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Herzogenrath: Imam Sargins Kraftakt hat ein Ende

Herzogenrath : Imam Sargins Kraftakt hat ein Ende

Die Koffer hat Ahmet Sargin bereits gepackt. Für den 49-Jährigen geht es in wenigen Tagen zurück in die Heimat, zurück in die Türkei. Nach fünf Jahren verlässt der Imam („Vorbeter”) die Emir Sultan Moschee am Boscheler Berg, seine Zeit in Merkstein ist vorbei. So sieht es der Vertrag mit dem türkischen Generalkonsulat in Köln vor.

Für jeweils fünf Jahre reisen Vorbeter aus der Türkei in islamische Gemeinden in Deutschland, rund 500 sind derzeit hierzulande tätig. Mit dem besonderen Auftrag, den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu fördern.

Für Ahmet Sargin stets eine Herzensangelegenheit, auch in einer besonders schwierigen Zeit. In der Terrorakte aus mutmaßlich islamistischer Motivation seinen Glauben in ein völlig falsches Licht rücken. „Der Islam ist eine friedliche Religion” - diesen Grundsatz betont Sargin nicht erst seitdem immer wieder. „Unser Glaube predigt die Toleranz.”

„Anstrengende Zeit”

In vielen Dialog-Abenden setzte er sich für ein Miteinander der Religionen ein. Das war die kleine Aufgabe. Die andere war ein ungleich größerer Kraftakt, denn Sargin kam zu einer Zeit in die Gemeinde, als von der Moschee noch nicht viel mehr als ein paar Mauern standen.

Zwei Millionen Euro flossen in den Bau, mehr als 150 Termine nahm der Vorbeter wahr, um Spenden dafür zu sammeln, Feste zu organisieren, deren Erlös der Moschee zugute kam. „Ich hatte also wenig Zeit, Deutsch zu lernen”, scherzt Sargin auf Türkisch und lässt den Satz übersetzen.

„Eine anstrengende Zeit”

Auch zum Reisen blieb ihm nicht viel Zeit, über die Grenzen Nordrhein-Westfalens kam er in den fünf Jahren nicht hinaus. „Es war eine anstrengende Zeit”, resümiert er, „aber sie hat mir viel gegeben und auch Spaß gemacht.” Nach seiner Rückkehr wird Sargin in der „Zentralstelle für religiöse Angelegenheiten” in Ankara tätig sein.

Seine Frau und seine Tochter werden für ein weiteres Jahr in Deutschland bleiben, damit das Mädchen sein Abitur machen kann. An eine berufliche Rückkehr in die Bundesrepublik denkt Ahmet Sargin nicht. „Wenn ich noch einmal komme, dann nur als Tourist.”

Festlicher Abschied

Beim festlichen Abschied in der Moschee dankte ihm Herzogenraths Bürgermeister Gerd Zimmermann für das Erreichte. „Die Moschee strahlt weit über unsere Stadtgrenzen hinaus, hier ist ein besonderer Ort der Begegnung der Religionen entstanden.” Nachfolger von Ahmet Sargin ist Ahmet Üzeyer Baltolioglu, der in zwei Monaten seine Arbeit in der Moschee beginnt.