Alsdorf/Herzogenrath: Jugendamt will Image aufpolieren: Kampagne startet

Alsdorf/Herzogenrath: Jugendamt will Image aufpolieren: Kampagne startet

Der Klang des Wortes allein schreckt ab: „Eingreifbehörde". Wie kalt das klingt, wie herzlos. Genau dieses Etikett pappt landauf, landab hartnäckig an den Jugendämtern. Dort sitzen doch angeblich die Leute, die die Kinder aus ihren Familien holen! Das Problem für die Ämter: Diese Einschätzung hat zumindest einen wahren Kern.

Die bundesweite Kampagne „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt.” bietet dieser Tage den Jugendämtern Gelegenheit, sich und ihre Angebote zu präsentieren.

Einen „Markt der Möglichkeiten” hatte dazu das Alsdorfer Jugendamt aufgezogen. An vielen Infoständen im Foyer des Rathauses stellten sich all vielen Helfer vor, die in der Stadt Kinder- und Jugendarbeit leisten: Von der Erzieherin in der Kita, über den Betreuer im Jugendtreff bis zu den Streetworkern. Um einfach mal ins Gespräch mit Besuchern zu kommen. Von Mensch zu Mensch, ganz ohne den Geruch eines großen behördlichen Apparates.

Neue Broschüre

„Wir wollen transparent machen, was alles zur Arbeit in den Jugendämtern gehört”, sagte Agnes Migenda, die in Alsdorf den Infotag vorbereitet hatte. Sogar eine besondere Broschüre hat die Stadt aus diesem Anlass aufgelegt. Im Heft stellen die Mitarbeiter sich und ihre Aufgaben vor, es finden sich Kontakadressen und Anlaufstellen. 1000 Hefte sind gedruckt, die nun kostenlos im Jugendamt erhältlich sind.

Auch in die Babybegrüßungspakete für junge Familien sollen die Broschüren gesteckt werden. Ebenso neu: Der Flitzer der Streetworker. Nachdem der große Bus mit gut 980\.000 Kilometern auf dem Tacho vom TÜV aus dem Verkehr gezogen worden war, gibt es nun einen Mercedes „Sprinter” für die mobile Arbeit. Zwar hat der auch bereits knapp 150\.000 Kilometer hinter sich, „aber der wird uns noch lange erhalten bleiben”, sagte Streetworker Hans Willmer. 20\.000 Euro hat die Stadt für die Anschaffung bezahlt, weitere 1000 Euro sollen in den „Innenausbau” fließen.

Mit anpacken

Jugendliche können selbst mit anpacken, um eine Teeküche, Schränke, Bänke und Tische in dem Fahrzeug unterzubringen. Mehr Infos für die, die mithelfen möchten, gibt es unter Tel. 02404/81420\. Anschließend soll der Bus dorthin fahren, wo sich Jugendliche treffen: Am Annapark, an der Falterstraße in Hoengen. Dort wollen die Streetworker mit ihnen in Kontakt kommen.

Zuhören und beraten

In Kontakt kam beim Aktionstag auch Bürgermeister Alfred Sonders mit Jugendlichen. Er hatte an diesem Tag seine Bürgersprechstunde für die Jüngeren reserviert und nahm sich gut zwei Stunden Zeit, ihre Wünsche anzuhören.

Zuhören, beraten, vermitteln - im Grunde ist es das, was die Arbeit der Jugendämter ausmacht. Weshalb Agnes Migenda das Wort Eingreifbehörde so nicht stehen lassen mag. Wenn schon ein Etikett, dann hätte sie ein anderes parat: „Wir sind eine Unterstützungsbehörde. Wir bieten Hilfen an, damit Familien funktionieren.”

Viele Aktionen haben auch die Mitarbeiter des Herzogenrather Jugendamtes im Rahmen der Kampagne parat.

Dieses Forum ist Norbert Latz, Teamleiter Soziale Dienst in Roda, hoch willkommen. „Wir wollen deutlich machen, welche Angebote wir haben.” Angebote, die häufig kaum bekannt seien oder nicht wahrgenommen werden. „Unser Dilemma ist ja, dass wir eine Doppelfunktion haben: Wir können viele Hilfen anbieten, müssen aber auch die hoheitliche Aufgabe erfüllen, bei Kindeswohlgefährdung in Familien einzugreifen.” Und letzteres sei das, was vor allem in den Köpfen hafte. So gesehen, sind die Projekte, mit denen sich Roda an den Aktionswochen beteiligt, auch eine Art „Imagekorrektur”. Ein Werben für das, was viele nicht sehen.

Am heutigen Samstag geschieht das etwa bei einer Aktion für Pflegefamilien. Die können sich bei einer Rallye rund um die Burg Rode austoben und einander kennenlernen. „Es ist vor allem ein Dankeschön für die, die bereit sind, Kindern Geborgenheit und ein Zuhause zu geben”, betont die Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann.

Unter die Lupe nehmen

„Spielplatzdetektive” sind am Samstag, 28\. Mai, gefragt. Gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Verwaltung werden Kinder an diesem Tag die Spielplätze im Stadtgebiet unter die Lupe nehmen und darauf achten, wo man etwas verbessern, reparieren oder verschönern kann. Zwar wird nicht das Geld bereitstehen, um alle Kinderwünsche zu erfüllen, „aber es ist für die Kleinen eine wunderbare Möglichkeit zu sehen, dass sie und ihre Interessen ernst genommen werden”, sagt Oliver Krings, Teamleiter Jugend in Herzogenrath. Ernst genommen wird auch das Jugendparlament, das nach den Sommerferien startet. Es wird nämlich nicht bloß Vertreter als beratende Mitglieder in die „großen” Ausschüsse entsenden können, sondern sogar ein eigenes Budget bekommen, das es selbstständig verwenden kann.

Finanziell in die Tasche gegriffen hat die Stadt in Sachen Streetwork. Zwei Stellen gibt es nun in Roda. Froese-Kindermann: „Ein erheblicher Mehraufwand - aber ein sehr sinnvoller.”

Neben den jetzt angebotenen Aktionen und Projekten solle man etwas nicht vergessen, sagt Andreas Heine, Fachbereichsleiter Jugend und Bildung: „Jugendtreffs, Kindergärten und Dinge wie zusätzliche Stellen für Schulsozialarbeiter - das sind alles Dinge, die das Jugendamt anbietet und die bei den Menschen ankommen.”

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