Würselen: „Im Unterwegs zuhaus“ zeigt Holzschnitte des Künstlers Willi Dirx

Würselen : „Im Unterwegs zuhaus“ zeigt Holzschnitte des Künstlers Willi Dirx

Die 145. Veranstaltung von „Pius am Mittwoch“ im Pfarrheim St. Pius X. an der Ahornstraße war eine ganz besondere: ausnahmsweise stand einmal nicht die Musik im Mittelpunkt des Abends, sondern die Holzschnittkunst.

Pfarrer Heinz-Josef Lambertz, bis 2010 in der Pfarrei St. Sebastian tätig, präsentierte und besprach Holzschnitte des im Jahr 2002 verstorbenen Künstlers Willi Dirx. Im zweiten Teil des Abends zeigte Maria Delhey-Hodiamont an einer alten Druckpresse anschaulich, wie Druckstöcke geschnitten und Holzschnitte „in der Theorie“ gedruckt werden. Gedruckt werden konnte an diesem Abend tatsächlich leider nicht — im Raum Aachen war trotz intensiver Bemühungen des „Pius am Mittwoch“-Teams keine Rohfarbe für die Druckpresse zu bekommen. Bei der schweren Druckpresse handelt es sich übrigens um eine Leihgabe der „Peter Paul Jacob Hodiamont-Stiftung, Baelen“.

Hans-Günter Leuchter vom Organisationsteam „Pius am Mittwoch“ hieß den in Aachen-Walheim beheimateten Pfarrer Heinz-Josef Lambertz und Maria Delhey-Hodiamont herzlich willkommen. In sehr persönlichen Worten warf Heinz-Josef Lambertz einen Blick auf das Lebenswerk des im Jahr 1917 in Recklinghausen geborenen Willi Dirx. Aus seinem privaten Fundus mitgebracht hatte Heinz-Josef Lambertz rund 20 Holzschnitte sowie eine Vielzahl weiterer Drucke. Einige der sehr ausdrucksstarken Blätter aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts sind vom Künstler selbst signiert.

Mit dem Künstler verbindet Pfarrer Lambertz eine jahrzehntelange Freundschaft. „Kennengelernt habe ich Willi Dirx in den Jahren 1978/1979“. Oft war Lambertz zu Besuch bei Willi Dirx und seiner Frau Ruth in Wuppertal. „Es war immer schön bei Familie Dirx zu Gast zu sein“. Er erinnert sich an viele Begegnungen und intensive Gespräche.

Einblick in Denkweise des Künstlers

Anlässlich des 70. Geburtstages von Willi Dirx veröffentlichte Heinz-Josef Lambertz im Jahr 1987 ein kleines Büchlein mit den zahlreichen Holzschnitten von Dirx und dazu von ihm selbst verfasste Texte — eine lesenswerte Schrift, die auch über 31 Jahre später nichts an Aktualität verloren hat.

Die Ausstellung „Im Unterwegs zuhaus“ zeigt das Welt- und Selbstverständnis des Menschen und Künstlers Willi Dirx. Die Holz- und Linolschnitte von Willi Dirx sind geprägt von seiner Grundhaltung, unterstreicht Lambertz: „Unterwegs sein: immer wieder neue Eindrücke aufnehmen, wechselnde Bilder und Erfahrungen verarbeiten, sich nirgendwo endgültig einrichten, es sich nicht immer bequem machen wollen“. Und doch dabei zu Hause sein: „In sich ruhend und frei von Angst in jeder Begegnung, leben in der Geborgenheit und in der Gewissheit, dass man eine Aufgabe zu erfüllen hat, dass es Sinn und immer Rettung gibt.“

Geboren in den Wirren des Ersten Weltkrieges 1917, waren seine Kinder- und Jugendjahre stark geprägt von der wirtschaftlichen und sozialen Situation des Ruhrgebiets. Bleibende Eindrücke vermittelt die erste Begegnung mit der zeitgenössischen Grafik der Zeitschrift der Deutschen Buchgemeinschaft. Die Begegnung mit Otto Pankok im Jahr 1938 war für ihn prägend. Heinz-Josef Lambertz: „Willi Dirx beginnt zu zeichnen, mit 15 macht er die ersten Holzschnitte, zunächst fast ausschließlich Köpfe“. Sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf muss er in den Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges unterbrechen. Er verweigert sich so weit es geht, die Kriegsjahre prägen sein weiteres Wirken. Das Elend des Krieges drängt sich auf: Flüchtlingstrecks, Hunger, Tod und das Leid der vielen Verfolgten thematisiert er in seinen Werken.

Nach dem Krieg stehen auch Hintergrundmalerei und Zeichnungen im Vordergrund seines Schaffens. Wichtiger Gesprächspartner und Wegbegleiter war nach dem Krieg auch Heinrich Böll. In Wuppertal entsteht ein großes Relief, er beschäftigt sich mehr und mehr mit Kirchenraumgestaltung, entwirft Glasfenster und Kreuzwege, Altäre, Tabernakel und Bronzeportale. Dennoch blieb Zeit seines Lebens besonders der Holzschnitt sein Metier.

(ro)