Herzogenrath: Junges Paar verwandelt graues Haus zu Villa Kunterbunt

Herzogenrath: Junges Paar verwandelt graues Haus zu Villa Kunterbunt

Fünf Jahre ist es her, da sind Sabine Brandt (39) und ihr Mann Jonas Becker (30) in die Robert-Koch-Straße 7 gezogen. In diesem ruhigen 60er-Jahre-Wohngebiet von Kohlscheid haben sie sich mit ihren Jungs Joshua und Mio niedergelassen. Zuerst als Mieter, bis vor zwei Jahren die Gelegenheit bestand, das Objekt zu kaufen.

„Das haben wir gern getan und gleich damit begonnen, das Haus umzubauen“, erzählt Sabine Brandt. Und wie das bei einer jungen Familie so ist, konnte alles nur schrittweise passieren. Ein Dorn im Auge war beiden aber immer die Fassade. „Wir fanden das furchtbar hässlich“, gibt Sabine Brandt zu, die gerne in dieser ruhigen Ecke Kohlscheids wohnt.

BU 2 (Bilder 2&3): Für Design und Ausarbeitung ist der studierte Illustrator Robin von Gestern verantwortlich. Foto: Markus Bienwald

Das Dilemma der Außenwand barg gleich mehrere Faktoren, die eine Überarbeitung nötig machten. Neben der mit den Jahrzehnten verwaschenen Originalfarbe, die schließlich nur einem sehr schmutzigen Grau entsprach, gab es da noch die Ausgestaltung mit nur teuer zu entsorgenden Eternitplatten. Geld für eine neue Isolation war nicht vorhanden und die normalen Fassadenanstriche kamen nicht infrage.

Kuckuck: Sabine Brandt und Künstler Robin von Gestern sind zufrieden mit dem Ergbnis.

Gut, dass Hausherr Jonas mit Robin von Gestern einen unermüdlich künstlerisch tätigen besten Freund hat. Robin ist studierter Illustrator und arbeitet am liebsten mit Sprühfarben. „Herkömmliche Farben können nur schlecht überstrichen werden und bei einer freien künstlerischen Gestaltung kommen wir da sehr schnell auch in zeitliche Probleme“, umschreibt der 26-Jährige das Ganze.

Bislang ein trostloser Anblick: Mindestens 80 Dosen Sprühfarbe gehen bei so einem Reiheneckhaus schon drauf, ehe die farbliche Gestaltung dem künstlerischen Anspruch entspricht. Für Design und Ausarbeitung ist der studierte Illustrator Robin von Gestern verantwortlich.

So entwarf er für die drei neu zu gestaltenden Hauswände ganz eigene Designs. Vorne und hinten orientierte er sich am Stile des weltbekannten Hundertwasser-Hauses und die Giebelseite als größte Fläche arbeitet er noch bis zur Fertigstellung seines bisher größten Projektes mit einem ganz eigenen Bild aus. Dort sind später zwei Hände zu sehen, die den Giebel tragen, ein zentrales Gesicht mit Krawatten spielt bei der Aufteilung in vier sich mehr oder weniger spiegelnden Flächen auch eine Rolle. Es steckt also viel Überlegung und viel Gehirnschmalz hinter dem Projekt, dem einst grauen Reiheneckhaus mit viel Farbe ein neues Gesicht zu verpassen.

Bislang ein trostloser Anblick: Mindestens 80 Dosen Sprühfarbe gehen bei so einem Reiheneckhaus schon drauf, ehe die farbliche Gestaltung dem künstlerischen Anspruch entspricht. Für Design und Ausarbeitung ist der studierte Illustrator Robin von Gestern verantwortlich.

Doch allen Nachbarn gefällt das nicht. „Als ich vor einigen Tagen auf der Leiter stand, wurde ich von einem Nachbarn nur gefragt, ob das unser ernst sei“, berichtet Robin.

Rosa mag nicht jeder

Sabine hat auch so ihre Erfahrungen gemacht, denn bereits zu einem früheren Zeitpunkt, als sie nur ein Gartentor in Rosa tünchte, wurde die Nummer sieben von den umliegenden Mitmenschen gleich als „Villa Kunterbunt“ eingestuft. Nun leben hier weder Äffchen noch Pferd, aber eine junge Familie, die hier ein Zuhause gefunden hat und von anderen Nachbarn hörte, dass die Gestaltung mal was anderes ist oder sehr gut ankommt.

„Vielleicht können wir damit anderen Menschen hier eine Idee für etwas Neues geben“, sagt Sabine Brandt lächelnd. Teuer ist diese Gestaltung per Graffiti nicht. Die Kosten für die etwa 80 bis 100 Farbdosen, die hier verbraucht werden, und die notwendigen 50 Liter Grundierung, liegen unter denen für normales Anstreichmaterial.

„Die Arbeitszeit ist natürlich etwas anderes“, gibt Robin zu, der gemeinsam mit seinen Helfern Martin Conrad (26) und Ekin Ayanoglu (18) an elf Arbeitstagen jeweils rund zehn Stunden pro Tag investierte. „Natürlich konnten nicht immer alle, aber wir sind trotz unterschiedlicher Besetzungen bei der Arbeit zu einem schönen Team gewachsen“, schließt Robin.

Und Sabine findet, dass sich hier in der Zeit der Arbeit zumindest während der gemeinsamen Essenszeiten eine richtig schöne WG entwickelt hat. Der idyllische Garten hat sicher seinen Teil dazu beigetragen. Und wer hat schon ein Haus mit Augen, die sich mit dahinterliegenden Fenstern auch öffnen lassen, wenn sie die Rolladen heben? Nur der Blick der Nachbarn bleibt vielleicht noch skeptisch. „Aber vielleicht ist das Gewöhnungssache“, findet Sabine Brandt.

(mabie)