Alsdorf: Johann König mit neuem Programm in Alsdorf

Alsdorf: Johann König mit neuem Programm in Alsdorf

Vier Mal hat er schon auf dieser Bühne gestanden. Und jedes Mal habe er zu sich selbst gesagt: „Da gehst du nie wieder hin.“ Also nach Alsdorf. Und doch ist er da: der „fleischgewordene Veggieburger“ Johann König. Denn schließlich macht er Unterhaltung für Intellektuelle — und da ist er in Alsdorf genau richtig.

„Hier kannst du nicht mit einfachen Witzen punkten“, habe er sich noch vor der Show gesagt. „Das funktioniert bei den Alsdorfern nicht. Das sind ganz Anspruchsvolle, Wissbegierige. Nicht wie die Kölner.“ Sein neues Programm „Milchbrötchenrechnung“ im Gepäck steht er auf der Bühne und macht das, was er am liebsten tut: pausieren. Dinge auf sich beruhen lassen. Und nebenbei ein bisschen erzählen. Von seinen drei Kindern zum Beispiel. Und von deren Mutter, die auch im Haus wohnt. Kinder seien übrigens etwas Wunderbares. Zeit mit den Kindern zu verbringen, sei sehr, sehr schön. „Man muss sich das nur immer wieder sagen.“

Wenn König scheinbar triviale Alltagsgeschichten erzählt, steckt dahinter stets Gesellschaftskritik. Etwa wenn er erzählt, dass er sich in der vergangenen Zeit sehr um seine Gesundheit bemüht habe. „Ich habe viel gemacht, um vital und fit zu sein. Ich habe einen Fitnessdrink aus den USA. Den hat mir meine Fußpflegerin empfohlen.“ Der König unter den Kabarettisten hinterfragt die Machenschaften der Banken ebenso wie Einflüsse der Rüstungsindustrie und spielt nebenbei mit Klischees des fairen Handels und der vegetarischen Ernährung. „Ich persönlich esse nur noch Fleisch, von dem ich weiß, dass kein Tier dafür sterben musste. Oder wenn, dann wenigstens, dass es einvernehmlich war.“

Erster und letzter Bio-Komiker

Nachhaltigkeit heißt das Zauber- oder besser gesagt Modewort, Johann König zumindest gefällt‘s. Also das Wort. Deutschlands erster und wahrscheinlich auch letzter Bio-Komiker drückt mit diesen Themen unbemerkt kleine Stacheln ins Fleisch der amüsierwilligen Masse und reflektiert so die Narrheit ihres eigenen Tuns.

König versteckt hinter scheinbar abwesendem Gebrabbel immer wieder geistreiche Inhalte und bringt spitze Pointen in Nebensätzen unter. Es sind Stilmittel von Allegorien, Gleichnissen und Fabeln, derer er sich bedient. Das alles braucht kein Bühnenspektakel — das ist Johann König selbst genug. Was hier zählt, ist seine Kunst, seine Redegewandtheit. Er spricht, reimt und singt — und das Publikum hängt an seinen Lippen.

(eli)
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