Würselen: Im renovierten Haus „Kaisersruh“ trifft alter Glanz auf modernes Design

Würselen : Im renovierten Haus „Kaisersruh“ trifft alter Glanz auf modernes Design

Man darf dem neuen Hausherrn den berechtigten Stolz auf das Geschaffte respektive mit viel Idealismus und Arbeit für die nächsten Generationen Geschaffene durchaus ansehen: Denn daran hätte garantiert auch der Kanonikus und einstige Bauherr Ludwig von Fisenne seine größte Freude.

Wo an der Bundesstraße 57 bis vor kurzem noch schwere Balken marode Mauern stützten, damit sie nicht endgültig zusammenfallen, prangt jetzt wieder ein prächtiges Bauwerk: Kaisersruh samt seinem Säulenportikus ist wie Phönix aus der Asche erstanden. Und steht heute für die gelungene Melange aus einer klassizistischen Außenhaut mit goldenen Stuckelementen und einem hochmodernen — durchaus designverliebten Interieur.

Ein futuristisch anmutender Zwischenbau, dessen Putzfassade in der Sonne in goldener Extravaganz erstrahlt, verbindet jetzt das dreigeschossige Herren- mit dem zweigeschossigen neobarocken Kutscherhaus. Ursprünglich hatten die neuen Pläne eine Verbindung aus goldschimmerndem Glas vorgesehen, „aber das wäre dann doch zu aufgesetzt gewesen“, sagt Investor Franko Neumetzler und betont: „Alles muss stimmig sein, wir wollten nichts frickeln, sondern einen klaren Cut zwischen Alt und Neu machen.“ Keine pompösen Schnörkel also, sondern klare Stilelemente, epochenübergreifend.

Standesgemäß aber darf es sein für ein Anwesen, das einst dem russischen Zaren gewidmet wurde: So wird der Besucher, wenn er an den dorischen Säulen des Haupteingangs vorbeigegangen ist, von einem großzügigen Foyer empfangen, das den Blick über den hellen Boden in Marmoroptik hinweg — es handelt sich um ebenso wertige wie strapazierfähige Kunststeinplatten mit spiegelbarer Maserung — auf die Treppe zur Beletage freigibt, in die jetzt das Family Office Fastrada eingezogen ist.

Kein repräsentatives Treppenhaus ohne Lüster: Im neuen Kaisersruh ist es eine moderne Sonderanfertigung aus filigranen schwarzen Metallgliedern mit schlichten LED-Fassungen, in leichter Transparenz und dennoch großartig. „Licht ist eben unsere Spezialität“, sagt Neumetzler, der 1979 die Leuchtenfirma SLV in Übach-Palenberg gründete und Mitte 2007 an den europäischen Finanzinvestor HgCapital veräußerte. So korrespondiert selbstverständlich auch die Wandbeleuchtung in dem emporenartigen Rund mit dem Leuchter über der zweigeteilten Treppe.

Im wohl repräsentativsten der Büros auf der Beletage schimmern imposante Pendelleuchten italienischer Provenienz. Design-Klassiker — Stichworte unter anderem Bauhaus, Wiener Werkstätte, E15 — prägen die Raumausstattung unter anderem auch in Besprechungsraum und Besucherlounge. Ein besonderer Clou: mittels Chip auf einen Schlag verschließbare Einbauschränke. Und moderne Verspieltheiten gibt es ebenfalls, etwa LED-beleuchtete Toilettenrollenhalter in den Hochglanz-WC-Bereichen.

Neumetzler zeigt auf den Putz in Treppenhaus und Halle, der eine feine wellenförmige Maserung aufweist: „Besentechnik“, erklärt er. „Kann heute kaum noch einer.“

Ein Hauch von Fernost zieht sich durch die Räume, auch in Form von zeitgenössischer chinesischer Kunst, die sich durch verbrämte Gesellschaftskritik auszeichnet. Unter anderem grüßt Mao Zedong über den sonnig gelben Hoffmann-Kubus-Fauteuils im Besucherbereich des Entrees. Reminiszenz an Zeiten der Leuchtenproduktion, vornehmlich in Taiwan und China, wie Neumetzler darlegt. Und wohin ihn deswegen zahlreiche Reisen führten.

So hat sich das einst herrschaftliche Wohnhaus derer von Fisenne in eine moderne Büroadresse gewandelt, die sich durch hohe Standards auszeichnet. Erste Mieter sind bereits in den funktionalen Zwischenbau eingezogen, während der Investor für die zweite Etage des Haupthauses noch mit der Auswahl des direkten Nachbarn beschäftigt ist. Interessenten gebe es viele, so Franko Neumetzler, doch wer letztlich einzieht, soll schon passen — zu Kaisersruh und zur Design-Offensive von „family and friends“.