Herzogenrath: Kein Halt in Kohlscheid? Gegenwehr angekündigt

Herzogenrath: Kein Halt in Kohlscheid? Gegenwehr angekündigt

Friedhelm Feth geht es im Grunde wie vielen anderen Menschen auch: An jedem Werktag packt er in der Frühe seine Tasche und macht sich zusammen mit vielen anderen Menschen auf den Weg zum Bahnhof. Und es könnte für diesen und andere Pendler ewig so weitergehen, gäbe es da nicht ein Plakat der Deutschen Bahn.

Das verkündet allen, die von Kohlscheid aus mit den Elektrotriebwagen der Regionalbahnlinie RB 33 entweder in Richtung Aachen oder Mönchengladbach-Krefeld-Duisburg fahren wollen, dass diese Züge hier ab dem Juni durchfahren werden. Schuld ist der Fahrplanwechsel.

Pendler Feth ist deswegen „auf 180“ und kritisiert: „Angesichts eines Fahrzeitgewinns von nur einer Minute für die RB 33 ist diese Maßnahme völlig unverständlich. Es kann in niemandes Interesse sein, die Roermonder Straße mit zusätzlichen Fahrzeugen noch mehr zu verstopfen.“

Feths Folgerung: „Damit ist die Benutzung der Bahn für mich und viele weitere Berufspendler nicht mehr attraktiv. Auch der Wohnort Kohlscheid verliert dadurch für viele Pendler an Attraktivität.“

Dirk Pohlmann, Pressesprecher von DB Regio mit Sitz in Düsseldorf, räumt ein: „Das stimmt.“ Die eigentliche Zuständigkeit liege aber bei der Organisation, in deren Auftrag die Mitarbeiter und Fahrzeuge von DB Regio handeln, dem Nahverkehr Rheinland (NVR) in Köln. Der NVR koordiniert im Bereich des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) und des Aachener Verkehrsverbunds (AVV) Planung, Betrieb und Finanzierung von Verkehrsleistungen wie den Zügen der RB 33.

NVR-Pressesprecher Holger Klein weist auf eine künftige betriebliche Besonderheit dieser Linie hin: „Der Wegfall des Halts Kohlscheid hängt zusammen mit der geplanten Inbetriebnahme der Strecke Lindern-Heinsberg. Diese Strecke soll aus einem Flügelzugkonzept der RB 33 bedient werden. Das heißt, dass ab Aachen eine Doppeltraktion des Elektrotriebwagens der Baureihe 425 bis Lindern fährt; der erste Teil fährt dann weiter nach Duisburg; der zweite Teil macht „Kopf“ und fährt nach Heinsberg.

Für die Rückfahrt vereinigen sich die Zugteile aus Heinsberg und Duisburg in Lindern und fahren in Doppeltraktion nach Aachen. Da diese Aktion einige Minuten in Anspruch nimmt, muss die Aufenthaltszeit der RB 33 in Lindern zum Flügeln und Zusammenfahren der beiden Einheiten vergrößert werden. Der Wegfall des Halts in Kohlscheid ergibt sich für Klein als Konsequenz aus dem so veränderten Betriebskonzept der Linie: „Um die heutigen Anschlüsse in Aachen und Duisburg zu erhalten und das Flügelzugkonzept zu realisieren, ist leider die Aufgabe eines Haltes zur Fahrzeitgewinnung erforderlich. Eine andere Alternative als das beschriebene Vorgehen sehen wir nicht.“

Bei Bürgermeister Christoph von den Driesch im Herzogenrather Rathaus aber stoßen Bahn und NVR mit ihrer Argumentation nicht nur nicht auf Wohlgefallen, sondern auch auf geharnischte Kritik: „Der geplante Wegfall wäre besonders mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Herzogenrath — den fußläufig von der Haltestelle gelegenen Technologie Park Herzogenrath (TPH) und das Gewerbegebiet Dornkaul — ein herber Verlust in unserer gut ausgebauten und funktionierenden Infrastruktur. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir uns in der Stadt Herzogenrath zum Ziel gesetzt haben, auch weitere Verbindungsmöglichkeiten zur Straße zu fördern, wäre das ein echter Rückschritt.“

Der Rathauschef verspricht: „Die Stadt Herzogenrath wird sich vehement für die Beibehaltung der Haltestelle der Regionalbahn RB 33 am Kohlscheider Bahnhof einsetzen.“

Fatal sei der angekündigte Schritt auch aus ökologischen Gründen: „Gewonnene Verkehrsanteile bei den Verkehrsmitteln des Umweltverbunds würden hierdurch in Frage gestellt bzw. gingen wieder verloren. Eine solche Entscheidung können und werden wir in Herzogenrath nicht unterstützen.“