Nordkreis: Immer mehr Kinder im Nordkreis brauchen einen Kitaplatz

Nordkreis : Immer mehr Kinder im Nordkreis brauchen einen Kitaplatz

Immer mehr Kinder brauchen im Nordkreis einen Kindergartenplatz. Die Anmeldezahlen steigen in jeder der vier Kommunen von Jahr zu Jahr. Zusätzlichen Raum zu schaffen, gelingt den Städten. Alle offenen Stellen für Erzieherinnen zu besetzen, ist demgegenüber äußerst schwierig. Der Markt für Fachkräfte ist leer gefegt. Wer Erzieherin oder Erzieher ist, hat im Nordkreis freie Stellenwahl.

In Würselen hat sich die Zahl der Anmeldungen für einen Betreuungsplatz in den vergangenen vier Kita-Jahren sukzessive erhöht. 2015/2016 waren es 1189, im Jahr darauf 1208, wieder ein Jahr später 1245 und aktuell, zum Start des Kita-Jahres 2018/2019, sind 1299 Kinder in insgesamt 20 Kindertageseinrichtungen in der Stadt Würselen untergebracht. Pressesprecher Bernd Schaffrath: „Mit den etwa 200 vorhandenen Tagespflegeplätzen und der Fertigstellung eines Kita-Neubaus wird für das folgende Kita-Jahr 2019/2020 eine Bedarfsdeckung in der Stadt Würselen erwartet.“ Der Jugendhilfeausschuss in Würselen hat in der U3-Betreuung eine Zielquote von 40 Prozent für das laufende Kita-Jahr festgelegt. Aktuell liege die Stadt bei einer Quote von 43,3 Prozent, erklärt Schaffrath.

Der Stellenplan wird in Würselen erfüllt, die Besetzung sei gut. Lediglich eine „fluktuationsbedingte Stelle“ sei derzeit offen und müsse besetzt werden, erklärt Schaffrath. Die Stadt habe mit der Suche gerade erst begonnen. Damit herrscht in Würselen im Vergleich zu vielen anderen Kommunen eine fast schon luxuriöse Situation.

In Alsdorf ist die Tendenz bei den Anmeldungen ebenfalls steigend, sie liegt aktuell bei 1431. „Wir erleben zunehmend wieder die Drei-Kind-Familie“, sagt Ruth Classen, Fachberaterin für städtische Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege in Alsdorf. Das sei bis vor ein paar Jahren noch eher die Ausnahme gewesen. Auch steige die Zahl der jungen Familien, die nach Alsdorf ziehen. Die Neubaugebiete machten sich bemerkbar. Darin liege jedoch auch eine Schwierigkeit. „Die Planung ist grundsätzlich schon sehr präzise, aber die Zahl der Zuzüge ist nur schwer zu kalkulieren. Daher liegt die tatsächliche Zahl der Anmeldungen derzeit etwas über der erwarteten.“ Für unter Dreiährige gibt es in Alsdorfer Kitas 267 Plätze und noch einmal 150 Plätze in der Tagespflege. Mit einer Versorgungsquote von aktuell 35 Prozent werde die Landesvorgabe erfüllt.

Der Betreuungsschlüssel des Landes, der im Kinderbildungsgesetz (Kibiz) festgelegt ist, werde in Alsdorf gerade so erfüllt. In einzelnen Einrichtungen könne es schon einmal vorkommen, dass der Schlüssel nicht erfüllt wird, erklärt Classen. Dann würden entsprechende Gruppen vorübergehend geschlossen und Eltern, bei deren Kind der Betreuungsdruck nicht so groß sei, gebeten, ihr Kind zeitweise nicht zu bringen. Classen räumt ein, dass dies zu Lasten der Eltern gehe. Nicht zu reagieren und die Gruppen mit zu wenig Personal zu betreiben, sei aber keine Alternative.

