Alsdorf: „Heute bei dir“: Bischof Helmut Dieser bat zu Tisch und hörte zu

Alsdorf : „Heute bei dir“: Bischof Helmut Dieser bat zu Tisch und hörte zu

Helmut Dieser, Bischof von Aachen, hat zu Tisch gebeten — im Rahmen seiner Aktion „Heute bei dir“. 140 Menschen aus der gesamten Städteregion ließen sich das nicht zweimal sagen und kamen nach Alsdorf ins Energeticon, um dort mit dem ranghohen Kirchenmann zu Abend zu essen und zu sprechen.

Zehn Minuten für jeden Tisch — die Veranstalter um Bistums-Pressesprecher Stefan Wieland achteten sorgfältig darauf, dass die Aufmerksamkeit des Gastgebers gerecht auf alle Tische verteilt wurde. Dabei machte sich der Bischof nicht allein auf den Weg von Essenstafel zu Essenstafel: Mit Weihbischof Dr. Johannes Bündgens und Pfarrer Torsten Karl Aymanns standen zwei weitere wichtige Mitarbeiter an anderen Tischen zum Gespräch bereit.

Mitarbeiterinnen des Generalvikariats, der Verwaltungszentrale des Bistums, saßen mit dabei und notierten, was immer aufs Tapet kam. Denn mit den Gespräch im Energeticon und anderenorts (weitere „Heute bei dir“-Veranstaltungen haben unter anderem im Aachener Pius-Gymnasium und in Viersen stattgefunden) soll noch nicht alles vorbei sein. „Wir nehmen das mit; wir werten das aus“, versprach Sprecher Wieland schon bei der Eröffnung.

Umrahmt von Franz Brandt und Johannes Flamm, die mit Keyboard und Saxophonen für jazzige Klänge sorgten, nahmen die Gespräche ihren Lauf, derweil das Team aus dem benachbarten Restaurant „Eduard“ die Männer und Frauen im Saal liebevoll umsorgte. Ganz vorne links, direkt an der Bühne, machte der Bischof zuerst Station. Unverblümt konfrontierte ihn eine Frau mit ihren „vielen Berührungen mit negativen Aspekten von Kirche“. Inzwischen ist sie evangelisch geworden.

Aber die katholische Kirche, die einmal die ihre war, liegt ihr trotzdem noch am Herzen — und noch mehr der Glaube, der dort bekundet wird: „Wie wollen Sie Menschen motivieren, die Freude zu zeigen, die sie dabei erfahren?“ Der Bischof bleibt zurückhaltend, eher unverbindlich und äußert, wie wichtig es ihm sei, „dass wir Hoffnung neu spüren“. Aber Dieser beweist zumindest Offenheit, wiegelt nicht ab und unterbricht die kirchenkritische Frau auch nicht, so dass die Protokoll führende Mitarbeiterin schließlich mit mahnendem Unterton fragt: „Können wir das Gespräch nicht ein bisschen öffnen?“

Es sitzen sehr verschiedene Menschen mit sehr verschiedenen Lebensgeschichten um den Tisch. Ein Mann, geschieden und wieder verheiratet, ist mit dabei, zudem eine hoch gewachsene Frau mit lockigem Haar und achtjähriger Tochter, deren Interesse am Glauben langsam erwacht — Leute mit sehr ernsthaften Fragen an den ranghohen Vertreter der Institution Kirche. „Wie offen wollen Sie sein?“ „Wie stehen Sie zum Dialog mit den Muslimen?“ In Alsdorf wird vor allem über Themen gesprochen, die in ihrer Bedeutung weit über den Tag hinausgehen — zumindest an diesem einen Tisch.

Aber auch die Art und Weise, wie Katholiken ihre Überzeugungen in Pfarren und ähnlichen Gliederungen leben, stand auf der Tagesordnung — denn die Aktion „Heute bei dir“ soll die Gläubigen auch mit auf den Weg zu eingreifenden Veränderungen im Bistum nehmen.

Vor allem aber war der Mann im Mittelpunkt des Interesses beeindruckt vom starken Zuspruch: „Ich freue mich an diesem Bild“, gab er mit Blick auf die voll besetzten Tische, die fleißige Helfer auch auf den Stufen der Empore platziert hatten.

Ähnlich positiv fiel Diesers Schlussbilanz aus: „Ich bin sehr überrascht von so viel Zuversicht“, auch wenn sich in den kommenden Jahren in und um Aachen vieles auf teilweise schmerzliche Weise ändern werde und müsse ...

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