Würselen: Journalist Marc Thörner spricht über Afghanistan

Würselen: Journalist Marc Thörner spricht über Afghanistan

In Afghanistan kennt Marc Thörner sich aus. Auch und gerade hinter den Kulissen. Und er hat sich einen unparteiischen Blick auf den Gang der Dinge rund um Kundus bewahrt. Das hat der 46-jährige Journalist und Islamwissenschaftler seinem Publikum im Würselener Saal Houben ziemlich eindrucksvoll vermittelt.

Auf Einladung der örtlichen Friedensinitiative war der Hamburger in den Nordkreis gekommen, um zentrale Thesen und grundlegende Erfahrungen aus seinem aktuellen Buch mit „Reportagen über Krieg, Fundamentalismus und Demokratie” unter dem Titel „Afghanistan-Code” vorzustellen.

Intellektuelle Brillanz

Mit einer unspektakulär intellektuellen Brillanz gesegnet, zerlegte der Gast manche Mythen der westlichen Politik im Nu. So seien viele Frontstellungen keineswegs so klar wie behauptet: Hier westliche Militärs, da fundamentalistische Finsterlinge - derart einfach lägen die Dinge nicht. So habe der radikale Islam unter anderem in Algerien beziehungsweise Saudi-Arabien durch Franzosen beziehungsweise Briten Unterstützung erfahren. Von Saudi-Arabien aus sei diese Form der Weltreligion nach Afghanistan geraten. „Das letzte Todesurteil wegen Gotteslästerung gab es dort 1920”, formulierte Thörner wie zum Beleg. Jetzt aber gebe es solche Todesurteile wieder - verkündet von Richtern, die ihre Rechtsauffassung aus der wahabitischen Tradition der arabischen Halbinsel übernommen haben.

Aus diesem Umstand heraus folgerte der Buchautor eine grundsätzliche Kritik an der Verbindung zwischen USA und europäischen Ländern einerseits sowie Staatschef Karsai andererseits.

Fragezeichen setzte Thörner aber nicht nur hinter diese Allianz. Auch bei der Ausbildung von Sicherheitskräften sei Vorsicht geboten: „Was für Leute bilden wir da eigentlich aus?” Leider sei es im Moment noch so, dass die Milizen örtlicher Kriegsherren mehr oder minder regelmäßig in die Polizei übernommen würden. Weitere ethnische Konflikte zwischen den Völkern in Afghanistan seien so programmiert.