Spitze Pointen: Kabarettisten der Gruppe „Muita Merda" über Probleme unserer Zeit

Spitze Pointen: Kabarettisten der Gruppe „Muita Merda" über Probleme unserer Zeit

„Fake News“, Flüchtlinge und der Hambacher Forst — die drei „großen F“ der regionalen und bundesweiten Presselandschaft hat auch die Kabarettisten der Gruppe „Muita Merda“ nicht kalt lassen können.

Das Team um Iris Witt, Josie Bockholt, Jürgen Jansen und Pianistin Lydia Hilgers haben die „Gespenster“ dieser Tage bannen können. Mit ihrem Programm „Geist ist geiler!“ gastierte das Quartett nun im Soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ in Merkstein. Spitze Pointen, schneidender Sarkasmus, aber auch offene Kritik am allgemeinen Zustand in der Welt machten den Auftritt abermals zu einem humorvollen Abend mit Verstand.

Die deutsche Übersetzung des Gruppennamens darf an dieser Stelle ruhig wörtlich genommen werden. Dabei sind es selbstredend nicht die Künstler selbst, auf die die Bezeichnung „Viel Mist“ zutreffen würde. Vielmehr sind es die Ausgeburten der regionalen, nationalen und internationalen Entwicklungen sowie der politischen und gesellschaftlichen Strömungen, auf die der derbe Wortlaut abzielt. „Muita Merda“ versteht es seit vielen Jahren, diesen „Mist“ aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und bei allem aktuellen Pessimismus den Humor nicht zu verlieren.

Zum ersten „Kultur-Act“ nach der Sommerpause hatten abermals zahlreiche Menschen den Weg ins Klösterchen gefunden. Die enge Atmosphäre des Zentrums ließ die Distanz zur Bühne fast gänzlich schrumpfen, sodass jeder einzelne praktisch Teil der aneinander hängenden Kurzgeschichten und Sketche wurde. Die „Fake-News-Press“ machte den Anfang und gab dem Modell der „alternativen Fakten“ mit beißendem Sarkasmus einen gehörigen Denkzettel.

Nach dem eigens komponierten „Volkslied“ schoss sich das Quartett ein auf die dringenden Öko-Fragen unserer Zeit: Klimawandel, Nachhaltigkeit, Werbeindustrie und ein Seitenhieb auf einen großen Energiekonzern mit drei Buchstaben sorgten einerseits ob der fein abgestimmten Witze für Heiterkeit, andererseits verblieb nach jedem Wechsel des Bühnenbilds auch eine leichte Atmosphäre des Nachdenkens.

Im zweiten Part des Abends war das Thema Flüchtlingspolitik und gesellschaftlicher Wandel oberster „Streitpunkt“. Die drei Parodisten warfen sich abwechselnd in bizarre und urkomische Kostüme um den Blick auch auf umstrittene Personen dieser Tage wie Donald Trump, Horst Seehofer oder auch den niederländischen Politiker und Populisten Geert Wilders zu lenken. Musikalisch zeigte sich auch Lydia Hilgers wieder in Topform und begleitete die aberwitzigen Neuvertonungen von bekannten Chart-Erfolgen in gewohnt souverän-lässiger Manier.

Fiktive Werbeagentur

Besonders der weltweit leider prächtig gedeihende Rechtspopulismus genoss eine hohe kritische Reflexion in der Arbeit der vier Künstler. Die fiktive Werbeagentur „We win“ half orientierungslosen Menschen mit braun eingefärbten Denkstrukturen, ihre wirren Ansichten charmant und attraktiv verpackt in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Politische Arbeit mit heiklen Themen — für „We win“ kein Problem. Das Motto lautete: „Das braune Päckchen sollte etwas moderner verpackt werden. Ein Volk, ein Reich, ein...“

Nach gut anderthalb Stunden beendeten die strahlenden Satiriker ihren Pointenhagel mit einem Kanon zusammen mit dem Publikum. Die besungene „supergeile Zeit“ war es in jedem Fall.

Mehr von Aachener Zeitung