Würselen: Joachim Tabaczek wird Zweiter bei der Story-Olympiade

Würselen: Joachim Tabaczek wird Zweiter bei der Story-Olympiade

Ein Blick in Joachim Tabaczeks Bücherregal — Pardon, Bücherregale! — verrät, dass es sich der 45-Jährige gerne mal mit einem Buch gemütlich macht und dabei in fremde Welten abtaucht. Denn etliche Wälzer, vorzugsweise aus dem Fantasy-Bereich, reihen sich hier aneinander. Das Lesen ist aber nur das eine Hobby des Bardenbergers, das andere ist das Schreiben.

Und damit hatte er jetzt auch Erfolg: Der Autor hat an dem Schreibwettbewerb Storyolympiade teilgenommen und mit seiner Kurzgeschichte „Wanderjahre“ den zweiten Platz erreicht. Die Storyolympiade ist ein deutschsprachiger, aber internationaler Geschichtenwettbewerb, der seit 1999 alle zwei Jahre ausgetragen wird. Für Tabaczek war es nicht das erste Mal, dass er an der „Olympiade“ teilnahm. Bei dem Wettbewerb für das Jahr 2015/2016 hat er die insgesamt dritte Geschichte eingereicht. Bisher hatte er es mit seinen Texten nicht aufs Treppchen geschafft. „Das war mir bislang auch immer egal, ob ich eine Medaille gewinne, oder nicht“, sagt er. „Jetzt weiß ich aber, wie schön es dann doch ist, zu gewinnen“, muss er augenzwinkernd zugeben.

Zu seinen Favoriten zählen die Schriftsteller Roger Zelazny und Lois McMaster Bujold. Foto: Leandra Kubiak

Die diesjährige „Olympiade“ stand unter dem Oberbegriff „Labyrinthe“. Das Thema wurde bereits Anfang 2015 bekannt gegeben, bis Ende Oktober 2015 hatten die Teilnehmer dann Zeit, ihren Text zu dem Thema einzureichen. Für Tabaczek sei es letztlich eng geworden, seine Geschichte rechtzeitig einzureichen. Zwei Texte habe er wieder verworfen, beim dritten Anlauf musste es dann klappen, die Zeit lief ihm davon. „Geschrieben habe ich die Geschichte an drei oder vier Wochenenden“, erinnert er sich. Das Thema: Ein Mensch, der nicht so recht weiß, wo er hingehört, gefangen in einer virtuellen Welt. „Es ist Science-Fiction“, sagt er.

Auf die Frage, ob da ein Stück weit der eigene Beruf abgefärbt habe, gibt Tabaczek zu, dass das nicht ganz fern liege. Denn: Der studierte Physiker, der aus Bielefeld stammt, arbeitet als Softwareentwickler bei einem Unternehmen in Laurensberg.

Die Story jedenfalls hat der Jury gefallen. Überreicht wurde die Silbermedaille auf dem Buchmesse-Convent in Dreieich nahe Frankfurt, das immer parallel zur Frankfurter Buchmesse veranstaltet wird. Die besten Geschichten der Storyolympiade werden nach jedem Wettbewerb in einem Sammelband von den Veranstaltern veröffentlicht.

So sehr er sich über die Auszeichnung auch gefreut habe, Tabaczek ist sich ziemlich sicher: „Ein weiteres Mal werde ich nicht teilnehmen.“ Zum einen sei es ein Preis für Nachwuchs-Autoren, die sich dort einmal ausprobieren können, und er möchte den Platz frei machen für neue Talente. Zum anderen — und das wiegt vielleicht noch schwerer — ist es Voraussetzung, dass die Nachwuchs-Schriftsteller selbst noch kein Buch veröffentlicht haben. Und das soll sich, wenn es nach Tabaczek geht, bis zur nächsten Storyolympiade geändert haben.