Derzeit läuft in Alsdorf eine Ausschreibung für eine unbefristete 23-Stunden-Stelle. „Das Hauptproblem liegt bei den Vertretungen“, sagt Classen. Habe man bis vor einigen Jahren in einem ausreichend großen Pool an Personal noch ausreichend Vertretungen, etwa in Krankheitsfällen, finden können, so gestalte sich das im Moment sehr schwierig. „Der Fachkräftemangel greift in diesem Bereich um sich und ist sehr stark zu spüren.“

In Herzogenrath bewegen sich die Anmeldezahlen zurzeit und in den vergangenen Jahren im prognostizierten Bereich, erklärt Bernd Krott, Leiter des Jugendamts. „Da wir in jedem Jahr eine Kinderbetreuungsbedarfsplanung vornehmen, hat die Stadt immer einen guten Überblick über die Entwicklung der Bedarfsnachfrage und der voraussichtlichen Anmeldezahlen.“ Dabei helfe auch das im vergangenen Jahr eingerichtete Kita-Buchungsportal, mit dem Eltern ihren Bedarf an einem Platz online mitteilen können. Zusätzlich zu den aktuell 1525 in Herzogenrath betreuten Kindern kommen noch einmal 170, die im Rahmen der Tagespflege betreut werden. Die Nachfrage nach Kita-Plätzen sei nach wie vor hoch, dabei steige der Bedarf im Bereich U3 stärker, als bei den drei- bis sechsjährigen Kindern.

Der Jugendhilfeausschuss hat vor einigen Jahren in der U3-Betreuung selbst eine Quote von 50 Prozent für Herzogenrath festgelegt. Die werde derzeit mit 54,9 Prozent übererfüllt, weil sich die Nachfrage entsprechend nach oben entwickelt habe. „Es gibt im U3-Bereich noch eine geringe Warteliste, aber im Grunde genommen konnten wir alle U3-Kinder, deren Eltern einen dringenden Bedarf formuliert haben, bis zum 1. August mit einem Kita-Platz oder mit einem Platz bei einer Tagespflegeperson versorgen.“

Auch in Herzogenrath wird der Betreuungsschlüssel nach dem Kibiz erfüllt. Das müsse er auch, erklärt Krott, ansonsten müsse die Kommune das Landesjugendamt darüber in Kenntnis setzen. Damit werde die Betriebserlaubnis der betreffenden Einrichtung gefährdet.

In Baesweiler sind aktuell 1163 Kinder in 16 Einrichtungen und 33 Kinder in sieben Tagespflegestellen untergebracht, erklärt Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion. Die Zahl der Anmeldungen steige ebenfalls stetig. Das sei auf die neuen Baugebiete zurückzuführen, heißt es aus dem zuständigen Fachamt. 1046 Anmeldungen für das Kindergartenjahr 2013/2014 stehen 1163 Anmeldungen für 2018/2019 gegenüber — eine Steigerung um 117 Anmeldungen oder gut elf Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sind 57 Kinder hinzugekommen. Wegen des steigenden Bedarfs werden in vielen Kommunen neue Plätze geschaffen — entweder durch zusätzliche Gruppen oder neue Kitas. In Baesweiler etwa sollen bis Sommer 2019 circa 105 Plätze zusätzlich vorhanden sein. Im Familienzentrum „Kleine Forscher“ an der Ringstraße, das mittelfristig von vier auf acht Gruppen erweitert wird, kommen vorerst zwei Vorlaufgruppen hinzu, um den kurzfristigen Bedarf im nun laufenden Kita-Jahr zu decken. Im Neubaugebiet Baesweiler Süd-West wird bis Sommer 2019 die neue viergruppige Kita „Brüsseler Straße“ gebaut.

„Mit Blick auf die anhaltende Expansion“ sei man auch in Baesweiler noch auf der Suche nach weiteren Erzieherinnen, bestätigt Funken. Demnach sind 13 bislang unbesetzte Stellen ausgeschrieben. Der Betreuungsschlüssel werde jedoch eingehalten. Das Landesjugendamt gebe für die Betreuung eine Bandbreite — eine Mindestzahl von zwei Betreuerinnen pro Gruppe und ein Optimum von zweieinhalb pro Gruppe — an. In den Baesweiler Einrichtungen werde die Mindestzahl überall eingehalten. „Wir sind damit aber nicht zufrieden, weil wir gerne das Optimum erfüllen würden. Deshalb haben wir die Stellen auch ausgeschrieben, haben aber Probleme, sie zu besetzen“, erklärt Holger Benend vom Presseamt der Städteregion.

Neben der wachsenden Bevölkerung generell sei der immer höhere Bedarf an U3-Betreuung Grund für die steigende Nachfrage an Einrichtungsplätzen. Die Quote zur Betreuung der unter Dreijährigen ist in Baesweiler ebenfalls erfüllt. Der Nachfragequote von 42,52 Prozent steht eine Versorgungsquote von 45,35 Prozent gegenüber.

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