Herzogenrath: Jantien Sturm präsentiert Kunst auf ausgerissenen Zeitungsseiten

Herzogenrath : Jantien Sturm präsentiert Kunst auf ausgerissenen Zeitungsseiten

Jeder Tag unseres Lebens beginnt mit Informationen und wird mit Informationen beendet. Wir hören sie, wir sehen sie, wir lesen sie. Ob wir sie benötigen oder nicht. Dabei ist uns selten bewusst, dass zum Beispiel Nachrichten uns nicht nur informieren, sondern auch unser Denken steuern, ja auch manipulieren.

„Was ist Wahrheit“, fragt deshalb die Künstlerin Jantien Sturm in ihrer aktuellen Ausstellung im FrauenKomm.Gleis1.

Ihre Collagen und Überarbeitungen auf Zeitungspapier und großformatigen Malereien beschäftigen sich mit dem multidimensionale Umgang mit Informationen in der bildenden Kunst und haben Tiefgang. Das erlebten die zahlreichen Gäste der Vernissage auf den ersten Blick.

Sich mit dem Thema Medien, Information, Manipulation und Wahrheit auseinander zu setzen, war für die ersten Besucher der Werkschau so spannend, dass es ein langer Abend mit sehr interessiertem, regem Austausch mit der Künstlerin wurde.

„Kunst hat die besondere Gabe, die Zeit und ihren dazugehörigen Informationsstand anzuhalten. Die Aufgabe hatten früher natürlich auch die gedruckten Medien wie Zeitungen und Bücher. Diesen Stellenwert haben sie aber längst verloren“, sagte Sturm.

Der Wert einer Information von gestern liege quasi bei Null. Die Einstellungen, Gefühle und Bewertungen zum Zeitpunkt X spielen offenkundig keine Rolle mehr.

Uta Göbel-Groß, im Vorstand FrauenKomm.Gleis1 zuständig für Kunst und Kreatives, gab eine Einführung in die Ausstellung. „Jantien Sturm präsentiert uns Zeichnung, Malerei und Textfragmente auf ausgerissenen Zeitungsseiten.

Der Titel, der Untertitel beziehungsweise der Inhalt des Artikels oder auch die beigefügten Fotos und Illustrationen haben ihre Aufmerksamkeit erregt. Sie liest die Artikel, saugt Informationen auf, aufmerksam, sorgsam. Es sind Themen, die sie beschäftigen und die hier neues Denkfutter erfahren“, erklärt Göbel-Groß.

Denkprozesse finden daraufhin statt, ein Angesprochen-Sein. „Es ist die Kontroverse, der Konflikt, ein sarkastischer O-Ton, der sie gefangen nimmt, es beginnt, in ihr zu arbeiten.

Das Ausreißen, Beiseitelegen, Aufheben, darauf Zurückkommen ist der nächste Schritt im Entstehungsprozess der künstlerischen Arbeiten“, schildert die Kunstkennerin, den kreativen Prozess, der mit dem Überarbeiten schließt.

Der Ausstellungstitel „Was ist Wahrheit“ lockt dazu, die Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten der Begriffe „Wahrheit“ und „wahr“ auszuloten. „Auseinandersetzung soll stattfinden“, regt Jantien Sturm an.

Die Ausstellung an der Bahnhofstraße 15 in Herzogenrath läuft bis zum 6. November und ist zu den Öffnungszeiten des FrauenKomm. Gleis1 zu besuchen. Anmeldung unter Telefon 02406/979732.

(nina)
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