Herzogenrath: Kein funktionierendes Hallenbad: Neues Konzept soll her

Herzogenrath: Kein funktionierendes Hallenbad: Neues Konzept soll her

Das Hallenbad in Kohlscheid ist längst Geschichte, das Schwimmbad in Herzogenrath seit Mai geschlossen: Es sieht mau aus in der Bäderlandschaft. Ein passender Augenblick für einen Vorschlag für ein neues Bäderkonzept — dachten sich wohl Grüne, Linke, Piraten und die Unabhängige Bürgerliste. Unterstützt werden sie von fünf verschiedenen Vereinen und Klubs aus Herzogenrath.

Das Konzept haben Parteien und Vereine an den Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur gerichtet, wo es im September auf der Tagesordnung stehen wird. Es sieht vor, dass es insgesamt drei intakte Lehrschwimmbecken in Kohlscheid, Herzogenrath-Mitte und Merkstein geben soll sowie ein Hallenbadneubau. Als Standorte werden Straß, das EVB-Gelände in Kohlscheid und das Vetrotex-Gelände in Herzogenrath-Mitte vorgeschlagen. Aktuell gibt es in Herzogenrath nur das Freibad in Merkstein sowie zwei Lehrschwimmbecken, eins in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule und eins in der Leonhardstraße.

Unabhängig vom Antrag der Fraktionen und Vereine hat sich auch die Verwaltung schon so ihre Gedanken gemacht. Den Schaden an der Schwimmhalle in der Bergerstraße beschreibt Hubert Philippengracht, 1. Beigeordneter der Stadt Herzogenrath, als „internen Startschuss“ dafür, dass am Thema Bäder in Herzogenrath gearbeitet werden muss.

„Genau jetzt besteht die Notwendigkeit, darüber nachzudenken.“ Zwar wird das Schwimmbad in der Bergerstraße, das wegen Bodenerosionen Probleme mit der Tragfähigkeit des Fundaments hat, aktuell saniert. „Besser wird es dadurch aber nicht“, merkt Philippengracht an. Seine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren habe es erreicht und es sei an der Zeit, die Situation zu überprüfen.

Ende August sollen die Sanierungsarbeiten fertig sein, bis dahin sollen die Schulen ins Freibad Merkstein oder nach Kerkrade ausweichen. Eine weite Anfahrt, die mitunter zum Ausfall des Schwimmunteririchts führt, wie zum Beispiel bei der Gesamtschule in Kohlscheid. Die Gesamtschule in Herzogenrath nutzt das Angebot in Merkstein bei gutem Wetter, bei Regen findet aber auch dort kein Schwimmkurs statt, genauso sieht es bei dem städtischen Gymnasium aus.

Für den Vereinssport gestaltet sich das Ganze schwieriger: „Es besteht keine Möglichkeit, auch nur annähernd das Schwimmsportangebot der Vereine in den umliegenden Schwimmhallen aufrecht zu erhalten. Die sind auch alle nahezu ausgebucht“, sagt Axel Amelung, 1. Vorsitzender des Herzogenrather Schwimmvereins.

Liest man das Konzept der Politik und hört sich die Ausführungen des ersten Beigeordneten der Stadt Herzogenrath an, stellt man fest, dass die wesentlichen Punkte gar nicht so unterschiedlich sind. So ist man sich einig, dass eine ganzheitliche Betrachtung der Bäderlandschaft nötig ist. „In der Vergangenheit wurden einzelne Schwimmhallen immer isoliert betrachtet, dies muss ein Ende haben“, heißt es im Antrag. In dieselbe Kerbe schlägt auch Philippengracht: „Wir müssen das große Ganze betrachten.“

Ebenfalls einig ist man sich bei der schwierigen geografischen Lage Herzogenraths: Die Stadt ist langgestreckt, einen zentralen Ortskern gibt es nicht. „Eine Lösung für die Bädersituation kann einfach nicht für alle Nutzer optimal sein.“ — so steht es im Antrag formuliert.

Die Fraktionen und Vereine positionieren sich zum Thema Sanierung klar: Sie sehen keine Alternative zum Neubau. Auch Philippengracht räumt ein, dass der Sanierungsaufwand „sehr groß“ wäre, zumal die aktuellen vier Schwimmbahnen nicht ausreichten und auch sonst in vielen Punkten nicht mehr den heutigen Anforderungen entspräche. Bei einem Neubau würden drei bis vier Jahre ins Land ziehen, schätzt er, bevor die neue Halle nutzbar wäre.

Das Bäderkonzept war auch am Dienstag Thema im Haupt- und Finanzausschuss. Dabei wurde fraktionsübergreifend deutlich, dass man mit einem neuen Bäderkonzept einverstanden ist und dass die Zeit angesichts der derzeitigen Lage drängt. Bürgermeister Christoph von den Driesch möchte schon vor der Sommerpause zusammentragen, was geht, das Thema steht also am 11. Juli auf der Stadtratssitzung, zwei Tage später werden die Kosten für das Hallenbad Bergerstraße im Bau- und Verkehrsausschuss diskutiert.

Klar ist also: Alle Beteiligten, also Antragsteller, Verwaltung und auch Politik, sind der Meinung, dass ein Konzept zur Entwicklung der Bäderlandschaft her muss. Nur das Wie muss noch geklärt werden.

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