Würselen: HPV-Impfung - ja oder nein?

Würselen: HPV-Impfung - ja oder nein?

Es klingt wie ein Durchbruch: Humane Papillomaviren (HPV), Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, können besiegt werden. Wissenschaftler, so impliziert die Werbung eines Pharmakonzerns, hätten einen Impfstoff gegen Krebs entwickelt. Ganz so einfach ist es aber nicht.

„Es ist eine Impfung gegen Vorstufen des Krebs, gegen zwei Viren, die Veränderungen am Muttermund hervorrufen können”, erklärt Barbara Bohnen-Boehm von Pro Familia Aachen. Das hört sich immer noch nach einer guten Sache an. Doch es gibt hunderte HP-Viren, bei 13 wurde eine krebserzeugende Wirkung festgestellt.

In der Reihe „Frauenspezifische Gesundheitsvorsorge”, veranstaltet von der Paritätischen, der Gleichstellungsstelle der Stadt Würselen und der Volkshochschule (VHS) Nordkreis Aachen, moderiert von AZ/AN-Redakteurin Jutta Geese, diskutierten Interessierte mit Ärztinnen die Frage: „HPV-Impfung - ja oder nein?”

Seit drei Jahren wird der Impfstoff für Zwölf- bis 17-jährige Mädchen empfohlen. Weltweit ist das Mittel in Massen gespritzt worden, allein in Deutschland waren es bisher 500.000 Impfungen, was etwa der Hälfte der Zielgruppe entspricht.

Doch inwieweit die Relation zwischen Schaden und Nutzen ausgewogen ist oder der Nutzen den Schaden überwiegt, ist (noch) nicht bekannt.

Wissenschaftliche Studien zur Erforschung des Impfstoffs sind mit Probanden aus Entwicklungsländern wie Südamerika, Afrika oder Asien vorgenommen worden. 15000 Frauen waren es zu Beginn der Erprobung. „Doch man stellte mit der Zeit fest, dass ein Drittel dieser Frauen bereits mit HPV infiziert war”, sagt Dr. Angela Spelsberg, Leiterin des Tumorzentrums Aachen. „Bei weiteren 5000 Frauen ist während der Studie eine Krebsinfektion aufgetreten.” Darum wurden diese beiden Gruppen aus der Wirkungsanalyse herausgenommen.

Somit blieben 5000 Probanden für die Statistik übrig, an denen nun die Wirkung des Mdikaments festgemacht wird, legt Spelsberg das Problem dar. Zudem sei die Testphase zu kurz. Der gravierendste Unterschied sei aber, dass der Impfstoff an Frauen im Alter zwischen 18 und 25 getestet worden sei, nun aber bei Mädchen von zwölf bis 17 Jahren eingesetzt werde. „Das ist quasi ein Versuch an Menschen”, sagt Barbara Bohnen-Boehm.

Die Studien laufen seit sechs Jahren. Der Schutzeffekt zur Verhinderung der Vorstufen liegt bei 70 Prozent gegenüber Nicht-Geimpften. „Im Grunde genommen ist es ein Impfstoff, den wir so dringend gar nicht gebraucht hätten”, meint Angelika Spelsberg. Denn es gebe eine gute Alternative: Den Abstrich bei der Vorsorgeuntersuchung bei der Gynäkologin.

Allerdings, so räumt Dr. Elisabeth Dahm, Frauenärztin aus Würselen, ein, ermögliche dieser so genannte Papp-Abstrich lediglich eine 50-prozentige Erkennungsrate von HP-Viren. Jedoch gebe es einen weiteren medizinischen Abstrich, bei dem getestet wird, ob HP-Viren am Muttermund vorhanden sind. „Eine Kombination aus beiden ärztlichen Vorgängen würde eine Sicherheit von 99 Prozent bieten”, sagt Dahm.

Problematisch sei allerdings, dass diese weitere Maßnahme nicht von den Krankenkassen übernommen wird. „Dabei ist eine solche zusätzliche Untersuchung nur alle drei bis fünf Jahre nötig”, fährt Elisabeth Dahm fort. Somit sei es die wesentlich sicherere und mit 50 Euro auch die kostengünstigere Methode im Vergleich zur HPV-Impfung, die etwa 500 Euro lägen.

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