügt gleich hinzu: „Alte Musik ist nicht nur etwas für alte Leute.“ Sophia ergänzt weiter: „Das ist irgendwie zeitlos.“

Vor allem aber ereignet sich für sie in jeder Probe soziales Lernen: „Das Erarbeiten festigt das Gemeinschaftsgefüge.“ Wie sehr — das können die Besucher des Gottesdienstes in der Heiligen Nacht ab 22 Uhr hören.

www.st-gertrud.info

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