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Alsdorf: Industriepark fährt ab auf Auto-Technik

Alsdorf : Industriepark fährt ab auf Auto-Technik

Pförtner Peter Dzinga lässt den Gast erst passieren, nachdem er ihn pflichtgemäß auf den Punkt „Geheimhaltung” hingewiesen hat.

Keine Information, kein Bild darf die kleine „Autostadt” im Hoengener Industriepark verlassen, was nicht abgestimmt ist. Schließlich zählen bei der Gesellschaft für Industrieforschung (GIF) und der eng mit ihr verbundenen Nachbarfirma Gesellschaft für Antriebstechnik (GAT) sämtliche deutschen Automobilhersteller zu den Kunden, die ihre „Erlkönige” sorgsam hüten.

Da ist im Zweifelsfall absolute Diskretion zwingend, um die Geschäfte nicht zu gefährden.Die laufen derzeit übrigens so hervorragend, dass wieder mal ein baulicher Expansionsschritt vollzogen werden kann. Und dieses Mal wieder ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) mit ihrem erfolgreichen Public-Leasing-Verfahren der Partner des Unternehmens, wie schon bei allen bisherigen Expansionsschritten.

Die Außenhülle der neuen Halle, seit Februar im Bau, ist bereits so gut wie fertig. Und auch im Innern des Gebäudes wird sich schon bald etwas tun, wie die beiden Manager Rolf von Dahlen und Jochen Furlkröger im AZ-Gespräch darlegen. Auf einer Nutzfläche von 800 Quadratmetern soll es ab Juli um Antriebsstrang-Prüfstände für Fahrzeuge gehen. Bevor diese per Schiff etwa nach Fernost - die Hauptkunden sitzen in Südkorea - ausgeliefert werden können, werden sie hier aufgebaut und ausgiebig getestet.

Darüber hinaus wird Platz benötigt, um die Fertigungstiefe in der Produktion zu erhöhen. So wird künftig bisher zugekauftes Auftragsvolumen in eigener Regie erledigt, etwa die Dreh-, Fräs- und Bohrbearbeitung. Das sorgt für zusätzliche Arbeitsplätze, bis zu zehn weitere Mitarbeiter sind angepeilt. Während GAT im Augenblick 33 Beschäftigte zählt, sind es bei GIF rund 400.

Das Produkt, mit dem GAT im Markt Furore macht, ist der Mechanische Torsionsdämpfer (MTD). Dieses Massenschwungrad, zwischen Motor und Getriebe montiert, sorgt dafür, dass sich die Schwingungen der Kraftquelle des Fahrzeugs nicht auf die Karosserie übertragen - ähnlich wie die Stoßdämpfer an den Rädern.

Das Bauteil ist in der Branche so erfolgreich, dass der Absatz immer weiter steigt. Sind für dieses Jahr 250.000 Exemplare angepeilt, sollen es 2007 bereits 450.000 MTDs werden - was mit Blick auf die angestrebte dritte Schicht zu etwa zehn Neueinstellungen führt.

Während nach Angaben von Dahlens und Furlkrögers baulich rund 700.000 Euro investiert werden, sind für die technisch anspruchsvolle Ausstattung bis zu zwei Millionen Euro notwendig. Seit neun Jahren ist die 1986 in Aachen gegründete GIF in Alsdorf ansässig.

Und 2000 nahm GAT dort, 1996 als Joint Venture von GIF und ZF Sachs in Schweinfurt gegründet, die Produktion auf. Bislang sind auf dem 110.000 Quadratmeter großen Gelände insgesamt rund 50 Millionen Euro investiert worden, rechnen die beiden Diplom-Ingenieure vor.

Auch außerhalb Alsdorfs geht die Expansion munter weiter. „Das größte Wachstum findet derzeit in Fernost statt. Und davon möchten wir noch stärker profitieren”, sagt von Dahlen. Und das bedeutet konkret: „Wir müssen vor Ort sein.”

Gute Chancen

Die Vorbereitungen zum Aufbau einer eigenen Produktionsstätte in der chinesischen Metropole sind bereits weit gediehen. Erst gerade flog von Dahlen als Leiter Einkauf und Produktion bei GAT ins Reich der Mitte, um weitere Details für den Bau abzustimmen. Eine partnerschaftliche Beziehung soll dieser erste Auslandsstandort werden, die nicht ohne Risiko sei, aber auch ihre Chancen biete, ist er überzeugt. Die bisher einzige Filiale ist in Wolfsburg zu finden, wo seit dem Jahr 2000 Prüfstände für den VW-Konzern im Einsatz sind, um die sich 32 Mitarbeiter kümmern.

GAT hat sich prächtig etabliert. Beleg dafür ist auch der „Golden Award”, der ihr voriges Jahr als einer von zwei europäischen Firmen im amerikanischen Auto-Mekka Detroit verliehen worden ist - als „First-Class-Produzent” mit einer minimalen Fehlerquote.