Würselen: Jungenspiel: Ein glanzvolles Fest der Generationen

Würselen: Jungenspiel: Ein glanzvolles Fest der Generationen

Der Wettergott spielte zwar nicht so mit, wie es sich die Spellsleute in Linden-Neusen zum 70-jährigen Bestehen des Jungenspiels gewünscht hätten. Dennoch wurde vier Tage lang unbekümmert und voller Lebensfreude mit Live-Musik an allen Abenden auf dem Zelt und bei den Umzügen in den Straßen Hauptkirmes gefeiert. Es war wieder ein glanzvolles Fest der Generationen.

Die Spellsleute durften sich freuen, dass der Doppelort wie eine Eins hinter ihnen stand und die Gastjungenspiele Euchen, Vorweiden-Nassau und Oppen-Haal trotz der Launen von Tief „Elvira“ mit starken Abordnungen im Festzug und anschließend auch auf dem Zelt zur Gratulation vertreten waren. Die von einem Gönner gesponserte Coverband „Starlight Excess“ aus Münster lud zur Eröffnung der Theke zu einem „reloaded“ Rock-Trip ein. Und versetzte vor allem die jüngeren Semester in ekstatische Hochstimmung.

Welt noch in Ordnung

Die Eddy Schmidt-Band aus Eschweiler war am Tag danach und auch auf dem Königsball am Montag ein Garant für fetzige Tanz- und Unterhaltungsmusik bis zum frühen Morgen. Nach nur wenigen Stunden Schlaf besuchte das Jungenspiel am Sonntagmorgen einen von Gemeindehelfer Norbert Wischnewski gestalteten Kirmes-Gottesdienst. Musikalisch umrahmt wurde er vom Musikverein Cäcilia Waldfeucht, der auch beim Frühschoppen aufspielte und im Festzug zu den festen Größen zählte, und vom Chor „Lucivers“ unter dem Dirigat von Karl Graf, ein Geschenk der Mutter des Maikönigs. Der Dirigent intonierte auf der Orgel zur Feier des Tages das Mailiedchen. Alle Besucher stimmten mit den Spellsleuten ein. Da war die Welt noch in Ordnung.

Das große Zittern und Bangen begann, als sich der Festzug formierte. Der Himmel öffnete derart seine Schleusen, dass die Spells-leute erwogen, ihn abzusagen. Nach einer halben Stunde Geduldsprobe hatte „Elvira“ ein Einsehen mit den Spellsleuten, so dass der Festzug, angeführt von Pritschenmeister Jonas Rübben, „et dörp erop un eraaf“ seine volle Pracht entfalten konnte. Sage und schreibe 41 Pärchen hatte das gastgebende Spiel aufzubieten, eines reizender als das andere.

Auch die Maibräute und Maijungen der Gastjungenspiele genossen das Bad in der Menge der Zuschauer aus nah und fern in vollen Zügen. Lebensfreude pur machte sich breit. Die Fahnenschwenker garnierten mit ihren Künsten das farbenfrohe Spektakel, in dem sich auch die Pritschenkinder prächtig in Szene zu setzen vermochten.

In starker Besetzung präsentierte sich das Festkomitee mit dem strahlenden Ehrenpritschenmeister Wolfgang Fritz im offenen Cabriolet. Maikönig Max Zitzen wurde begleitet von Königin Lydia Schwartz, der Maiknecht Christoph Kohl von Maimagd Laura Thomalla. Einen musikalischen Hochgenuss reservierten die „Original Eschweiler Fanfarentrompeter“ mit ihrer brillanten Show für das Publikum.

Zum Abschluss Segen von oben

Noch bevor der Festzug am Montag das Zelt erreicht hatte, meldete sich „Elvira“ höchst unangenehm zurück. Der Segen kam zum Abschluss doch noch von oben. Auf dem Ball der Könige mit traditionellen Pritschenmarsch der Kinder ließ Vorsitzender Patrick Schöner die Jubiläums-Spielspitzen hochleben. Vor 50 Jahren wurde das Spiel angeführt von Maikönigin Marlene Grotenrath/Ross) und Maikönig Willi Grotenrath sowie von Maimagd Josefine Nießen/Knipprath) und Maiknecht Franz-Josef Nießen. Als Silberpaare grüßten vor 25 Jahren das Maikönigspaar Sandra und Guido Wirtz sowie Maimagd Sabine Lenzen und Maiknecht Wolfgang Wirtz, nicht zu vergessen Pritschenmeister Bernd Balduin.

Leider gingen die Kirmestage im Doppelort viel zu schnell zu Ende. Der Trost: Im nächsten Jahr wird das am frühen Morgen begrabene Jungenspiel wieder ausgegraben werden.

(ehg)
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