Baesweiler: Kabarett: Sarko de Funes und Reiner Calmund in der Burg

Baesweiler: Kabarett: Sarko de Funes und Reiner Calmund in der Burg

René Steinberg hats wohl schon vorher ein bisschen gefühlt. Wie sonst wäre der Kabarettist schon lange vor seinem Auftritt mit einem breiten Grinsen durchs Kulturzentrum Burg Baesweiler spaziert. Kein bisschen Nervosität - zumindest äußerlich - ist ihm anzusehen.

Im Gegenteil, der hochrangige Gast plaudert locker mit Baesweilers „Kulturmachern” Wolfgang Ohler und Marco Engels, gibt den Fotografen Tipps, wie sie sich gleich für seine Scherze präparieren mögen - und hechtet dann fast auf die Bühne. Steinberg scheint das Gefühl zu haben, „das wird heute was”.

Die ersten zehn Minütchen kommen die Lacher noch etwas verhalten nach oben, aber dann bricht es förmlich über Baesweiler herein. Immer wieder lässt der Comedian seine breiten Zahnreihen „sprechen”, die da ausdrücken, „ja, ich lieb Euch auch”!

Der Stimmenjongleur mit ganz hohem Gag-Produktionsfaktor macht Runde um Runde seine Punkte. Auch, weil er unablässig den Dialog mit seinem Publikum sucht. „Was sind Sie, Bänker?”, fragt Steinberg einen Gast in der ersten Reihe. Ja, da hat er doch gleich was. Die Krise und die Steinbergsche Feststellung, „Bänker tarnen sich doch mittlerweile als Lehrer”.

Riesenspaß entzündet der Kabarettist, er ist zum vierten Male in Baesweiler, mit seinem ausladend erzählten Krankenhausaufenthalt. Da hat er seinen Bettnachbarn - ein früherer Krupp-Schlosser und ein Steiger i. R. - doch ganz genau aufs Maul geschaut. Die Geschichte vom „Möhrengemüse mit Speck” nimmt ihren Lauf. Doch so lecker die neuen Kameraden ihr Mahl auch anpreisen - für Steinberg bleibt das Klinikessen „eine Nahrung gewordene ostdeutsche Plattenbausiedlung, und zwar vor der Wende”.

Die neuen Musikstile hat der in Baesweiler begeistert gefeierte Comedian auch „drauf” Zunächst formt er Culcha Candelas „Hamma” zu seiner Version „Jammer” um. Dann baut er einen weiteren Superhit mit dem „Schmaus am See” ein, einer Abwandlung des Peter-Fox-Songs „Haus am See”.

René Steinberg ist nun bei einer seiner Paraderollen angekommen. „Frittieren mit Reiner Calmund”. Nun laufen die Tränen beim Publikum.

Aber er ist längst noch nicht an der Spitze seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Über den umgeschriebenen Faust-Monolog, der im Stelter-Song „Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner” endet, biegt er - und da ist sein „Sarkozy” noch gar nicht zu Wort gekommen - beim „Tatort” ein. Til Schweiger („Der konnte 15 Filme mit einem Gesichtsausdruck drehen, da wird er ja wohl auch den Tatort hinkriegen”) soll Hamburger Kommissar werden. Wie wärs mit Grönemeyer als neuen Ruhrpott-Chefermittler? Und wenn die beiden dann in Hamburg im Hotel Transatlantik ermitteln und auf Udo Lindenberg treffen, wird es ganz „nuschelig”.

Bei diesem Programmpunkt schreit das Publikum vor Vergnügen. Und Steinberg selbst prustet nur noch auf der Bühne. Das ist echt und nicht gespielt, der Komödiant kann herzlich über sich selbst lachen.

Und als „Er” dann im zweiten Teil endlich kommt, „Sarko de Funes”, „habe ich mich auch weggeschmissen”, gesteht Kulturamtsleiter Wolfgang Ohler. Das ging ihm so, wie den rund 200 weiteren Besucher.