Sorgenkind St. Johannes: Ideen zur alternativen Kirchennutzung

Sorgenkind St. Johannes : Ideen zur alternativen Kirchennutzung

Wenn eine Kirche aufgegeben werden muss, regen sich viele Fragen. Was wird aus dem einst sakralen Raum? Bleibt er der Gemeinde erhalten? Muss die Kirche wirklich aufgegeben werden? Im Falle der Kirche St. Johannes in Merkstein ist der Fall klar, sagt Pfarrer Heinz Intrau: „Diese Kirche ist unser Sorgenkind!“

Aufgrund baulicher Mängel hat sich die Pfarrei St. Willibrord entschieden, im Zuge des Kirchlichen-Immobilien-Management-Prozesses (kurz KIM-Prozess) über alternative Verwendungen der maroden und dadurch kostspieligen Kirche nachzudenken.

Der KIM-Prozess trug den Pfarreien auf, über eine Umstrukturierung von 33 Prozent ihres Gebäudebestandes nachzudenken. „Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Zeit kommen wird, in der Merkstein eine Kirche aufgeben muss“, erklärte Intrau. „Noch ist das aber nicht der Fall!“, beruhigte er und betonte, im Moment würden noch ganz regulär Messen, Taufen und andere Feste im Gotteshaus gefeiert.

Von der geplanten Umstrukturierung erfuhr auch Dr.-Ing. Caroline Helmenstein vom Lehrstuhl für Architekturgeschichte der Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Sie trat vor rund einem Jahr an Intrau heran, um ihm eine Projektidee vorzustellen. Gemeinsam mit 15 Architekturstudierenden wollte sie Konzeptideen für eine zukünftige Nutzung der Kirche erarbeiten. Interessiert war Helmenstein auch aufgrund des bemerkenswerten Kirchenbaus durch den Architekten Emil Steffann. „Steffann ist einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister des 20. Jahrhunderts im Rheinland“, erläuterte Helmenstein.

Innerhalb von zwei Semestern erarbeiteten die Studenten ganz unterschiedliche Nutzungsideen. Dabei war ihnen wichtig, die grundlegenden Architekturvorgaben des Erbauers zu achten und Konzepte zu erarbeiten, die für die ländliche Lage der Kirche sinnvoll sind. Die Studierenden entschieden sich sowohl für kirchennahe als auch kommerzielle Konzepte. Von einem Dorfhaus, das als Markthalle und Feiermöglichkeit genutzt werden könnte, über eine Fahrradkirche für durchreisende Zweiradtouristen und einer Tagespflegestätte für Senioren bis zur Eventgastronomie ist nahezu alles dabei.

Die Großzahl der Ideen sieht jedoch den Fortbestand einer kleinen Kapelle oder zumindest eines Raums der Stille vor. Studentin Eva Simons entschied sich für die „Merksteiner Tafel“ — eine Essensmöglichkeit für Bedürftige samt Multifunktionsraum für Bürgerinnen und Bürger. „Ich komme aus der Gemeinde, habe dadurch Bezug zu der Kirche und möchte, dass zukünftig ein Raum für alle entsteht“, erklärte Simons ihre Gedanken zu dem Projekt.

Pfarrer Intrau freute sich indes über all die kreativen Ideen. Auch wenn er die Kirche gerne halten würde, sieht er die Notwendigkeit einer Umstrukturierung. Er kommentierte mit einem Lächeln: „Leben ist nun einmal Veränderung!“

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