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Nordkreis: Imker helfen bei Wespen und Bienen

Nordkreis : Imker helfen bei Wespen und Bienen

Es hatte so harmlos angefangen. Hin und wieder steuerte eines dieser gelb-schwarzen Insekten gekonnt den Spalt zwischen Rolladen und Fensterrahmen an, verschwand kurz im Rollladenkasten, um dann wieder ins Freie zu entschwinden. „Nicht schlimm”, vermutete Mieterin Sandra Schönenborn anfangs, doch bald beschlich sie ein mulmiges Gefühl.

Die seltsame Flugroute gen Rollladenkasten erfreute sich offensichtlich immer größerer Beliebtheit, die Bienen oder Wespen oder was auch immer für Tiere hatten einen regelrechten Pendelbetrieb eingerichtet. Bei nächtlicher Stille drang leise ein geschäftiges Summen ins Innere des Badezimmers.

Sandra Schönenborn war ratlos. Was passiert da gerade im Rollladenkasten? Was sind das für Insekten? Bienen oder Wespen vielleicht? Und wer kann mir helfen, die friedlichen fliegenden Tierchen wieder los zu werden? Lüften mit offenem Fenster war schon seit Tagen unmöglich. Sie griff zum Telefon, wählte die Nummer der Feuerwehrwache.

Über die Wehr zum Imker

„Richtig entschieden”, sagt Philipp Elsässer, Imker aus Klinkheide und Vizevorsitzender des Bienenzuchtvereins Bardenberg-Alsdorf. Seine Zunft ist nämlich dann zur Stelle, wenn Wespen nisten und Bienen schwärmen und manch aufgeregter Anwohner der Hysterie nahe scheint. Die Feuerwehr hilft in solchen Fällen nicht mehr wie früher direkt, sondern hat zumeist Telefonnummern hilfsbereiter Imker parat, die vor Ort Abhilfe schaffen können.

„Ruhe bewahren und die Tiere erst einmal in Ruhe lassen”, rät Elsässer den Hautflügler-geplagten Zeitgenossen, die ein Wespennest in ungestörten Ecken am Haus oder einen Bienenschwarm in Mauerlöchern, unter dem Dach oder in Hohlräumen jedweder Art ausmachen. „Schwärmende Bienen sind absolut friedlich.”

Wie kann ein Insekten-Laie aber zwischen Bienen und Wespen unterscheiden? „Die Umweltbedingungen treiben die Tiere immer mehr in Menschennähe. Die Menschen wissen zugleich aber immer weniger über die Tiere”, klagt Elsässer, der zehn Bienenvölker mit in Spitzenzeiten bis zu 600.000 Tierchen sein eigen nennt.

Hummeln sind pummelig

„Wespen sind schlanker und hartnäckiger, beispielsweise wenn man sie vom Kuchen oder der Limo vertreiben will.” Bienen hingegen sind kompakter, runder, behaarter. Hornissen unverkennbar länger und größer und „selten geworden”, sagt Imker Elsässer, der sich pro Woche „zwei bis drei Stiche” seiner Bienen einhandelt. Und pummelige Hummeln, die ebenso wie ihre vorgenannten staatenbildenden Verwandten stechen können, erkennt auch heutzutage noch jedes Kind.

Bei Sandra Schönenborn waren jedenfalls Wespen im Rollladenkasten am Werk. Gestochen haben sie niemanden, auch nicht den von der Feuerwehr empfohlenen Imker, der sie schonend aufsaugte, um sie hiernach in freier Natur samt Königin in der Wabe wieder auszusetzen.

Wetter und natürliche Feinde

Noch ist nicht genau absehbar, in welchem Ausmaß gemeine oder sächsische Wespen, Honigbienen oder gehörnte Mauer- oder Blutbienen in diesem Jahr im Nordkreis auf Tour gehen und einigen Menschen allzu nah auf den Leib rücken werden, sagt Philipp Elsässer. So hängt die Entwicklung der Populationen ebenso vom Wetter wie auch dem Auftreten natürlicher Feinde ab. Noch gut erinnert sich Elsässer an die Milben, die im vergangenen Jahr vielen Bienenvölkchen arg zusetzten. „Genaueres wird der fortgeschrittene Sommer zeigen.”

Auf jeden Fall hat die Saison der gelb-schwarzen Flugkünstler bereits im Frühjahr begonnen, mittlerweile gehen bei den Feuerwehrwachen die ersten Hilferufe in Sachen Insekten ein. Damit das, was oft so harmlos anfängt, nicht zwangsweise durch einen Kämmerjäger endet.