Herzogenrath: Insektensterben soll in Herzogenrath ein Ende haben

Herzogenrath : Insektensterben soll in Herzogenrath ein Ende haben

Dass Insektensterben nicht nur etwas fürs Sommerloch ist, sondern mittlerweile zum Dauerthema geworden ist, zeigte auch die Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses in Herzogenrath.

Dort verständigten sich Politiker aller Couleur nun darauf, einen Runden Tisch zum Thema einzurichten, der sich auf die Fahnen schreibt, das Thema mit allen Facetten zu betrachten, aber auch Maßnahmen zügig umzusetzen.

Dass das Thema auch viel Zündstoff haben kann, zeigte ein Blick auf den Zeitstrahl, mit dem der Antrag die politische Arbeit erreichte. Denn ein entsprechender Antrag der Herzogenrather „Groko“ aus SPD und CDU vom 12. Dezember gab den Anlass, darüber zu debattieren. Doch der eigentliche Anstoß erfolgte schon wesentlich früher. So gab es schon am 7. November vergangenen Jahres eine Bürgeranregung aller Naturschutz- und Umweltorganisationen, die in Herzogenrath tätig sind: Die Naturfreunde, das Soziokulturelle Zentrum Klösterchen, Gut Paulinenwäldchen, die Wurmtal AG, sowie die zuständigen Ortsgruppen von NABU und der BUND hatten eindringlich darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, gegen das Insektensterben schon in den Kommunen vorzugehen.

Im Namen der genannten Organisationen forderte Bruno Barth von den Naturfreunden als Unterzeichner der Anregung vom 7. November unter anderem eine „erhebliche Ausweitung“ von Grünflächen mit heimischen Blühpflanzen auf städtischen Grundstücken, weniger versiegelte Flächen, Wildbienenhotels und vor allem einen nachhaltigen Verzicht auf Pestizide.

So sollten beispielsweise Flächen, die der Stadt gehören, und verpachtet werden, pestizidfrei werden, dazu Bau- und Gärtenmärkte in Herzogenrath angeregt werden, entsprechende Chemikalien aus dem Sortiment zu nehmen, sowie die Stadt auf Mäharbeiten an Wegesrändern und Straßen vor dem Aussamen verzichten.

Gezielte Maßnahmen sind nötig

„Das Problem ist seit langem bekannt, getan hat sich leider zu wenig“, so Bruno Barth. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Studie, die besagt, dass die Zahl der Insekten in den letzten knapp drei Jahrzehnten um drei Viertel abgenommen habe, sei von dramatischen Verhältnissen zu sprechen, so der Bürgerantrag.

„Da Insekten Pflanzen bestäuben und anderen Tieren als Nahrung dienen, betrifft dieser Rückgang unser gesamtes Ökosystem“, betont Barth. Hier könne die Stadt Herzogenrath mit gezielten Maßnahmen entgegenwirken.

SPD und CDU nahmen in ihrem Antrag vom 12. Dezember die Idee auf, sprachen sich für die Ideen der Antragsteller und für die Einrichtung eines „Runden Tisches“ aus, der sich der Thematik annehmen soll. In der Begründung führen die Politiker sehr ähnliche Argumente wie die Naturschutzgruppen in ihrem Schreiben aus dem November an. Im „Groko“-Antrag steht beispielsweise zu lesen, dass sich „eine erhebliche Gefährdung für die Artenvielfalt und den Artenerhalt in der Pflanzen- und Tierwelt“ ergebe. Inhaltlich gab es also Konsens zwischen den beiden Anträgen.

Was die Antragsteller aber massiv störte, war die Vorgehensweise. So sei die offizielle Bürgeranregung fristgerecht eingereicht worden, habe aber nicht wie erwartet auf der Tagesordnung des Umwelt- und Planungsausschusses am 28. November gestanden. „Die Begründung des zuständigen Beigeordneten, warum der Antrag nicht schon am 28. November behandelt wurde, waren beispielsweise Urlaub, Krankenstand und anderes“, so Bruno Barth in einer Stellungnahme. „Ein eindeutiger Verstoß der Stadt gegen die Hauptsatzung“, findet er.

„Man hätte die Anregung im Ausschuss behandeln müssen“, entgegnete der angesprochene Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, sie hätte aber schlicht nicht vorgelegen. Zudem hätten Unterschriften der einzelnen Vertreter jedes der einzelnen genannten Verbände gefehlt, sagte Migenda rückblickend.

Was die Antragsteller an dem ganzen Vorgang so richtig erboste, war dass die „Groko“ ihrerseits einen ähnlich lautenden Antrag stellte, der nun in der Tagesordnung der aktuellen Sitzung genau einen Tagesordnungspunkt vor dem Antrag der Naturverbände behandelt wurde. „Weitere Beratungen sollen deshalb ausschließlich unter dem Dach des ,Groko‘-Antrags erfolgen“, vermutete Bruno Barth. Die Sitzung bestätigte diese Einschätzung, denn die meisten Argumente für die Einführung des Runden Tisches und der nachhaltigen Bedeutung, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen, wurden naturgemäß schon in der Diskussion um den Groko-Antrag ausgetauscht.

Die Initiative ergriffen

So einigte man sich darauf, den Runden Tisch durch eine Priorisierung der zu bearbeitenden Punkte so schnell wie möglich arbeitsfähig zu machen. Bruno Barth winkte angesichts dieser Worte aber ab. „In der Praxis passiert auf absehbare Zeit nichts“, sagt er. Schlimmer noch wiegt für ihn und die Menschen, die bereits im November auf die Folgen des Insektensterbens auch in Herzogenrath aufmerksam machten, aber noch etwas anderes. So übte er schärfste Kritik daran, wie mit dem Ansinnen der Bürger in diesem Fall verfahren wurde. „Das untergräbt die Bereitschaft von ehrenamtlich Engagierten, sich in und für die Stadt einzubringen und fördert Politiker- und Staatsverdrossenheit“, schloss er. Ein Datum, wann der vom Ausschuss beschlossene Runde Tisch erstmalig tagen soll, oder in welcher Besetzung er dies tun wird, gab es in der Sitzung nicht zu hören.

Die Antragsteller der Naturgruppen sind da schon einen Schritt weiter. „Wenn wir auf die Stadt warten, können wir lange warten“, sagt Bruno Barth. Darum gab es schon am Dienstagabend im Naturfreundehaus Merkstein einen Runden Tisch aller in Herzogenrath aktiven Naturverbände, um das weitere Vorgehen und praktische Maßnahmen zu beraten.

(mabie)
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