Neue Ausgabe: Jahresblätter des Geschichtsvereins widmen sich der Rathausstraße

Neue Ausgabe : Jahresblätter des Geschichtsvereins widmen sich der Rathausstraße

Dass für Dr. Franz Schneider die Erforschung der Historie seiner Heimatstadt eine Herzensangelegenheit ist, sollte die wenigsten überraschen.

Ob Alsdorfer Burg, Bahnhofstraße oder Ottenfelder Schloss – in den „Jahresblättern“ des Geschichtsvereins Alsdorf der letzten zwanzig Jahre war der Name Franz Schneider regelmäßig unter den Autoren zu finden. Etwas überraschend mutet es daher an, dass die Alsdorfer Rathausstraße – seit je her in Kombination mit der Bahnhofstraße die gewerbliche Hauptschlagader der ehemaligen Zechenstadt – bislang eher „unbeachtet“ blieb. Mit dem neuen Band 2017/2018 der Jahresblätter des Alsdorfer Geschichtsvereins ist nun auch dieser „weiße Fleck“ buchstäblich Geschichte.

Im Kaminzimmer der Alsdorfer Burg konnte der Geschichtsverein nun feierlich die neue Ausgabe der Öffentlichkeit präsentieren. Vorsitzender Franz Josef Müller konnte zusammen mit dem Ehrenvorsitzenden Rudolf Bast sowohl die Autoren als auch die Ehrengäste um Bürgermeister Alfred Sonders begrüßen. Zusammen mit Hartmut Malecha hat Schneider den aktuellen Band mit Leben gefüllt. Malecha hat sich seinerseits mit der Geschichte der „Schützengilde 1909 Alsdorf befasst“.

Deutlich „schlanker“ im Seitenumfang, dafür nicht minder interessant, hat Malecha die Thematik zu Papier gebracht. Er selbst ist als letzter Vorsitzender der Gilde lebendiger Teil der Historie, deren zahlreiche „Hinterlassenschaften“ unter anderem auch im Burgarchiv bestaunt werden können. Aus einem zurückliegenden „Jour-Fix-Vortrag“, den Malecha auf Einladung des Geschichtsvereins einst hielt, wurde die Idee für einen Aufsatz geboren. Die Anwesenden erinnerten sich mit Freude an den spannenden Vormittag zurück, als Malecha „schweres Geschütz“ und interessante Anekdoten im Gepäck hatte.

Schneiders Reise über die Rathausstraße beginnt am Knotenpunkt des heutigen Denkmalplatzes, wo die Bahnhofstraße mündet. Den erhebliche Wandel der „Geschäftsstraße“, die zwischenzeitlich auch auf den Namen „Hindenburgstraße“ hörte hat Schneider zum größten Teil als Zeitzeuge erlebt. Die Hausnummern 28 und 68 erinnern ihn noch heute an die eigene Kindheit und die elterliche Metzgerei. Die Anwaltskanzlei Schneider war ebenfalls über 40 Jahre lang an der Straße zugegen. Kein Meter vergeht auf der imaginären Reise, ohne dass Schneider Erinnerungen einholen. „Geschichte ist immer auch Heimat und umgekehrt. Erst die Historie lässt einen sie sprichwörtlichen Wurzeln schlagen“, erläuterte er.

Zwei große Einschnitte in der Geschichte der Bahnhofstraße hat Schneider ausgemacht. Zum einen habe die „Umwidmung zur Einbahnstraße“ den Charakter der Einkaufsstraße erheblich verändert, zum anderen sei auch die nach dem Krieg geschehene „Amerikanisierung“ des Einkaufsverhaltens (Einkaufszentren: Globus, Kaufland) schuld am Rückgang des dortigen Einzelhandels. Mit unzähligen Fotos und längst verzogenen Eigentümernamen hat Schneider das „Archiv der Rathausstraße“ bestückt. Jeder Alsdorfer wird viel bekanntes und vielleicht auch sich selbst in Schneiders Arbeit wiedererkennen.

Bürgermeister Sonders pflichtete dem bei: „Man wird als Alsdorfer beim Lesen sein Leben erleben.“ Er selbst wollte am Vorabend sich einen „kleinen Überblick“ über das Werk verschaffen und versank vollends in den zahllosen Anekdoten und Geschichten.