Würselen: Integratives Jugendcamp trifft wieder den richtigen Takt

Würselen: Integratives Jugendcamp trifft wieder den richtigen Takt

Mal waren die Rhythmen schnell. Mal langsam. Mal waren die Trommelschläge einfach, und mal mussten sich die Musiker konzentrieren, um immer wieder den richtigen Takt zu treffen. Was allerdings immer gleich war, waren die zufriedenen Gesichter.

Serge Salimou, Student der Sonderpädagogik fürs Lehramt, leitete den Trommelkurs fünf Tage lang. Er war einer von 14 Betreuern beim des 10. Integrativen Jugendcamp auf dem Flugplatz Merzbrück. Teilnehmer waren 92 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren, mit und ohne Handicap, mit und ohne Migrationshintergrund. „Mein Vater kommt aus dem Senegal“, erklärte der Aachener Student, der sowohl Heilrhythmen als auch Trommeln als Musiktherapie beherrscht.

„Mit den Händen zu trommeln und dabei zu reden ist eine große Konzentrationsfrage“, sagte Salimou und trommelte beim Reden in wechselnden Rhythmen. Die Teilnehmer eiferten ihm nach, voller Lust, auf diese Weise Musik zu machen. Das war nun neu.

Nicht neu bei der 10. Auflage des Camps war, dass diese Freizeit für die Jugendlichen kostenlos war. „Dank der Unterstützung der Städteregion, von Gemeinden und Partnern gelingt uns das immer“, sagte Uschi Brammertz vom Förderverein der Integrativen Camps.

„Ich mache keinen Hehl daraus, dass die 5000 Euro, die die Städteregion jährlich zu diesem Camp zuschießt, mit auf meiner Streichvorschlagsliste steht, um Kosten für die Städteregion zu reduzieren“, gab Städteregionsrat Helmut Etschenberg zu, der dann aber sofort hinterher schob: „Dieses Camp ist so etwas Besonderes, dass ich mich in der Verpflichtung sehe, die 5000 Euro anders aufzutreiben.“

Ganz besonders ist dieses Camp, weil junge Erwachsene aus der Euregio daran teilnehmen, die sich sonst keinen Urlaub leisten könnten. Da steht Zelten auf dem Programm und Segelfliegen, aber auch Hip-Hop, Breakdance, Trampolinspringen und Rhönradfahren.

Seit drei Jahren der Besuch bei der Nato Air Base in Geilenkirchen. „Da sehen die Jugendlichen nicht nur unsere Flugzeuge, sondern können sich auch mit der Technik beschäftigen“, erklärte General Karsten Stoye, der zusicherte, „dass wir weiterhin den Jugendlichen den Besuch bei uns ermöglichen“.

Und die freuten sich sehr. Wie Alex (23) und Sharon (18). Das Camp bedeutet für sie raus aus dem Alltag, hin zu Außergewöhnlichem, aber auch Respekt, Wertschätzung, Abenteuer. „Wir haben keine Berührungsängste und gehen alle ganz nett miteinander um“, sagte Sharon und wippte dann schnell mit, weil wieder andere Jugendliche an den Trommeln saßen und der Klang im ganzen Camp zu hören war.

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