Herzogenrath: Kinder-Uni-Tag: Spannende Vorträge auch ohne Doktortitel

Herzogenrath: Kinder-Uni-Tag: Spannende Vorträge auch ohne Doktortitel

Es ist annähernd so wie beim ersten Tag des Wintersemesters an den großen Hochschulen: Aufgeregte Neuankömmlinge wuseln durch die Gänge, suchen nach Räumen, fragen nach Veranstaltungen und Dozenten. Ähnlich war es nun auch in der Grundschule Klinkheide.

Zwar waren die Zuhörer der Vorträge weitaus jünger, und auch die Vortragenden haben noch lange keinen Doktor-Status erreicht. Spannend und aufregend war es dennoch für alle am ersten Kinder-Uni-Tag der Grundschule.

Länder und Tiere

20 Kindervorträge standen für die Schüler zu Auswahl, zwei davon konnten sie in besonderer Atmosphäre hören. Das Außergewöhnliche daran: Nicht die Lehrer, sondern über 40 Schülerinnen und Schüler standen an der Tafel und brachten den Zuhörern jeweils ihre ausgearbeiteten Themen näher.

Seit dem Beginn des Schuljahres haben die Projektleiterinnen Eva Ecker und Heike Freitag den Uni-Tag vorbereitet.

Nepal, Glas, Luchse, Südafrika, Altenheim - „die Bandbreite der Vorträge ist vielfältig. Einiges davon wurde im Unterricht behandelt, wie etwa Steinzeit oder Ritter”, erklärt Schulleiterin Rita Rijnders. Andere Vortragsthemen kamen durch Interessen zustande. So auch bei Lara (8) und Stella (10). Sie bilden eines der Experten-Teams und haben sich für „Australien” entschieden. In ihrer Stunde erzählen die beiden etwas zum Land, Tieren, Speisen und Religion. „Uns hat die Fahne so gut gefallen”, erklärt Lara die Themenwahl und deutet auf ein Bild der australischen Flagge, das die beiden gemalt und auf ihr Präsentationsplakat geklebt haben. „Und das Hochwasser zu Beginn des Jahres war auch ein Grund”, ergänzt Stella. Thematisiert haben sie das in ihrem Vortrag nicht. „Wir wollten die Jüngeren nicht überfordern”, sagen sie ganz professionell. Denn so altersgemischt wie die Experten-Teams sind auch die Zuhörer. Von der ersten bis zur vierten Klasse sind alle Schüler vertreten, manchmal sitzen Erwachsene dabei. „Jeder, der einen Vortrag hält, durfte zwei Gäste einladen”, erklärt Rita Rijnders. Mehr sollten es nicht sein, schließlich ist es teilweise die erste freie Rede, die die Kinder halten.

Einige der Kinder meldeten sich zu Beginn des Schuljahres ganz selbstbewusst für einen Vortrag, andere brauchten ein bisschen Ermutigung. „Aber keiner musste, wenn er nicht wollte”, betont Rita Rijnders.

Etwa Saskia und Lejla. Die beiden Viertklässlerinnen sind anfangs zurückhaltend. „Das ist ein Teil ihres Charakters”, betont die Schulleiterin. „Sie stellen sich nicht in den Vordergrund, haben eine andere besondere soziale Begabung.” So ermutigt, übernehmen die beiden Schülerinnen gerne einen Vortrag und erzählen etwas zu einem Besuch im Altenheim, den sie zuvor mit ihrer Klasse unternommen hatten. Anschaulich wird es bei ihnen durch eine Übung zu schlechtem Sehvermögen. Auch andere Gruppen haben sich etwas einfallen lassen: Bei einer Reise durch Südafrika kann man an Zimt und Pfeffer riechen und sogar Papaya probieren. Zum Vortrag über den Luchs haben die kleinen Experten Spielzeugtiere zum Anschauen mitgebracht.

Der Kinder-Uni-Tag ist zielgerichtet in beide Richtungen. Die vortragenden Kinder sind geschult im Erstellen von Plakaten und Collagen und haben Teamfähigkeit gelernt. Rijnders: „Das geht nur durch Versuchen und Ausprobieren.” Die Zuhörer schließlich haben ihr Wissen erweitert und gelernt zu reflektieren. Und vielleicht hat der eine oder andere nach den Vorträgen den Mut gefasst, selbst einmal vor einer Gruppe zu stehen, um seinen Mitschülern etwas von seinem Wissen zu vermitteln.

Möglicherweise beim nächsten Kinder-Uni-Tag.

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