Mit dem Gedanken, den ersten eigenen Roman zu veröffentlichen, spielt der Autor schon länger. Er hat auch schon einen Text in der Schublade liegen, der im Prinzip druckfertig ist. „Angefangen habe ich mit dem Roman vor rund fünf Jahren“, erzählt er. Er habe den Text aber immer mal wieder beiseite gelegt, sei es aus Zeitmangel gewesen oder deshalb, weil er an anderen Geschichten gearbeitet habe.

Anfangs sei die Story für ihn sonnenklar gewesen: Er hatte eine Idee im Kopf und hat sich dran gemacht, diese zu Papier zu bringen. Auch das Genre war klar: Es sollte der klassische Fantasy-Roman werden. Im Zentrum der Geschichte eine Heldin — nicht zuletzt, um sich von den meist männlich dominierten Fantasy-Geschichten abzuheben — die sich einer großen Herausforderung stellen muss. Das Ganze spielt in einer fiktiven Welt. Angesiedelt sei diese nicht — wie das oftmals der Fall sei — in einer Zeit ähnlich dem Mittelalter, sondern in einer Welt, die schon etwas mehr an die Zeit der Industrialisierung erinnert.

Immer mal wieder überkamen Tabaczek aber auch Zweifel. Ist die Geschichte originell genug? Ist sie nicht doch zu vorhersehbar? „Ich muss die Geschichte ja auch selbst gerne lesen wollen“, findet er. Und als er den Text nach einiger Zeit zum zweiten Mal gelesen hat, war er nicht mehr ganz überzeugt. Also wurde weiter an dem Manuskript gefeilt. Auch einigen „Kritikern“ aus dem eigenen Bekanntenkreis hat er den Text schon vorgelegt. Der ein oder andere habe sich auch bereits durch die rund 500 Seiten durchgearbeitet. Das Feedback war für den Verfasser überraschend: „Die Rückmeldungen waren sehr unterschiedlich!“

Jeder der „Probe-Leser“ habe ganz andere Dinge kritisiert. „Aber immer völlig nachvollziehbar“, wie Tabaczek hinzufügt. Sein Ziel für die Veröffentlichung des Romans? „Anfang des Jahres.“ Auf der Suche nach einem Verlag sei er dafür nicht, er wolle das Buch eigenständig veröffentlichen, so wie es über verschiedene Plattformen möglich ist.

Vom Schreiben leben zu können, das wäre Tabaczeks Traum. Denn seine Leidenschaft für das Verfassen von Geschichten besteht schon lange. Während des Studiums habe er damit angefangen. Mit dem Einstieg in das Berufsleben sei es zunächst weniger geworden, seit einigen Jahren schreibt er aber wieder regelmäßig. „Nach Möglichkeit jedes Wochenende“, sagt er. Bei aller Liebe gehört aber auch etwas Disziplin dazu. Manchmal müsse er sich schon etwas aufraffen, gibt er zu. Um genug Freiräume zu haben, hat er seine Stelle um einige Stunden reduziert und nun einen zusätzlichen freien Tag.

Als realistisch sieht er es nicht, das Hobby zu seinem Beruf zu machen. In Deutschland gebe es so gut wie keine Autoren im Bereich Fantasy, die davon leben könnten. Die richtig erfolgreichen Reihen kämen eben meist aus den USA, beziehungsweise aus dem englischsprachigen Raum. Zu Tabaczeks Lieblingsautoren zählen der bereits verstorbene US-amerikanische Schriftsteller Roger Zelazny und die Schriftstellerin Lois McMaster Bujold. Aufhören möchte Tabaczek trotzdem nicht. Für ihn steht fest: Sobald er seinen ersten Roman veröffentlicht hat, fängt er mit der nächsten Geschichte an. Tabaczeks Erzählung „Wanderjahre“ ist in dem Band „Labyrinthe“ erschienen, der von Martin Witzgall und Felix Woitkowski herausgegeben wurde.