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Herzogenrath: Keine Versprechungen, aber weiter Optimismus

Herzogenrath : Keine Versprechungen, aber weiter Optimismus

Die Schmelzwanne glüht. 1600 Celsiusgrade verwandeln Sand und andere Zutaten in Glas. Selbiges wird zu feinsten Fasern gesponnen, rund 20000 Tonnen im Jahr.

Mit ihnen verdient die Saint-Gobain Vetrotex in Herzogenrath ihr Geld. Aber die Kassen an der Bicherouxstraße klingeln nicht mehr, wie sie sollten. „Die Situation auf dem Weltmarkt ist schlecht”, muss Personaldirektor Markus Dördelmann feststellen. Um bis zu 40 Prozent seien die Preise eingebrochen. Nicht zuletzt wegen der Konkurrenz aus Asien.

Was jetzt dazu geführt hat, dass in Herzogenrath 80 Mitarbeiter ihren Job verloren haben. Knapp über 400 Stellen sind geblieben, in den 70er Jahren standen noch 1300 Menschen beim Traditionsunternehmen Vetrotex in Lohn und Brot.

Doch die Sorgen der verbliebenen Glasexperten gehen weiter: Geht in Herzogenrath bald der Ofen für immer aus? Diese Frage kann Dördelmann, seit zwei Jahren Personalchef, nicht mit endgültiger Sicherheit beantworten. Aber er spielt mit offenen Karten: „Eine Entscheidung fällt Ende 2004, vielleicht auch 2005. Zurzeit ist der Standort sicher.”

Über Wohl und Wehe des Werks, das 1943 gegründet wurde, entscheidet die Konzernleitung in Frankreich. Sie müsste in absehbarer Zukunft Geld locker machen, damit die Schmelzwanne repariert werden kann. Derzeit sei sie völlig in Ordnung, aber investiert werden müsse irgendwann. Auch bei den jüngsten Betriebsversammlungen habe man den Mitarbeitern keine Zusagen über die Zukunft machen können, so Dördelmann: „Alles ist offen. Es würde nichts bringen, falsche Versprechungen zu machen.”

Dennoch ist er zuversichtlich, dass das Glas weiter durch die Ziehdüsen strömen wird: „Wir haben Standortvorteile.” Die so genannte „Business Unit” - Entwicklung, Produktverbesserung, Marketing, Qualitätsmanagement - sei hier angesiedelt. Zudem versuche man weiter, Kosten zu optimieren, was aber nicht zwangsläufig mit Personalabbau gleichzusetzen sei.

Als konstruktiv bezeichnet Dördelmann, der sich „weitaus Schöneres hätte vorstellen können, als das, was jetzt zu tun war”, die Kooperation mit dem Betriebsrat. Es sei naturgemäß nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen”. Aber: „Wenn es ein Gegeneinander gäbe, hätte der Standort keine Chance.”

Für die Betroffenen wurde eine Transferagentur gegründet, um sie möglichst in neue Jobs zu vermitteln. Zehn Mitarbeiter seien bei anderen Konzerntöchtern untergekommen, für 16 Kollegen ohne Qualifikation seien Umschulungsplätze zwecks Ausbildung geschaffen worden.

Bei Vetrotex hat man in den vergangenen Jahren einiges an Arbeitsplatzabbau einstecken müssen. Noch lebt aber die Hoffnung - und Markus Dördelmann sagt optimistisch: „Ich glaube, dass wir es schaffen können.”