Alsdorf: In Alsdorf trifft Pink Floyd auf Mozart

Alsdorf: In Alsdorf trifft Pink Floyd auf Mozart

Musik kennt keine Grenzen, sagt Gitarrist Ralf „Ralle“ Rudnik. Er war in Rockbands ebenso zuhause wie in Tanzmusikkapellen. Seit einigen Jahren bringt er Rock und klassische Komponisten in neuem Sound auf die Bühne. Darüber spricht der ehemalige „Höhner“-Gitarrist und musikalische Kopf der „Classic Rock Show“ vor deren Premiere in der Alsdorfer Stadthalle.

Sollte der gute alte Rock nicht eigentlich längst begraben sein? Musikjournalisten haben ihn doch immer wieder mal für tot erklärt.

Rudnik: Nein, auf gar keinen Fall. Der hält sich bestens, den gab es schon vor 250 Jahren. Man hatte damals bloß noch keinen Strom. Sonst hätte sich auch ein Mozart als echter Rocker präsentiert. Viele meinen, dass sich die Rockmusik heutzutage nicht mehr so gut verkauft.

Doch in Wirklichkeit verkauft sie sich besser denn je. Heutzutage sind Bands wie AC/DC oder Led Zeppelin regelrecht Kult. Und darum geht es bei unserer Show, dieses Gefühl wollen wir transportieren.

Aber als moderner Rockgitarrist landet man auch nicht zwingend bei der Klassik.

Rudnik: Da landet man, wenn man alles andere durchhat (lacht). Doch dann merkt man plötzlich, wo das andere überhaupt herkommt. Für mich war das ein ganz intensives Gefühl.

Wie packen Sie die Kompositionen bei der „Classic Rock Show“ an?

Rudnik: Wir spielen die Partituren mit Volldampf und auf eine Art, wie das sonst keiner macht. Musikalisch ist das eine Riesenherausforderung. Wenn man auf der Gitarre eine Violinenstimme von Paganini spielen will, dann ist das schon sehr sportlich, das sind irre Skalen. Da muss ich mich auch richtig reinknien und üben.

Gitarrenimprovisationen wie beim Blues sind also eher nicht gefragt.

Rudnik: Natürlich gibt es während der Show solistische Passagen. Aber grundsätzlich setz‘ ich mich hin und feile die Arrangements für jedes Stück ganz genau aus, bis hin zum letzten Glöckchen. Dazu gibt es Noten und Demoaufnahmen für alle Musiker, damit schon alles passt, bevor das erste Mal gemeinsam geprobt wird.

Rockklassiker wie „Smoke On The Water“ gehören zum Programm. Kann man diesem Riff mit seinen vier Tönen überhaupt noch etwas Neues abgewinnen?

Rudnik: Aber sicher. Wir haben diese Nummer überhaupt nur ausgewählt, weil man sie eigentlich nicht mehr hören kann. Um zu zeigen, dass es sehr wohl noch geht — wenn es anders klingt. Wir bringen den Song mit donnernden Celli, das hat richtig Wucht. Und plötzlich wird man wieder aufmerksam und denkt: Hey, so hab‘ ich das ja noch nie gehört!

Von welcher Nummer würden Sie auf jeden Fall die Finger lassen?

Rudnik: „Du hast mich tausend mal belogen“ (lacht). Grundsätzlich vor all den Titeln, die für mich irgendwie kein Charisma haben — egal, ob sie mal ein Hit waren oder nicht.

Es gibt aber sicher auch ein paar gute Schlager. Selbst die könnte man so hinkriegen, dass sie in die Atmosphäre passen, die wir erzeugen wollen — und je abwegiger so ein Titel ist, umso mehr sollte ich mal darüber nachdenken. . .

Ihr persönlicher Lieblings-Rocksong?

Rudnik: Schwer zu sagen. Hängt sehr von der jeweiligen Stimmung ab. Aber bestimmt etwas von Queen. Oder Pink Floyd. Das sind einfach Sachen, bei denen ich sofort hinhöre, die mich packen. So etwas spiele ich dann auch mit größter Hochachtung.

Nach neun Jahren bei den „Höhnern“ sind Sie 2008 ausgestiegen. Hatten Sie keine Lust mehr auf Kölschrock?

Rudnik: Ich hatte keine Lust mehr auf nur noch diese eine Musik. Aber so war das damals, bei mehr als 400 Auftritten im Jahr — da blieb keine Zeit mehr für etwas anderes. Damit geriet die persönliche Balance völlig aus dem Gleichgewicht.

Mit der „Classic Rock Show“ habe ich jetzt zwar nur 30, 40 Auftritte pro Jahr — aber bei jedem einzelnen habe ich richtig Lust, auf die Bühne zu gehen. Kein täglicher Termindruck mehr, dafür immer aufs Neue Spaß an der Musik — das war eine absolut bewusste, wichtige und auch richtige Entscheidung für mich.

Wer sitzt bei Ihnen im Publikum: Rockfans oder Klassikfreunde?

Rudnik: Eher die Rockfans. Und gar nicht mal nur die alten. Es gibt viele Zuhörer, die viel jünger sind als die meisten Songs, die wir spielen. Die Stücke muss man vorher auch gar nicht kennen, denke ich. Zumal wir sie zum Teil ganz neu anpacken, um eine besondere Stimmung zu erzeugen.

Da passiert es sogar mal, dass zwei Sachen gleichzeitig zu hören sind. Über einen Auszug aus Mozarts „Zauberflöte“ spielen wir „I Want To Know What Love Is“ von Foreigner. Und das passt, weil wir es passend machen. Da kommt eine ganz besondere Atmosphäre zustande. Hinzu kommen eine riesige Lichtshow und Videoleinwände. Das ist schon großes Kino.

Bislang waren Sie mit der Show vor allem in Holland unterwegs. Warum gerade dort?

Rudnik: Die meisten Musiker und die Sänger stammen aus den Niederlanden, ich bin im Grunde der einzige Deutsche im ganzen Projekt. Vor meiner Höhner-Zeit war ich mit meiner damaligen Band „Monte Video“ jahrelang dort ganz hoch im Kurs. Holland ist aber insgesamt ein richtig gutes Testfeld, der musikalische Geschmack scheint mir da flexibler und auch anspruchsvoller zu sein als hierzulande.

Als zum Beispiel die niederländische Band „Shocking Blue“ dort Ende der 1960er Jahre den Song „Venus“ rausbrachte, sang man in Deutschland noch „Er hat ein knallrotes Gummiboot“. Ach, da wären wir dann mal wieder beim Schlager. . .