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Würselen: "Kermes" gewährte Einblicke in die Moschee

Würselen : "Kermes" gewährte Einblicke in die Moschee

Ganz kurz sträubt sich Rosemarie Berntsson, dann siegt die Neugier. Dass sie vorm Betreten der Gebetsräume der Moschee an der Schweilbacher Straße ihre Schuhe ausziehen muss, hat die Kohlscheiderin nicht geahnt.

„Halb so wild”, sagt sie nach dem Rundgang, „es war ein Erlebnis”. Die kunstvoll gefliesten Wände, die dicken, prachtvoll-farbigen Teppiche, „das ist schon ein besonderer Anblick”. Den Termin für ihren ersten Besuch in einer Moschee hat Rosemarie Berntsson gut gewählt, denn dort ist am vergangenen Wochenende „Kermes”, eine türkische Melange aus Handarbeitsmarkt und Folklorefest.

Im Erdgeschoss biegen sich lange Tische unter der schieren Menge kunstvoll drapierter Geschenkpakete. In Zellophanfolie gewickelte Gläser, Gehäkeltes, Handtücher, Vasen und Teller, allesamt recht bunt, gern auch mit Goldrand. Die kann erstehen, wer fünf Euro in einen Kaugummi investiert, an dessen Unterseite ein Nümmerchen klebt. Damit gehört einem das Päckchen mit entsprechender Nummer, ein Blindkauf also.

„Ein interessanter Einblick in die Kultur”, wertet Christiane Frohn ihren Besuch. Sie ist mit Mann, Kindern und Enkeln gekommen, nimmt sich ein gutes Stündchen Zeit für ihre erste „Kermes”-Feier. Und stärkt sich vorm Abschied am riesigen Buffet, das mit etlichen Leckerbissen von Schafskäse-Teigtaschen bis zu würzigen Weinblatt-Röllchen lockt.

Sehr zufrieden mit dem Zuspruch zur „Kermes” zeigt sich Osman Sungu, Vorsitzender des islamischen Kulturvereins. Auch für ihn ist es an diesem Ort Premiere. Zwar gibt es die Moschee bereits seit 1986, aber die „Kermes” habe man bislang schlicht vergessen.

Dass man sich des traditionsreichen Festes erinnerte, kommt dem Verein gut zu pass. Denn der Erlös der zweitägigen Veranstaltung soll in den Innenausbau der Moscheeräume investiert werden, von denen manche noch kahle Wände aufweisen.

Wie die Kulturvereine in den umliegenden Kommunen, wollen auch die Würselener künftig jährlich zur „Kermes” einladen. „Auch eine gute Möglichkeit”, glaubt Osman Sungu, „zum zwanglosen Kennenlernen von deutschen und türkischen Nachbarn.”