Herzogenrath: Interreligiöser Diaolog: Großes Interesse an der Rolle der Maria

Herzogenrath: Interreligiöser Diaolog: Großes Interesse an der Rolle der Maria

Das Interesse war groß, kaum ein Platz mehr frei im evangelischen Gemeindezentrum Merkstein. Der Integrationsrat der Stadt Herzogenrath, die Emir-Sultan Moschee und die Initiative Merksteiner Ökumenische Zusammenarbeit (MÖZ) hatten eingeladen, sich über Religionsgrenzen hinweg über die heilige Maria zu unterhalten, denn die spielt in allen drei Glaubensrichtungen eine wichtige Rolle.

Vorbereitet hatten sich die Referenten alle auf diesen Abend, wenn auch jeder auf seine eigene Weise. Der Imam der Merksteiner Moschee Fatih Mehmet Günes hatte sich die wichtigen Stellen im Koran zu Meryem Ana, wie die heilige Maria im Türkischen heißt, noch einmal genau angesehen. „Wer andere Glaubensrichtungen nicht kennengelernt hat, kennt auch seinen Glauben nicht” - so machte der Vorbeter deutlich, wie wichtig die Beschäftigung mit anderen als der eigenen Religion ist. Renate Fischer-Bausch, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde im nördlichsten Herzogenrather Stadtteil, hatte Abbildungen von Kunstwerken mit Mariendarstellungen im Gepäck, um die Bedeutung der Heiligen im Protestantismus herauszustellen.

Der katholische Pfarrer und Vikar in St. Willibrord, Michael Donie, hingegen vergegenwärtigte sich im Vorfeld noch einmal die katholische Marienfrömmigkeit. In ihr liegt bereits der wesentliche Unterschied zwischen der Rolle Marias im katholischen und evangelischen Christentum. Die Marienverehrung sei eher ein katholisches Phänomen, führte Fischer-Bausch denn auch aus. Im protestantischen Glauben sehe man in Maria, wie in Katholizismus und Islam auch, Jesu Mutter, die ihren Sohn unbefleckt empfangen hat. Dennoch werde sie zunehmend wieder als spirituelle Frauengestalt entdeckt. Tatsächlich gebe es im katholischen Glauben extreme Positionen, die Maria über die heilige Dreifaltigkeit erheben, erklärte Donie. Er stellte jedoch heraus, dass sie stets ein Mensch bleibe, eine „Schwester des Glaubens”, die gezeigt habe, wie der Glaube gelebt werden kann und soll. Darin liegt eine wichtige Vorbildfunktion. Stark und mutig war die Heilige in ihrem Leben und ihrem Glauben, gebar ein Kind als ledige Frau und zweifelte nie. Vor allem, und darin liege die besondere Bedeutung Meryems im Islam, wie Günes hervorhob, lebte sie rein und ehrenhaft. Die Herrin der Frauen im Paradies und einzige im Koran namentlich genannte Frau verweigerte sich stets den Männern, aß immer rein, um Gott näher zu kommen. Bedeutung habe sie deshalb nicht allein für muslimische Frauen, sondern für alle Menschen, ob gläubig oder nicht.

„Sehr interessant”, resümierte Erhard Lay, Prädikant und Presbyter der evangelischen Gemeinde Merkstein, die Veranstaltung. Zwar habe man sich thematisch sehr begrenzt, doch das Glaubensgespräch sei als Auftakt der Kommunikation über diese Themen aufzufassen. Für Pfarrerin Fischer-Bausch hat der Abend bewiesen, dass Maria in allen drei Glaubensrichtungen hohes Ansehen genieße. Es sei spürbar geworden, was im Glauben wichtig ist: Zutrauen und Hoffnung in Gott.

Auch Michael Donie empfand den Abend als sehr spannend. Der einzige Wermutstropfen aus Sicht des Pfarrers: Nur wenige Christen hatten sich im Gemeindezentrum eingefunden, die meisten der über 60 Besucher waren Muslime. Etwas mehr Interesse von Katholiken und Protestanten hatte er sich erhofft.