Bergbaudenkmal „Grube Adolf“: Impressionen der Schwerstarbeit unter Tage

Bergbaudenkmal „Grube Adolf“ : Impressionen der Schwerstarbeit unter Tage

Pünktlich um 11 Uhr konnte Franz-Josef Küppers, Vorsitzender des Bergbaudenkmals „Grube Adolf e.V.“ in Merkstein, den Besuchern Tür und Tor öffnen. Bereits wenige Minuten später hatten sich die meisten der Neuankömmlinge bereits im Maschinenraum längs der alten Fördermaschine versammelt.

Sebastian Sevenich legte im kleinen Führerhäuschen routiniert die Hebel um und hauchte dem historischen Monstrum postwendend neues Leben ein. Das große Förderrad begann seine Umdrehungen während Rolf Ferlin und Ewald Junger einen kurzweiligen Einstieg in die Geschichte der Grube gaben.

„Entdecken, was uns verbindet“ — unter diesem Motto beteiligte sich das Bergbaudenkmal Grube Adolf am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals 2018“. Neben der gewohnt familiären Atmosphäre auf dem weitläufigen Gelände samt eigenem Kiosk konnten die Vereinsverantwortlichen um Küppers ihren Besuchern den Zauber der längst vergangenen Bergbau-Ära in Merkstein mit allen Sinnen zugänglich machen.

Beeindruckende Sammlung

Vereinsmitglied Hartwig Graf von Hoym brachte buchstäblich Licht ins Dunkel: Seine beeindruckende Sammlung an Grubenlampen und -leuchtmitteln „flackerte“ an der hinteren Wand des Maschinenraums. Von relativ simplen Kerzenhaltern aus dem frühen 19. Jahrhundert bis hin zu ultramodernen LED-Strahlern mit langlebigen Akkus für den modernen Bergbau hatte von Hoym so ziemlich alles vor Ort, was den Bergleuten der vergangenen 200 Jahre ihren Weg unter Tage leuchtete.

Mulmiges Gefühl

Die teils offenen Flammen lösten sogleich auch ein unterschwellig mulmiges Gefühl aus — waren es doch Zündquellen wie diese, die bei verheerenden Bergbaukatastrophen auch in der Region eine gewichtige Rolle spielten. Der Sammler erläuterte, dass im Gestein eingeschlossene Erdgase wie Methan bei der Kohleförderung freigesetzt werden können. Schon ein einziger Funke genügt dann, um das explosive Sauerstoff-Methan-Gemisch zu entzünden.

Ein solches „Schlagwetter“ führte auch zum großen Grubenunglück in Alsdorf 1930. Neben der apokalyptischen Explosion sind es vor allem die Brandschwaden, die zum äußerst qualvollen Tod durch Ersticken führen.

Als besonderes Highlight präsentierte der Verein eine Bilderausstellung von Jean Vanloffelt aus dem benachbarten Steinkohlerevier in Genk. Gut zwanzig großformatige Fotodrucke in hoher Auflösung auf Leinwand zeigten unvergleichliche Impressionen aus der Welt der Bergmänner. Gedacht wird mit den Werken des Kempener Steinkohlebeckens in der Provinz Limburg. Ferner sollen Erinnerungen an die Gruben Zwartberg, Houthalen, Winterslag und Waterschei wach gehalten.

Besonders das Motiv „Staub“ zeugte in eindrucksvoller Weise von der Schwerstarbeit unter Tage: Das Bild zeigt in Großaufnahme zwei vor Kohlenstaub pechschwarze, malträtierte Hände, geöffnet um etwas anzunehmen. Vanloffelt hat die Bilder zusammen mit seinem Kollegen Xavier aus dem Internet, über private Bekanntschaften und aus Privatarchiven zusammengestellt.

Als die beindruckende Fördermaschine das letzte Mal an diesem Tag zum Stillstand kam, lag ein wahrlich ereignisreicher Tag hinter allen Beteiligten.

Es zeigte sich abermals: Das Bergbaudenkmal ist immer einen Besuch wert.

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