Herzogenrath: Initiative: Jedes Schulkind soll schwimmen lernen

Herzogenrath : Initiative: Jedes Schulkind soll schwimmen lernen

Alles begann mit dem Wunsch der Bürgerstiftung, jedes Kind solle schwimmen lernen. Peter Waliczek, der Vorsitzende der Bürgerstiftung, findet deutliche Worte: „Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste Todesursache. Wir zählen 500 Tote in Deutschland pro Jahr durch Ertrinken. Nach Berechnungen kann jeder zweite Drittklässler nicht schwimmen.“

Nun ist die Herzogenrather Bürgerstiftung bekannt dafür, ihre Ziele konsequent zu verfolgen. Peter Waliczek definiert das Ziel: „In drei bis fünf Jahren wollen wir erreichen, dass jedes Kind, das die Grundschule bei uns verlässt, mindestens eine Schwimmart erlernt hat.“ Die Bürgerstiftung organisierte zunächst einen Schwimmkurs in Eigenregie. Im Nachhinein gibt Peter Waliczek zu: „Wir wussten nicht, worauf wir uns einlassen.“

Der erste Kurs war gleichwohl ein Erfolg, aber auch eine organisatorische Mammutaufgabe. Im April vergangenen Jahres nahmen zwölf Kinder an einem Kurs teil, von denen acht noch nie ein Schwimmbad von innen gesehen hatten. Acht der zwölf schafften es, nach zehn Wochen das „Seepferdchen“ zu machen. An diesem Punkt trifft Peter Waliczek den Geschäftsführer des Stadtsportverbandes Manfred Borgs.

Die beiden Männer verstehen sich auf Anhieb. Der Stadtsportverband übernimmt seither die Organisation der Kurse. So wurden im vergangenen Sommer 72 Kinder zwei Wochen lang täglich mit Sammeltaxen zur Schwimmhalle gebracht, um am Kurs teilzunehmen, darunter auch Flüchtlingskinder. Die Bürgerstiftung stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung, das neue Gemeinschaftsunterfangen zu stemmen.

Und weiter geht’s: Gerade findet wieder ein Kurs in der Halle Leonhardstraße statt. In den kommenden Sommerferien ist eine einwöchige Kinderferienfreizeit im Schullandheim Rollesbroich geplant, verbunden mit dem nächsten Schwimmkurs, für den eigens die Schwimmhalle Simmerath angemietet wurde. Mehr als 30 Kinder von 12 bis 16 Jahren werden daran teilnehmen können. Anmeldungen nimmt der Stadtsportverband ab sofort entgegen.

„Wir möchten gezielt Kinder aus sozial schwachen Familien unterstützen, die womöglich nicht in Urlaub fahren können. Und unsere Maßnahme hat integrativen Charakter“, erklärt Manfred Borgs. Er hat sich selbst ein Bild gemacht, wie die Kurse bei den Kids ankommen: „Wenn man in die Gesichter der Kinder schaut, dann lohnt sich der ganze Aufwand.“ Die Bürgerstiftung hat im vergangenen Jahr über ihre Adventskalender-Aktion 5000 Euro für den Zweck zur Verfügung gestellt, in diesem Jahr sind es 9000 Euro.

Außerdem freut sich Peter Waliczek, dass sich Guido Schuck vom Rewe in Merkstein bereitgefunden hat, ab Juni an seinen Leergutautomaten einen zusätzlichen Briefkasten anzubringen. Wer also die Schwimmförderung für Herzogenrather Kinder unterstützen möchte, dann demnächst seinen Leergutbon in diesen Briefkasten werfen. Oder direkt zweckgebunden an die Bürgerstiftung spenden.

Bürgerstiftung und Stadtsportverband spannen den Bogen aber noch weiter: Beim nächsten Grundschulleitertreffen sollen die Grundschulen mit ins Boot geholt werden, denn sie wissen am besten Bescheid, welche Kinder einer Schwimmförderung bedürfen. Der Stadtsportverband hat inzwischen einen Pool von sechs Lehrpersonen aufgebaut, die die Bürgerstiftung bei Bedarf noch weiter aus- und weiterbilden lassen will. Die Rodastadt belässt es nicht bei kleinen Fischen…

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