Würselen: Jugendamtselternbeirat: Probleme benennen, Entwicklungen anstoßen

Würselen: Jugendamtselternbeirat: Probleme benennen, Entwicklungen anstoßen

Eigentlich ist sie ganz zufrieden. Nach einem Jahr im Jugendamtselternbeirat (JAEB) sind die ersten Weichen gestellt. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt läuft gut. Der feste Sitz als beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss ist seit dieser Wahlperiode auch bestätigt.

„Wir werden sehr gut unterstützt”, sagt Susanne Moers. Sie ist die Vorsitzende des JAEB in Würselen.

Bereits im vergangenen Jahr wurde sie in diese Position gewählt und ist nun bestätigt worden. Gemeinsam mit sieben weiteren Ehrenamtlichen bildet sie den Würselener JAEB, aus dem unter anderem Vertreter in den Jugendhilfeausschuss, die AG 78, eine Arbeitsgemeinschaft nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, die sich mit der praxisorientierten Abstimmung von Maßnahmen für Kinder und Jugendliche befasst, und den Landeselternbeirat entsendet werden.

Mit dem seit 1. August 2011 geltenden Kinderbildungsgesetz ist in Paragraf 9 der Jugendamtselternbeirat (JAEB) vorgesehen. Es ist ein Gremium, das als Elternvertretung auf Stadt- und Landesebene fungiert. Im Oktober 2011 fanden erstmals JAEB-Wahlen in NRW statt. Gewählt wird dieser von den Elternbeiräten in den Kindertageseinrichtungen jedes Jahr neu. Mitglied kann nur werden, wessen Kind einen Kindergarten in der jeweiligen Kommune besucht.

Aus dem JAEB schließt sich der Beirat auf Landesebene zusammen. Das Gesetz schreibt vor, dass dem Landeselternbeirat von der „Obersten Landesjugendbehörde bei wesentlichen, die Kindertageseinrichtungen betreffenden Fragen die Möglichkeit der Mitwirkung” gegeben wird.

Susanne Moers versteht sich und ihre Beirats-Kollegen als „Vermittler zwischen der Stadt- und Landesebene und den Eltern in den Kindergärten”. Ein prägnantes Beispiel ist für Moers die U3-Betreuung. Teilweise würden die Eltern nur Bruchstücke der Entwicklung mitbekommen. „Wir haken nach, wie der Ausbau läuft, wie viele Plätze vorhanden sind und zeigen auf der anderen Seite Pro-bleme auf.” Etwa bei Personal-Fragen. „Zwar trifft die Entscheidung der Träger, aber wir können auf Missstände aufmerksam machen.”

Bei den Öffnungs- und Schließzeiten will der JAEB ebenfalls einbezogen werden. „Die Situation in den Familien hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Zeiten in den Kitas müssen entsprechend angepasst werden”, sagt Moers. Hier will man dem Wunsch der Eltern nachkommen, gegebenenfalls mit einer Abfrage in den Tagesstätten, und die Ergebnisse dem Jugendamt präsentieren.

Teilweise gibt es Veränderungswünsche der Eltern, die nur einen Teil der Kindertagesstätten betreffen. „Die Konzepte der Kitas für Kinder, die den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule erleben, sind sehr verschieden. Es gibt Einrichtungen, in denen Kinder intensiv auf den Wechsel vorbereitet werden. Andere machen gar nichts.” Die Differenzen wolle man aufzeigen, eventuelle Auswirkungen in den Schulen prüfen, um auf der Grundlage Verbesserungsvorschläge zu äußern.

Die anfänglich vorgeschlagenen zwei Sitzungen pro Jahr hatte das JAEB in Würselen schnell auf mehr Zusammenkünfte erweitert. „Wenn man wirklich etwas erreichen möchte, muss man sich auch öfter zusammensetzen”, findet Moers. Thematisch bekommt sie auch als Vertreterin auf Landesebene viele Anregungen. „Es gibt Arbeitsgruppen zu Integration, Inklusion, Stellenschlüssel, U3 - das kann man alles lokal herunterbrechen.”

Da erst im vergangenen Jahr per Gesetz eine Eltern-Mitwirkung auf Stadtebene möglich wurde, fehlt der Vorsitzenden und ihrer Stellvertreterin Anne Mülhens die Informationsweitergabe an die Bevölkerung. Ein Stand bei Straßenfesten, Flyer und ein Internetauftritt - das sind Dinge, mit denen sie mehr Transparenz schaffen und potenzielle Mitwirkende ansprechen wollen. Das kostet Geld. Hier wünscht sich Moers ein Budget, auf das sie für solche Dinge zurückgreifen könnte.

Es gibt noch einiges, was der JAEB in Würselen verändern und erreichen möchte. Die Anfänge sind gemacht.

In Herzogenrath ist seit vergangenem Jahr ebenfalls ein JAEB tätig. Mehrfach hat dieser bereits getagt, begleitet insbesondere die Kindergartenbedarfsplanung. Als eine „gute Sache, die Transparenz schafft”, versteht Andreas Heine vom städtischen Jugendamt dieses Gremium.

Positiv überzeugt davon ist auch Alexander Franzen, Arbeitsgruppenleiter der Arbeitsgruppe Kindertagesbetreuung des Amts für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen. Baesweiler ist Jugendamtskommune der Städteregion Aachen. Auf Ebene der Städteregion ist ein JAEB bestimmt worden, der Vorsitzende der vergangenen Wahlperiode Ulrich Reuter kam aus Baesweiler. „So bekommen wir als Jugendamt den direkten Draht zu den Eltern. Man kann Dinge ausführlich erklären und wir bekommen viele Anregungen von den Vertretern”, sagt Franzen. Auch hier ist die U3-Betreuung ein Thema, ebenfalls die Öffnungs- und Schließzeiten. „Im Moment ist es mehr ein Informationsaustausch und bisher sehr einvernehmlich.”

Einen Sitz im Jugendhilfeausschuss - das war das primäre Ziel des JAEB in Alsdorf im vergangenen Jahr. Innerhalb weniger Wochen war dieser durchgebracht. Im neu gewählten JAEB sind elf Vertreter, vier mehr als im Jahr davor. Ruth Katharina Classen, Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten und Tagespflege beim Jugendamt Alsdorf, schätzt, dass für das laufende Jahr der Kita-Rechtsanspruch 2013 im Fokus stehen wird.

Die Entwicklung „sehen wir sehr positiv”, so Classen. „Am Anfang war ich etwas kritisch, weil Eltern schon so viele Aufgaben haben, dass ich mich fragte, ob sie dafür noch die Zeit finden. Aber es zeigt sich, dass das Engagement da ist und das Interesse auch - und dann stehen wir als Jugendamt gerne dahinter.”