Herzogenrath: Jungentag bietet viel Abwechslung

Herzogenrath: Jungentag bietet viel Abwechslung

Frauen sind hier heute nicht erwünscht - das wird schon bei der Begrüßung deutlich. Als Bürgermeister Christoph von den Driesch seinem Publikum einige Damen aus Politik und Verwaltung vorstellt, erntet er laute „Buh”-Rufe, während die männlichen Kollegen durchweg bejubelt werden.

Ein bisschen verständlich ist die Reaktion aber schon: Schließlich feiern die sechs bis zwölfjährigen Jungen im Kohlscheider Bürgerhaus am Freitag ihren „Jungentag”, und da haben eben weder Eltern, noch Damen oder Mädchen etwas zu suchen.

„Der Tag soll den Jungs eine Gelegenheit geben, sich mit minimalem Einfluss von Erwachsenen und Mädchen heute einmal selbst ausprobieren zu können”, erklärt Christian Stankewitz, Koordinator für die Jugendarbeit im Bürgerhaus. „Das ist wichtig, weil Jungen sich anders verhalten, wenn Mädchen dabei sind - das ist umgekehrt ja ganz genauso. Vor allem an Dinge, die angeblich untypisch für Jungs sind trauen sie sich nur alleine ran: Etwa etwas zu malen, zu basteln oder auf eine Traumreise zu gehen.”

Ausprobieren sollen sich die Jungen also - und um dies möglich zu machen, gibt es ein buntes Programm. Entspannen auf der Trauminsel, Selbstverteidigung, Fußballspielen oder einfach eine Runde Billiard - dabei ist wohl für jeden etwas.

Besonders beliebt ist vor allem ein Klassiker: das Kistenklettern. Getränkekisten werden in der Turnhalle übereinander gestapelt, und Stufe für Stufe klettern die Jungen daran hoch. Als erster Mutiger wagt sich Achmed (11), den Turm zu erklimmen. „Ganz schön schwierig” findet er das, doch Achmed kann auf die Unterstützung der anderen Jungs zählen, die sich das Spektakel ansehen.

Laut feuerten sie ihn an, „super Achmed, weiter, weiter”, tönt es immer wieder durch die Halle. Sein Bruder Mohammed (10) ist anschließend an der Reihe, und auch er schafft es weit nach oben. „Wenn man da oben steht, denkt man, man schaut von einem Berg runter”, kommentiert der mutige Kletterer, „aber jetzt bin ich stolz, dass ich es geschafft habe.”

Wichtiges Engagement

Jonas (8) und Jakob (7) interessieren die Kisten derweil weniger- „wir gehen jetzt Raketen bauen”, erzählen die beiden. Wie sie den Jungentag eigentlich finden? Das lässt sich in einem Wort zusammenfassen: „Cool, dass es so was gibt.”

Für künstlerisch interessierte gibt es derweil in der oberen Etage ein spannendes Angebot. Siegfried Kürschner arbeitet dort mit einigen Jungen an einem eigenen Trickfilm: Mit Laptop und Kamera filmen sie geduldig eine Einstellung nach der anderen, und Kürschner freut sich: „Es funktioniert wirklich gut, das habe ich so kaum erwartet. Diese Arbeit erfordert ja schon viel Disziplin.” Beteiligt hatte sich Kürschner am Jungentag auch schon im Vorjahr. „Da allerdings noch mit einem Theaterangebot”, erklärt er.

Kürschner unterstützt den Tag privat, doch auch viele Einrichtungen und Vereine sind engagiert. Das Jugendamt, die Gleichstellungsbeauftragte, Kindergärten, Jugendtreffs, die Fördergemeinschaft Merksteiner Jugend, viele Einzelpersonen sowie die Sparkasse und das Landeskriminalamt unterstützen die Aktion.

Ein sehr wichtiges Engagement, wie Stankewitz zusammenfasst: „Seit vielen Jahren wird viel für Mädchen getan, was ja auch richtig ist. Mittlerweile haben aber die Mädchen die Jungen überflügelt - daher ist es wichtig, sowohl Mädchen als auch Jungen zu fördern.”