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Ihr Motto: Druck im Sinne der Kinder

Ihr Motto: Druck im Sinne der Kinder

Alsdorf (an-o/ssc) - Mit den eigenen Sprößlingen wuchsen die Ansprüche: Seit zehn Jahren macht sich die Elterninitiative "K.I.N.D." für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen stark. Im eigenen Stadtteilladen laufen Angebote bei stetig steigender Nachfrage.

Die Räume im Haus an der Marienstraße 21 machten die ehrenamtlich engagierten Mitglieder im Jahr 2000 flott. Es war die vorläufig letzte Station eines couragierten Weges. Begonnen hat er 1993, damals sahen sich mehrere Wardener Eltern mit der unerfreulichen Tatsache konfrontiert, dass ihre Kinder wohl nicht in den Genuss eines Kindergartenplatzes kommen werden.

Nur knapp 75 Prozent betrug damals die städtische Versorgungsquote. "Ein Unding", sagt "K.I.N.D."-Vorsitzende Beatrix Schongen, und noch heute spürt man dabei ein wenig ihre damalige Empörung. Obwohl sich längst einiges zum Positiven geändert hat, nicht wenig davon auf Bestreben der Initiative. 25 zornige Eltern zogen 1993 ins Rathaus und machten dort Druck. Resultat: Der lang projektierte dreigruppige Wardener Kindergarten wurde zwei Jahre später endlich gebaut.

Ziel erreicht - besser: Etappenziel. "Uns wurde oft vorgeworfen", meint Beatrix Schongen, "dass wir nur unseren eigenen Nachwuchs unterbringen wollten. Das stimmt nicht." Denn der mittlerweile eingetragene Verein machte weiter. Als nächstes wollte man den ehemaligen Hof Breuer in Hoengen - heute die Kindertagesstätte "Biberburg" - unter eigener Trägerschaft zur Kita ausbauen. Das scheiterte, stattdessen wurde die Stadt aktiv. Beatrix Schongen: "Auch gut, solange es den Kindern nur nützt."

Ort für Lernhilfe

In der Zwischenzeit bot sie, selbst Lehrerin an der Baesweiler Hauptschule, mit weiteren engagierten Pädagoginnen von "K.I.N.D." Lernhilfetreffs wechselnd in Schulen an. Speziell für Schüler mit Dyskalkulie, Legasthenie (Rechen-/Schreibschwäche) und Konzentrationsmängel. Was fehlte war ein zentraler Ort für das Angebot. Der wurde im Haus neben der heutigen Marien-Realschule gefunden. Mit Landesmitteln, Spenden und viel Ehrenamt wurden die drei Räume im Erdgeschoss hergerichtet. Im vorderen läuft heute das Internetcafé, das auch Senioren ins Netz bringt. Daneben weiterhin der Lernhilfetreff, Hausaufgabenbetreuung, Computerkurse und eine Kleinkindgruppe.

Die Knirpse dürfen jetzt sogar im Freien toben, diese Möglichkeit schenkte sich der Verein zum Zehnjährigen. Mit Mitteln aus der Lokalen Agenda 21 - rund 2300 Euro - und Eigenkapital wurde der 400 Quadratmeter große Acker hinterm Haus zur Wiese umgepflügt und mit Sandkasten, Spielhaus und Rutsche zusätzlich attraktiviert.

Wichtige Zivilcourage

Dort stieg auch die Zehn-Jahres-Feier. "Ihr Verein ist immer dort, wo der Schuh drückt", würdigte Bürgermeister Wolfgang Schwake, "wichtige Zivilcourage". Die wird weitergehen. Aktuell setzt der Verein sich für den Ausbau des Hauses an der Querstraße ein. Dort, wo kein Karnevalsmuseum sein wird, sollen Vereine von Taubenzüchtern bis Karnevalisten eine Heimat finden und gemeinsam mit "K.I.N.D." wertvolle Stadtteilarbeit leisten. Der Weg geht weiter, auch, wenn die eigenen Kinder bald schon erwachsen sind.