Jobcenter: 14.236 Leistungsbezieher im Nordkreis

Fazit des Jobcenters für 2018 : Arbeit ist nicht immer das Ende der Hilfsbedürftigkeit

Ein erfreuliches Fazit  ziehen die Verantwortlichen der Jobcenter-Geschäftsstellen im Nordkreis mit Blick auf das abgelaufene Jahr. In 2556 Fällen nahmen Menschen in Alsdorf (935), Baesweiler (388), Herzogenrath (680) und Würselen (553) eine sozialversicherungspflichtige Arbeit oder Ausbildung auf.

Die Zahl der Arbeitslosen ging von 4205 Menschen Mitte 2017 auf nunmehr 3854 zurück. Das entspricht einem Minus von 8,4 Prozent.

Insgesamt bezogen im September 2018 14.236 Menschen in den vier Nordkreiskommunen Leistungen des Jobcenters, im Jahr zuvor lag diese Zahl bei 14.848 – ein Rückgang um 4,2%. Unter den Beziehern sind 3.595 Kinder unter 15 Jahren, die mit ihren Eltern in sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben. Diese Zusammenhänge erläuterten die beiden Geschäftsstellenleiter Frank Oehler und Bernd Wirtz gemeinsam mit Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Graaf in Würselen.

„Gleichwohl bedeutet Arbeitsaufnahme, auch in Vollzeit, nicht immer auch das Ende der Hilfebedürftigkeit“, so Graaf. So sieht das Gesetz einen Regelbedarf von 424 Euro für Alleinerziehende, für Partner 382 Euro und für weitere Familienmitglieder entsprechend geringere Beträge vor. Zudem werden Unterkunftskosten wie Miete und Heizung finanziert. Für Kinder stehen Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets zur Verfügung wie die Finanzierung von Schulbedarf, Klassenfahrten, Mittagsverpflegung, Nachhilfe und Vereinsbeiträge. Demnach muss bei einer vierköpfigen Familie ein Alleinverdiener schon rund 2100 Euro netto verdienen, um mit Freibeträgen aus dem Leistungsbezug herauszukommen. Daher sinke die Zahl der Leistungsbezieher weniger stark als die der arbeitslosen Menschen.

Angesprochen auf die Thematik geflüchteter Menschen berichten beiden Jobcenterleiter, dass diese in der Gesamtstatistik im Saldo nicht auffallen, weil die Abgänge durch gute Konjunktur und die Bemühungen der Kunden und des Jobcenters höher waren als die Zugänge durch geflüchtete Menschen.Im September 2018 waren 4.148 Menschen ausländischer Nationalität im Leistungsbezug, das sind 28,5 Prozent aller Empfänger – vor zwei Jahren lag die Quote noch bei 20,4 Prozent. Der Anstieg resultiert vor allem aus dem Zuzug von Menschen aus den sogenannten acht herkunftsstärksten Asylherkunftsländern: Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia. Waren dies im September 2016 noch 483 Menschen, werden nunmehr 1092 betreut. Trotz des Zuzugs geflüchteter Menschen hat sich die Gesamtzahl der Leistungsberechtigten deutlich verringert. Insgesamt rund 68 Millionen Euro an Leistungen zum Lebensunterhalt und für Unterkunftskosten wurden 2018 ausgezahlt, auf Grund der rückläufigen Fallzahlen sind das 3,1 Millionen Euro weniger als 2017.

Wert legen die Jobcenter-Leiter darauf, dass aus finanzieller Sicht Arbeitnehmern und Arbeitgebern jede sinnvolle Unterstützungsmöglichkeit im Bereich der Qualifikation und Arbeitsaufnahme geboten wird: Vom Einstiegsgeld für Leistungsberechtigte im Fall der Arbeitsaufnahme über Eingliederungszuschüsse an Arbeitgeber bis hin zur Finanzierung von Umschulungen oder Hilfen zur Mobilität stehe ausreichend Budget zur Verfügung. „Alles, was sinnvoll ist und die Menschen Richtung Arbeit bringt, unterstützen wir“, so Oehler. Denn als Schlüssel für eine gute Integration in das Erwerbsleben gelten für die Arbeitsmarktexperten eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung.

Nicht nur zeitlich anspruchsvoll

Während sowohl im Nordkreis als auch der gesamten Städteregion 22 Prozent der arbeitslosen Menschen keinen Hauptschulabschluss haben – der Bundeswert liegt bei 24 Prozent und der NRW-Schnitt bei 28 Prozent – haben sogar 74 Prozent aller arbeitslos gemeldeten Menschen keinen Berufsabschluss. „Arbeitslose Menschen mit Berufsabschluss konnten wir in den letzten Jahren erfolgreich integrieren “, so Graaf. Nunmehr gelte es, verstärkt Perspektiven für Menschen ohne Berufsabschluss zu finden, was ungleich schwieriger sei, ist das Nachholen eines Berufsabschlusses doch nicht nur in zeitlicher Hinsicht anspruchsvoll. „In unseren Förderzentren – das für den Nordkreis liegt in Alsdorf – können sich die Menschen an verschiedenen Gewerken ausprobieren, und wir schauen dann gemeinsam, was sinnvoll und machbar ist“, so Oehler.

(red)
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