Alsdorf: Horst-Dieter Heidenreich: „Der Strukturwandel bringt auch neue Arbeitsplätze“

Alsdorf : Horst-Dieter Heidenreich: „Der Strukturwandel bringt auch neue Arbeitsplätze“

Er ist der dienstälteste grüne Mandatsträger in der Städteregion: Horst-Dieter Heidenreich, Grünen-Fraktionschef in Alsdorf. Am Wochenende ist er auf seinem E-Roller die V.E.R.A.-Elektrotour mitgefahren. Beatrix Oprée sprach mit ihm zum Thema Energiewende.

Wie war’s denn am Samstag?

Heidenreich: Die Tour hat Spaß gemacht, und bei den angefahrenen Stationen gab es viel Neues zu entdecken, etwa bei ATESTEO und ATC, wo jetzt ja durchaus auch E-Fahrzeuge getestet werden. Das war schon sehr interessant.

Sie selbst waren ja mit einem E-Roller unterwegs. Als einziger?

Heidenreich: Ja, der andere angemeldete Rollerfahrer ist anscheinend nicht gekommen.

Konnten Sie bei der Rallye mit den anderen Fahrzeugen mithalten?

Heidenreich: Ja, das war kein Problem. Ich habe einen Roller der 125-er Klasse, der bis 85 km/h schnell fahren kann. Das reicht für die Landstraße aus.

Seit wann fahren Sie E-Roller?

Heidenreich: Meinen jetzigen habe ich 2014 gebraucht gekauft, von jemand, der auch mit Solartechnik handelte. Die Akkus basieren auf Lithium-Ionen-Technik. Die Reichweite betrug ursprünglich ungefähr 75 Kilometer und jetzt, nach rund 10.000 gefahrenen Kilometern noch gut 65 Kilometer — bei normaler Fahrweise. Das ist hier in der Region und für meine Ansprüche durchaus zufriedenstellend. Den ersten E-Roller hatte ich schon 2007. Der hatte damals noch vier dicke Blei-Gel-Akkus, die nur rund zwei Jahre hielten und eine Reichweite von maximal 40 Kilometer ermöglichten. Da hat sich also schon viel getan.

Und die Ladezeit?

Heidenreich: Beim jetzigen Roller sind die Akkus nach drei bis vier Stunden etwa zu 80 Prozent geladen, voll sind sie nach sieben Stunden. Wenn ich abends nach Hause komme und den Roller im Wintergarten abstelle, schließe ich ihn an die Steckdose an, damit er morgens wieder voll ist. Autos haben die Möglichkeit, mit Starkstrom schnell zu laden, dass hat mein Roller leider nicht.

Besitzen Sie auch noch ein Auto?

Heidenreich: Ja, meist fahre ich zwar mit der Bahn nach Düsseldorf, doch wenn Termine eingehalten werden müssen, greife ich aufs Auto zurück.

Das ist aber noch kein E-Auto?

Heidenreich: Nein, aber ich liebäugle schon länger mit der Anschaffung eines solchen Wagens. Noch beobachte ich die Entwicklung. Der eGo aus Aachen wäre da sicherlich spannend. Wenn der demnächst in Serienproduktion geht, ist das für die Region auch in punkto Arbeitsplätze eine tolle Sache. In meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die zu den ersten Vorbestellern des eGo gehören. Deren Erfahrungen interessieren mich dann natürlich sehr.

Betrachten wir noch einmal das Thema Akku: Die Umweltbilanz bei deren Herstellung ist ja auch nicht gerade gut, sagen Kritiker …

Heidenreich: Dazu gibt es unterschiedliche Erkenntnisse. Und eben auch Studien, dass die Ökobilanz besser ist, als manche behaupten. Klar ist natürlich, dass die Bilanz umso günstiger ausfällt, je sauberer der genutzte Strom ist. Deswegen bin ich seinerzeit, als ich den Roller anschaffte, zu einem Anbieter gewechselt, der ausschließlich Ökostrom liefert. Denn einen E-Roller zu fahren mit Strom aus Braunkohle, das kann es natürlich nicht sein. Natürlich werden die Steckdosen aus einem großen Stromsee gespeist. Aber je mehr Leute zu Ökoanbietern wechseln, umso grüner wird der Stromsee.

Woher also soll der Strom für die vielen vielen wünschenswerten E-Autos kommen?

Heidenreich: Ich bin der festen Überzeugung, dass der Bedarf in absehbarer Zeit mit Ökostrom gedeckt werden kann. Es gibt Fortschritte bei der Speichertechnik, das hat uns schon einen großen Schritt weitergebracht. Wichtig ist, dass der Strukturwandel so gestaltet wird, dass man die Leute mitnimmt, die heute Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Ich sehe aber auch viele neue Arbeitsplätze durch die Energiewende. Wenn alle an einem Strang ziehen, wird es ähnlich wie in der Steinkohle möglich werden, geordnet aus der Braunkohle auszusteigen. Denn wir können es uns aus Klimaschutzgründen einfach nicht leisten, noch jahrzehntelang CO2 aus Braunkohlekraftwerken in die Luft zu pusten.

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation im Hambacher Forst ein?

Heidenreich: Ich würde mir wünschen, dass bei allen Beteiligten, also auch bei RWE, so viel Vernunft herrscht, jetzt erst mal die Kohlekommission in Berlin ihre Arbeit erledigen zu lassen, bevor man weitere Schritte einleitet und damit Fakten schafft. Wie gesagt, wir können eben nicht noch jahrzehntelang wegen der Braunkohle die heimatliche Landschaft umpflügen und dem Klima schaden. Ich appelliere da an die Vernunft.

Was für alle Seiten gelten muss —am Samstag gab es aber wieder gewaltsame Vorkommnisse im Hambacher Forst. Was halten Sie von solchen Aktionen?

Heidenreich: Solche Angriffe auf die Polizei sind — bei allem Verständnis für die Wut der Braunkohlegegner — grundsätzlich abzulehnen. Jeder muss sein Scherflein dazu beitragen, um eine vernünftige Lösung zu finden. Gewalt — hüben wie drüben — kann dabei kein Weg sein. Aber es gibt ja auch viele Vernünftige, die besonnen handeln und trotzdem Kante gegen die Braunkohle zeigen, der BUND etwa oder viele Anwohner.