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Würselen: „Keine Büchereimaus in der Grauzone”

Würselen : „Keine Büchereimaus in der Grauzone”

Von wegen „Die in Würselen, die lesen sowieso nicht!”. Allen Unkenrufen zum Trotz nahm die Stadtbücherei - seit 15 Jahren im Alten Rathaus an der Kaiserstraße „standesgemäß” untergebracht - in den verflossenen dreißig Jahren eine äußerst positive Entwicklung.

Sie strafte damit alle Stadtverordneten, die 1974 gegen die Einstellung einer hauptamtlichen Bibliothekarin gestimmt hatten, Lügen. Da hatte die Einrichtung mit Bibliothekarin Angela Ortmanns-Dohrmann an der Spitze allen Grund, den runden Geburtstag im Alten Rathaus in einer Matinee festlich zu begehen.

Zeitreise durch drei Jahrzehnte

Bürgermeister Werner Breuer konstatierte: „Unsere Bibliothek erfüllt ihren öffentlichen Auftrag in hervorragender Weise.” Leiterin Angela Ortmanns-Dohrmann sei wegen ihres Engagements in den drei Jahrzehnten „zum persönlichen Aushängeschild dieser Einrichtung geworden”. Dankesworte fand Breuer auch für den 2001 gegründeten Förderverein: „Durch ihn wird die hohe Qualität nachhaltig unterstützt.”

Eine Zeitreise durch die vergangenen drei Jahrzehnte startete der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Günter Kölling. Der ehemalige Buchhändler, der mit der Stadtbücherei stets eng zusammenarbeitete, ließ dabei auch persönliche Erlebnisse rund um das Buch einfließen. Ausgegraben hatte er die „Spiegel-Bestseller-Liste” des Jahres 1974, die bei den Romanen angeführt wurde von Morris L. Wests „Der Salamander” und bei den Sachbüchern von Solschenizyns „Archipel Gulag”.

Bilderschau

Wie er zu berichten wusste, erschienen im Jahr der Gründung der heutigen Stadtbücherei in der Bundesrepublik fast 50.000 Bücher, von denen fast 83 Prozent Erstauflagen waren. Und in Amerika begann mit „Carrie” und „Brennen muss Salem” die Karriere des jungen unbekannten Englischlehrers Stephen King. Kölling scherzhaft: „Was sich also mit der beginnenden Karriere von Angela Ortmanns-Dohrmann in Würselen deckt.”

In einer Bilderschau ließ die Bibliothekarin die vergangenen drei Jahrzehnte Revue passieren: Die Stadt Würselen sei in den 70er Jahren eine der ersten Städte in der Aachener Region gewesen, die den Ausbau ihrer Stadtbücherei beschlossen und eine Fachkraft als Leitung eingestellt habe. Zur Eröffnung reiste als Ehrengast NRW-Kultusminister Dr. Jürgen Girgensohn an. In den ersten 15 Jahren habe sie unter dem Kulturdezernenten Josef Chermin alles daran gesetzt, „bloß nicht als Büchereimaus in die Grauzone versetzt zu werden”.

Glückliche Entwicklung

Gut entwickelte sich die Zusammenarbeit mit den Grundschulen, „so dass wir bei den Lesenächten auch schon das âZehnjährigeÔ feiern konnten”, so die Leiterin. Mit Unterstützung der Stiftung Lesen wurde in der Grundschule Morsbach ein Leseclub für deutsche und türkische Kinder ins Leben gerufen. Und in Helleter Feldchen (Broichweiden) wurde die Schülerbücherei als Zweigstelle ausgeweitet. Als die Landesförderung von Global- auf Projektförderung umgestellt wurde, sah sich die engagierte Bibliothekarin vor eine neue Herausforderung gestellt. Es entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit den verschiedensten Einrichtungen - bis über die Landesgrenzen hinweg. „Das Vorjahresprojekt mit dem Städtischen Gymnasium zu Literatur (Lyrik) erhält sogar einen Preis auf Landesebene”, erwähnte Angela Ortmanns-Dohrmann stolz. Seit einigen Jahren baut die Stadtbücherei den Bestand an Bücherkisten aus.

Als glückliche Entwicklung habe sich für die Bibliothek und sie die Gründung des Fördervereins 2001 erwiesen, betonte Leiterin Angela Ortmanns-Dohrmann. Er habe sich mittlerweile mit Lesungen für Kinder und Erwachsene stark engagiert. Dankbar zeigte sich die Bibliothekarin darüber, „dass die Würselener die Bücherei so gut angenommen haben”.