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Herzogenrath: Hinter den Kulissen des Grenzlandtheaters

Herzogenrath : Hinter den Kulissen des Grenzlandtheaters

Ein Auftritt der besonderen Art: Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Merkstein erlebten das Grenzlandtheater des Kreises Aachen hinter den Kulissen.

Im Foyer wurde die Gruppe von der gesamten Theaterspitze empfangen: Intendant Manfred Langner, Geschäftsführer Franz Hermanns, Ausstattungsleiter und Bühnenbildner Charles Copenhaver, der Technische Leiter Stephan Josephs, die Dramaturgin Martina Kullmann und Dr. Walter Fricke, Vorsitzender des Fördervereins, boten neunzig Minuten lang Theater zum Anfassen, eine Fülle von Hintergrundinformationen und verstanden es, den Funken der Begeisterung für ihre Arbeit überspringen zu lassen.

Im intimen Halbrund des Theatersaals führte Manfred Langner in Geschichte und Arbeitsweise des Hauses ein. 1950 als Zimmertheater gegründet, bezog das Grenzlandtheater 1997 die umgebauten Räume in der Elisengalerie. Mit 24 festen Mitarbeitern und einem großen Kreis von Ensemble-Künstlern bestreitet man 340 (!) Aufführungen im Jahr, im Mutterhaus sowie in allen Städten des Kreises Aachen und über die Kreisgrenzen hinaus.

Bei einem Jahresbudget von 1,8 Millionen Euro und einer Platzauslastung von 98 Prozent - für Abonnements gibt es lange Wartelisten - spielt das Haus 56 Prozent über Eigenmittel ein. Zum Vergleich: Im Durchschnitt schaffen öffentliche Bühnen gerade mal 16 Prozent.

So überzeugte denn auch Walter Fricke die Besucher: „Der Kreis Aachen als Träger kann stolz sein auf sein Grenzlandtheater.” Und schob die Erklärung für das Erfolgsrezept gleich nach: „Hier stimmt die wirtschaftliche Solidität.” Vor allem aber habe die Theaterleitung ein sicheres Gefühl für die richtige Mischung. Gespielt werde „für die Menschen, nicht zur abgehobenen Selbstbefriedigung.”

Logistische Leistung

Nicht schlecht staunten die Gäste über die raffinierte Bühnentechnik. Mit Licht- und Toneffekten und zwei Video-Beamern werden die wechselnden Bühnenbilder gezaubert und die mangelnde Tiefe ausgeglichen - die perfekte Illusion, von Charles Copenhaver am Computer entwickelt.

Das gesamte technische Equipment geht mit auf Tournee, auch dies eine logistische Leistung. Bietet schon die Bühne nicht viel Platz, so wird es hinter den Kulissen richtig eng. Über schmale Treppen und Gänge zwängten sich die Besucher auf die Rampe über dem Zuschauerraum, wo Stephan Josephs die komplizierte Ablufttechnik erklärte, die sich durch die gesamte Elisengalerie zieht und mit deren Abwärme die Tiefgarage beheizt wird.

Fasziniert stand man schließlich in der Maske und den Garderoben. Auf kleinstem Raum müssen die Künstler zurecht kommen. „Wir hatten keinen Zentimeter Platz zu verschenken”, hieß es. Alles ist funktional, die Kostüme der aktuellen Aufführung an Kleiderhaken im Treppenhaus aufgehängt. Dabei gibt es keinen Raum hinter der Bühne. Bei Szenenwechsel heißt es: Treppe rauf, durch den schmalen Gang, Treppe runter. Und der Wechsel bei den Auftritten muss oft wahnsinnig schnell gehen, wie zum Beispiel in der gerade Furore machenden Revue „Das gibts nur einmal”.

Die AWO-Mitglieder waren begeistert von dieser lebendigen Präsentation und besorgten sich flugs noch Eintrittskarten für die Aufführung am 20. Januar in der Merksteiner Gesamtschule.