Jens-Peter Enk an der Noble-Orgel in Vorweiden

Orgelkonzert : Barocke Lebensfreude gemischt mit romantischer Innerlichkeit

Der Kreiskantor des evangelischen Kirchenkreises Wuppertal, Jens-Peter Enk, wird immer „heimischer" an der rotgewandeten englischen Noble-Orgel der evangelischen Kirche in Vorweiden.

Hausherrin Pfarrerin Dorlis Alders konnte den sympathischen und in allen Epochen der Kirchenmusik beschlagenen Organisten bereits zum dritten Male innerhalb von vier Jahren vor einer beachtlichen Besucherzahl begrüßen. Und in der Konzertpause, bei der im Gemeindehaus ein Imbiss für alle gereicht wurde, war zu hören: Für nächstes Jahr hat der Kirchenmusikdirektor ein weiteres Programm für die Orgel in Vorweiden in Vorbereitung.

Das Programm trug der Tatsache Rechnung, dass sich die Noble-Orgel hervorragend sowohl für die Interpretation barocker wie romantischer Werke eignet. Vor der Pause ging es ausschließlich barock zu. Es war schön und beglückend, das berühmte Rondeau aus der Oper Abdelazer von Henry Purcell, dem Rezensenten in der Streichorchester-Fassung bekannt, einmal in der Orgelfassung zu hören.

Jens-Peter Enk interpretierte das Stück nicht schwerfällig, wie es manchmal zu hören ist, sondern in schnellem Tempo - Barock steht nicht zuletzt für Lebensfreude, trotz oder vielleicht wegen oft kriegerischer Zeiten damals. Lebensfreude und Glaubensoptimismus versprühten auch die folgenden interpretierten Werke: zunächst das Choralvorspiel „Allein Gott in der Höh sei Ehr" von Georg Böhm (1631-1733) und drei Verse aus dem Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach (1685-1750) über „Christ ist erstanden" mit anschließender Fantasie in C-Dur. Eingerahmt von diesen Stücken erklang dann noch die Fuge in C-Dur von Dietrich Buxtehude (1637-1707). Auch hier ging tempomäßig - salopp formuliert – „die Post ab", ohne dass dies der Klarheit und Präzision der Interpretation Abbruch tat.

Nachdem sich der Organist und das aufmerksame Publikum mit Brot und Oliven gestärkt hatten, ging es nach der Pause romantisch weiter. Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), der vom Judentum zum Protestantismus konvertierte Komponist, war mit dem Präludium und der Fuge in G-Dur beim Konzert „vertreten". Jens-Peter Enk ließ in seiner Interpretation jene protestantische Frömmigkeit und deutsch-romantische Innerlichkeit aufleuchten, welche dem Werk Mendelssohns wohl wie kein zweites innewohnt.

Dann überraschte der Kirchenmusiker mit zwei modernen Kompositionen: der triumphalen und fröhlichen Oster-Siute von Mary Mc Donald (geboren 1965) und einem Werk von Jason D. Payne (geboren 1980). Beschwingte Töne („Ich weiß, dass mein Erlöser lebt", „Jubilation") gingen über in Jazz-Töne beim abschießenden Gebet an den Allmächtigen. Resümee: Großer Beifall für den Organisten, der zudem eine Zugabe, ebenfalls von Jason D. Payne, vorbereitet hatte.

(jope)
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