Alsdorf: Kirche, Karneval, Kittel: Der Pastor wird 75

Alsdorf : Kirche, Karneval, Kittel: Der Pastor wird 75

Den Rückzug ins Private hat Christian Kittel noch nie ernsthaft erwogen, auch, wenn er das Renteneintrittsalter in wenigen Tagen um ganze zehn Jahre überschritten haben wird.

Am kommenden Montag feiert der Pastor in seiner Schaufenberger Gemeinde St. Maria Heimsuchung den 75. Geburtstag. Ein guter Grund für ihn zu scherzen: „Ich sollte mal den Bischof fragen, wie lange ich noch darf!” Genau das aber wird er wohl nicht tun. „Mir liegt die Kirche im Blut, die kann ich nicht einfach abstreifen.”

Dabei entschied er sich erst spät für die geistliche Laufbahn. In Aachen-Burtscheid wurde er als ältestes von acht Geschwistern geboren. Nach Kriegsende und der Zeit der Evakuierung in Thüringen kehrte er dorthin zurück und beendete die Realschule. „Ich wollte eigentlich gleich danach das Abitur machen”, erinnert sich Christian Kittel heute, „bloß fehlten mir jegliche Griechisch- und Latein-Kenntnisse.” Die holte er nach, übte ein Jahr lang nur diese Sprachen und meldete sich dann am Kaiser-Karls-Gymnasium an. Erst dort zeichnete sich ein Theologie-Studium ab. „Ich war von den Kaplänen an der Schule sehr beeindruckt, ihrer Art, die christliche Botschaft auf sehr menschliche Weise zu vermitteln.”

Mit 29 Jahren wurde er nach vierjährigem Studium in Bonn und zweijährigem Priesterseminar in Aachen am 1. März 1958 im dortigen Dom geweiht. Es folgten drei Jahre in der Gemeinde St. Barbara im Stadtteil Rothe Erde. Anschließend ging er für fünf Jahre nach Krefeld, dann für weitere fünf nach Herzogenrath, wo er in der Gemeinde St. Gertrud wirkte. 1971 wechselte er zum letzten Mal. In das damals noch durch und durch landwirtschaftlich geprägte Schaufenberg.

„Die Bauern spendeten sogar eine Glocke für die Kirche”, erinnert er sich. Zwei Dinge wünschte er sich zur Einführung in Alsdorf: „Ich wollte, dass wir eine betende und eine fröhliche Gemeinde werden.” Beides hat er verwirklicht. Heute noch gibt es in Schaufenberg Fronleichnams- und Bittprozessionen, die der auf Tradition bedachte Christian Kittel auch künftig fortführen möchte. Eng ist sein Kontakt zur Grundschule, deren Kindern er gern als christliches Beispiel dient.

Und die Fröhlichkeit lebt er täglich vor, denn wenn Kittel vom Verkünden der frohen Botschaft spricht, dann liegt die Betonung auf dem Adjektiv. Der Karneval etwa hat es ihm seit seiner Kindheit angetan, heute trägt er viele Auszeichnungen wie den „Närrischen Jumbo” des Ausschusses Alsdorfer Karneval oder die „Goldene Lore” der KG Scharwache. Gern wäre er selbst auch Prinz im Karneval geworden. Doch: „Ich hätte wohl den Ansturm der Prinzessinnen nicht verkraftet!”

Ehrenamtlich engagierte sich Christian Kittel für die Freiwillige Feuerwehr. Zunächst in Herzogenrath, dann bis zum 60. Lebensjahr in der Alsdorfer Wache, deren Ehrenbrandmeister er ist. Wenn er noch Zeit für sich selbst findet, urlaubt er am liebsten zum Wandern in Südtirol.

Trotz angespannter personeller Lage in den Gemeinden blickt der baldige Jubilar zuversichtlich nach vorn. „Ich wünsche mir mehr Gelassenheit und Gottvertrauen”, meint Kittel. Und: „Ich denke nicht, dass der Priestermangel die Kirchen zerbrechen wird.”