Freiwillige gesucht : Runter vom Sofa, rein ins Ehrenamt

Schwere Unfälle oder gar große Katastrophen gehören zu den Horrorvorstellungen eines jeden Menschen. Ist das Unaussprechliche dann einmal Wirklichkeit geworden, rücken die Profis von Katastrophenschutz und Rettungsdienst an.

Zaubern können auch sie freilich nicht, es bedarf in jeder Situation der Hilfe von so vielen ehrenamtlichen Helfern und Experten wie nur möglich. Speziell im Katastrophenschutz gibt es in der Städteregion wenige bis gar keine „Planstellen”, vielmehr wird der gesamte Bereich vom Ehrenamt aufgefangen und abgedeckt. Die demografische Entwicklung tut aber ihr übriges, um die Armee der Ehrenamtler weiter zu dezimieren.

Unter dem Titel „Ehrenamt reloaded: Runter vom Sofa, rein ins Ehrenamt” hat sich das Amt für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz der Städteregion Aachen dieser Problematik gestellt. Im Premierenworkshop sollten neue Wege erkundet werden, um freiwillige Helfer und Ehrenamtler zu gewinnen. Gut 50 Teilnehmer – viele aus dem Bereich des Katastrophenschutzes und des Rettungsdienstes, aber auch Menschen, die mit der Thematik bislang kaum etwas zu tun hatten, trafen sich im Herzogenrather Nell-Breuning-Haus. Der interaktive Workshop zur Ideen- und Strategiefindung war gespickt mit fachspezifischen, kurzweiligen Vorträgen, die das Begeisterungspotential für den Dienst in Ausnahmesituationen hervorhoben.

Vor genau einem Jahr waren es die Städteregionsfraktionen der CDU und der Grünen, die den entsprechenden Antrag im Ausschuss für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz einreichten. Die Verwaltung übernahm die Planung der Veranstaltung.

Als externer Moderator konnte der Bonner Ludwig Weitz begrüßt werden. Schnell wurde unter den Teilnehmern klar, dass „konservative” Werbemaßnahmen wie Flyer oder ein Tag der offenen Tür längst nicht mehr die Reichweite entwickeln, die für das Sachgebiet vonnöten wäre. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten bereits Besprechungen mit Vertretern der Bezirksschülervertretung sowie mit etablierten Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder den Johannitern stattgefunden, um die Lücken im „Rekrutierungssystem” aufzudecken.

Ein „Querdenken” war gefragt, das Ziel formuliert sich griffig: finden und binden. Der Workshop konnte an seinem Ende ein reichhaltiges Portfolio an Ideen für die Politik anbieten. Besonders wichtig war es den Beteiligten, auf eine niederschwellige Kommunikation zwischen Ehrenamtlern und beispielsweise Arbeitgebern hinzuweisen.

Vordrucke für sogenannte „Arbeitgeberschreiben” für die Freistellung des Arbeitnehmers bei ehrenamtlichen Verpflichtungen gestalten sich als wirksames Mittel. Ferner sehen die Teilnehmer nach wie vor ein großes Problem in der Selbstdarstellungen einzelner Organisationen. Nicht jede hat einen eigenen „Webmaster”, der den Internetauftritt zeitgemäß und aktuell auf dem Laufenden hält.

Besonders in diesem Punkt wünscht sich das Ehrenamt eine stärkere und zentrale Koordination durch die Städteregion Aachen – eine Netzplattform zum zentralen Austausch von Informationen wurde ins Gespräch gebracht. Die Themen würden in diesem Falle ineinander greifen – die Sensibilisierung von Arbeitgebern wäre laut Marlis Cremer (Amt für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz der Städteregion) ein positiver Synergieeffekt.

(yl)