1. Lokales
  2. Nordkreis

Alsdorf: Jahresblätter erinnern an Not und Kriegsangst

Alsdorf : Jahresblätter erinnern an Not und Kriegsangst

Die Jahresblätter 2003/04 des Alsdorfer Geschichtsvereins sind gedruckt. Diesmal beinhalten sie die drei Themen „Alsdorf vor 60 Jahren”, „Zwangsarbeit in Alsdorf im Zweiten Weltkrieg” und „Woher kommen die Alsdorfer?”.

Erschienen sind sie in einer Auflage von 800 Stück, wie Vorsitzender Rudolf Bast bei der Vorstellung der Jahresblätter betonte.

Entbehrung

Das erste Kapitel „Alsdorf vor 60 Jahren” beinhaltet Auszüge aus Tagebüchern und tagebuchähnliche Texte, die aus der Zeit von September 1944 bis März 1945 berichten. In dieser Zeit (7. Oktober 1944) wird Alsdorf von amerikanischen Truppen besetzt. Die Front steht für sechs Wochen zwischen Alsdorf und Hoengen/Mariadorf. Durch eine neue Offensive werden Mariadorf am 16., Hoengen am 17. und Warden, Begau sowie Bettendorf am 18. November eingenommen.

Die Texte dokumentieren die Angst, die Not und die Entbehrungen der Menschen, der nicht in die Evakuierung gegangen waren, sowie den Überlebenswillen, die Tapferkeit, die Freundschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen. Es sind Dokumentationen von Zeitzeugen, die dem Geschichtsverein im Laufe der Jahre übergeben worden waren.

Diese sind: Schwester Oswalda (Marianne Wegemann), Maria Errenst, Maria Jeha, Barbara und Heinz Heinrichs sowie Helene Becker. „Der 60. Jahrestag der Ereignisse”, so Rudolf Bast, „ist der angemessene Zeitpunkt für die Veröffentlichung.” Einleitende und verbindende Texte verfasste er selbst.

Evakuierung

Im vierten Bericht wird sein Vater mehrfach erwähnt. Dieser war notdienstverpflichtet auf Grube „Anna”, um mitzuhelfen, die Anlagen für die Zukunft zu retten. „Meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich waren am 4. Oktober in die Evakuierung gezwungen worden. Mein Vater starb nach Verwundung durch Fliegerbomben am 8. Februar 1945.”

Hans-Dieter Berens schildert den Flugzeugabsturz am Allerheiligentag 1941, bei dem es zehn Tote gab. Im zweiten Teil beschäftigt sich der Autor Thomas Müller mit der Darstellung der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges, die Alsdorf betrifft. Das dritte Kapitel behandelt die Frage „Woher kommen die Alsdorfer?”.

Umfangreiche Statistik

Insbesondere wurde untersucht, woher sich die Zuwanderung nach Alsdorf und Hoengen während des Aufstieges der Gruben „Anna” und „Maria” speiste. Dazu musste umfangreiches statistisches Material verarbeitet werden. „Ziel war es”, so der Autor Rudolf Bast, „klare Leitlinien und Schwerpunkte der Zuwanderung aufzuzeigen, einschließlich unterschiedlicher Phasen”.

Bei den Recherchen dazu wurde er im Standesamt fündig - unterstützt von Doris Keller, Veronica Leisten, Margret Buttgereit und Burgungda Nießen. Hilfreich bei den Nachforschungen war auch Karl-Bernd-Ghislain, der als Postbeamter umfassend kundig ist und kleinste Orte bestimmten Regionen richtig zuzuordnen weiß. Denn in den alten Urkunden sind auch kleinste Weiler und Wohnquartiere als Geburtsorte verzeichnet.

Zehn Euro

Bürgermeister Helmut Klein dankte für die geleistete Arbeit. Jedes der rund 300 Mitglieder des Alsdorfer Geschichtsvereins bekommt sein Exemplar in den nächsten Tagen zugestellt. Für sonstige Interessenten liegen die Jahresblätter gegen einen Kostenbeitrag von zehn Euro in der Buchhandlung Thater, der Aachener Bank sowie den Zweigstellen der Sparkasse Aachen bereit. Zudem können sie am Stand der Buchhandlung auf dem Alsdorfer Weihnachtsmarkt gekauft werden.

Für die nächsten Jahresblätter hat Rudolf Bast bereits eine Idee: Er will unter Denkmalschutz stehende Gebäude und Einrichtungen untersuchen, auf Fotos dokumentieren und Textmaterial dazu analysieren.